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Cultivar bei Karnivoren: Sortennamen richtig lesen
Ein Cultivar (Sorte) ist eine auf bestimmte Merkmale hin ausgewählte Pflanzengruppe, die unterscheidbar, einheitlich und beständig bleibt, wenn man sie auf geeignete Weise vermehrt. Der Name steht in einfachen Anführungszeichen, etwa Dionaea 'Akai Ryu', und ist keine Art. Die ICPS verlangt für Karnivoren-Cultivare die Registrierung. Ein Handelsname ist kein Cultivar-Name und gehört nicht in Anführungszeichen.
AUF EINEN BLICK
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Cultivar (Sorte): ausgewählte Pflanzengruppe, die unterscheidbar, einheitlich und beständig bleibt, wenn man sie auf geeignete Weise vermehrt; keine Art (ICNCP).
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Schreibweise: Gattung plus Cultivar-Name in einfachen Anführungszeichen; die Art oder Kreuzungsangabe ist keine Pflicht, der Code empfiehlt aber, die Art dazuzuschreiben.
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Handelsnamen sind kein Cultivar-Name, stehen nicht in Anführungszeichen und müssen vom Cultivar-Namen unterscheidbar sein.
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Grex ist nach Code und Rice nur für Orchideen zulässig; für Karnivoren bleiben Cultivar, Cultivar-Gruppe und informelle Bezeichnungen.
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Registrierung über die ICPS: gedruckte Beschreibung mit Farbfoto und „Standard“ (Farbfoto der Unterscheidungsmerkmale); das Register ist durchsuchbar, kann aber Lücken haben.
Was ist ein Cultivar?
Barry Rice (Carnivorous Plant FAQ, Einzelautor, Seite von 2018) erklärt: Das Wort ist eine Kurzform von „cultivated variety“ und bezeichnet eine gartenbaulich anerkannte, besondere Pflanze, die wegen ihrer Eigenschaften ausgewählt wurdeS1. Genauer fasst es der internationale Code für Kulturpflanzen-Namen (ICNCP, 9. Ausgabe 2016): Ein Cultivar ist eine Gruppe von Pflanzen, die auf ein Merkmal oder eine Merkmalskombination hin ausgewählt wurde und diese Merkmale unterscheidbar, einheitlich und beständig behält, wenn man sie auf geeignete Weise vermehrtS6. Pflanzen desselben Klons können einen Cultivar bilden. Der Code nennt aber auch samenvermehrte Cultivare, etwa F1-Hybriden, also Nachkommen einer gezielten, wiederholbaren Kreuzung zweier reiner LinienS6. Im Deutschen ist „Sorte“ ein gängiges Wort dafürS6. Mit „Varietät“ (var.), einem eigenen botanischen Rang, ist ein Cultivar nicht gleichzusetzenS6.
Kurz erklärt (eigene Wortwahl, soweit nicht anders vermerkt):
- Taxon: eine benannte Gruppe von Pflanzen, etwa Gattung oder Art.
- Hybride: eine Kreuzung zwischen zwei Taxa, zum Beispiel zwei Arten oder zwei GattungenS6.
- Klon: Pflanzen, die ungeschlechtlich aus einer Mutterpflanze vermehrt wurden; der Code spricht von „asexually propagated“S6.
- Registrierung: die Annahme eines Cultivar-Namens durch die zuständige Stelle, siehe unten. Nach dem Code ist sie kein Urteil darüber, ob der Cultivar sich wirklich unterscheidet oder wie wertvoll er istS6.
So liest du ein Etikett: Anführungszeichen und Namensteile
Ein Cultivar-Name besteht aus dem Gattungsnamen und dem Cultivar-Namen (im Code „epithet“) in einfachen Anführungszeichen. Um Cultivar-Namen zu kennzeichnen, sollen doppelte Anführungszeichen sowie „cv.“ und „var.“ nicht verwendet werdenS6. „var.“ bleibt als Angabe einer botanischen Varietät richtig und ist kein Cultivar-HinweisS6. Auf Schildern botanischer Gärten und anderer Sammlungen kann „cv.“ noch stehen: Bis 1996 war es als Alternative zugelassen, und der Code rechnet damit, dass es dort bleibt, bis die Schilder ersetzt werdenS6.
Mehr als Gattung und Cultivar-Name ist nicht nötigS1, S6. Der Code empfiehlt aber, die Art oder das niedrigste bekannte Taxon dazuzuschreiben, weil das Leser besser informiertS6. Bei Kreuzungen zeigt der Code die Kreuzungsangabe in Klammern vor dem Cultivar-Namen, etwa Camellia (C. japonica × C. saluenensis) 'Donation' (kein Karnivor)S6. Rice zeigt ein Beispiel ohne Klammern (Sarracenia flava × leucophylla vor dem Cultivar-Namen) und nennt als Grundlage seiner Seite ältere Ausgaben des Codes (2004, 1995)S1. Ein „ד unmittelbar vor dem Cultivar-Namen soll nach dem Code nicht dazu dienen, einen Cultivar als Hybride zu kennzeichnenS6.
Eine Falle nennt Rice: Eine S. leucophylla aus Alabama solle man nicht als S. leucophylla 'Alabama' führen, weil das wie ein Cultivar-Name aussehe; er empfiehlt einen Bindestrich, also S. leucophylla---AlabamaS1.
Unsere Einordnung: Anführungszeichen allein sagen noch nichts darüber, ob ein Name wirklich registriert ist. Das lässt sich im Register nachsehen (siehe unten), das aber Lücken haben kann.
Handelsname ist nicht Cultivar-Name
Ein Handelsname („trade designation“) ist nach dem Code kein Cultivar-Name, sondern ein Marketing-Mittel: Man vermarktet einen Cultivar damit anstelle oder zusätzlich zu seinem anerkannten NamenS6. Er darf nicht in Anführungszeichen stehen und muss, wenn er genannt wird, vom Cultivar-Namen typografisch unterscheidbar sein und von diesem begleitet werdenS6. Ein Beispiel des Codes (kein Karnivor): Choisya ternata GOLDFINGERS 'Limo'. Der Handelsname ist hier in Großbuchstaben gesetzt, der Cultivar-Name steht in AnführungszeichenS6.
Zu Sortenschutz, Marken oder Züchterrechten sagen wir nichts. Die Kurzanleitung im Anhang IX des Codes merkt an, Cultivar-Namen seien zur freien Verwendung gedacht und böten selbst keinen Schutz, wenn man Schutzrechte an der Sorte erwerben wolleS6. Rechtsfragen klärt eine Fachstelle.
Cultivar-Gruppe und Grex
Eine Cultivar-Gruppe fasst Cultivare zusammen, die ein Merkmal teilen. Rice nennt als Beispiel die Gruppe „Dentate Traps“ bei Dionaea, die Cultivare mit verkürzten, dreieckigen Zähnen vereint, darunter 'Dentate Traps', 'Sawtooth' und 'Red Piranha'S2. Der Code nennt die Kategorie „Group“ und beschreibt sie als Zusammenfassung von Pflanzen mit definierter, merkmalsbasierter ÄhnlichkeitS6. Auf einem Etikett steht der Gruppenname mit dem Wort „Group“ in Klammern, etwa Dionaea (Dentate Traps Group) 'Sawtooth'S2, S6.
Ein Grex fasst dagegen alle Pflanzen aus einer bestimmten Kreuzung zusammen. Das ist laut Code und laut Rice nur für Orchideen zulässigS3, S6. Rice nennt als Ausweg für Karnivoren Cultivar-Namen, Cultivar-Gruppen oder informelle Bezeichnungen, die sich klar von Cultivar-Namen unterscheidenS3. Er schreibt, viele Karnivoren-Gärtner fühlten sich vom Cultivar-System nicht gut bedient; am lautesten seien die Nepenthes-Züchter, in kleinerem Maß die Sarracenia-Züchter. Als deren Argument nennt er, Käufer könnten bei einer Datenbank der Greges (Mehrzahl von Grex) die Abstammung nachschlagen. Er selbst hielte beide Systeme nebeneinander für das Beste, auch wenn es aufwendig zu verwalten wäreS3. Das ist seine Meinung, keine Regel.
Wie ein Cultivar-Name registriert wird
Die International Carnivorous Plant Society (ICPS) ist die international zuständige Registrierungsstelle für Karnivoren-Cultivare, von der International Society for Horticultural Science ernannt. Alle Namen von Cultivaren und Cultivar-Gruppen müssen dort registriert werden (ICPS-Seite, Verfasser nicht genannt)S4. Die Seite nennt als Voraussetzungen:
- Eine Beschreibung mit Farbfoto muss in einem Buch oder einer vergleichbaren gedruckten Zeitschrift erscheinen, etwa im Carnivorous Plant Newsletter (CPN)S4. Auch die Kurzanleitung im Code (Anhang IX) hält fest: Eine rein elektronische Veröffentlichung, etwa auf einer Website, begründet keinen neuen NamenS6.
- Die Beschreibung soll angeben, wodurch sich die Pflanze von anderen unterscheidet, besonders von anderen Cultivaren. Eine „Diagnose“ (knappe Beschreibung der Unterscheidungsmerkmale) ist empfohlen und bei leicht verwechselbaren Gruppen (genannt: Dionaea, Sarracenia-moorei-Hybriden) für eine Veröffentlichung im CPN verpflichtend; sie muss den ähnlichsten bereits beschriebenen Cultivar und alle Merkmale nennen, an denen man den neuen sicher unterscheiden kannS4.
- Ein „Standard“: Farbfoto(s), die alle Unterscheidungsmerkmale zeigen, samt Erlaubnis zur VervielfältigungS4.
- Außerhalb des CPN geht nach der Veröffentlichung ein gedruckter Beleg mit Registrierungsformular an den Registrar der ICPS, die für die Registrierung zuständige Person. Der Registrar kann weitere Anforderungen stellenS4.
Namen, die nicht etabliert sind (in der Regel, weil keine veröffentlichte Beschreibung vorliegt), taugen laut ICPS nicht zur IdentifikationS4.
Bei der Namenswahl nennt Rice: höchstens drei Wörter, nicht auf Latein, keine Selbstlobversprechen wie „Super-perfect“S5. Rice zitiert für seine Seite ältere Ausgaben des Codes; eine Drei-Wörter-Grenze finden wir im ICNCP (9. Ausgabe) nicht. Dort gilt für neue Namen höchstens 30 Zeichen ohne Leerzeichen und AnführungszeichenS6. Übereinstimmend: nicht ausschließlich Latein (mit Ausnahmen) und keine Übertreibung der VorzügeS5, S6. Verboten sind nach dem Code außerdem Wörter wie „hybrid“, „group“ oder „selection“S6.
'Akai Ryu': Was das Register zeigt
Im ICPS-Register der Cultivare (Stand: registriert bis 2025) stehen für Dionaea 164 Einträge, für Sarracenia 372. Das Register weist selbst darauf hin, dass im CPN veröffentlichte Cultivare noch nicht immer eingetragen sindS7. Der Eintrag Dionaea 'Akai Ryu' nennt R. Gagliardo als Originator (Züchter oder Finder), die Veröffentlichung im CPN 25:50 (1996) und die Registrierung am 10.11.1998. Das Register ordnet die Pflanze der Art Dionaea muscipula zu; der Name stammt aus dem Japanischen und bedeutet „Red Dragon“S7. Die Beschreibung nennt dunkle kastanienbraune bis burgunderrote Färbung von Blattstiel, Blatt und FalleS7.
Zwei weitere Einträge zeigen, dass ein Schild allein nicht reicht. Dionaea 'Green Dragon' (Fachzeitschrift Taublatt 51:25, 2005) trägt im Register den Vermerk, die Pflanze sei irreführend als 'Akai Ryu' angeboten wordenS7. Dionaea 'Petite Dragon' (CPN 36:53, 2007) war nach dem Register ursprünglich als 'Akai Ryu' beschriftet und möglicherweise von ihr abgeleitet; der Autor R. Ziemer schreibt nur, die Pflanze, die er erhielt, sei nicht die echte 'Akai Ryu' gewesenS7.
Unsere Einordnung: Der Name allein belegt noch nicht, dass die Pflanze dazu passt. Ein Blick ins Register zeigt, ob der Name dort bis 2025 eingetragen ist, welche Merkmale beschrieben sind und wer die Pflanze benannt hat. Auch die Registrierung selbst ist nach dem Code kein Urteil darüber, ob der Cultivar wirklich unterscheidbar oder wertvoll istS6. Ob eine einzelne Pflanze zur Beschreibung passt, sagt sie nicht.
Mehr zur Vermehrung: Venusfliegenfalle vermehren. Etliche Dionaea-Einträge im Register nennen vegetative Vermehrung, etwa durch TeilungS7.
Fazit: Ein Cultivar-Name in einfachen Anführungszeichen ist ein Etikett für eine ausgewählte Pflanze, kein Name einer Art. Das Register der ICPS zeigt, ob ein Name bis 2025 registriert wurde und wie die Pflanze beschrieben ist; es kann unvollständig sein, und eine Registrierung ist kein Urteil über Unterscheidbarkeit oder Wert des Cultivars. Das Register nennt auch Fälle, in denen Pflanzen unter falschem Namen angeboten wurden. Stand: Code 9. Ausgabe (2016), Register bis 2025. Das ist keine Rechtsberatung zu Sortenschutz oder Markenrecht.
Quellen
S1 Barry Rice (Einzelautor): The Carnivorous Plant FAQ: What are cultivars? (2018). Einzelautor-Werk; zitiert als Grundlage ältere Ausgaben des Codes (1995, 2004).
S2 Barry Rice (Einzelautor): The Carnivorous Plant FAQ: What are cultivar-groups? (2018). Einzelautor-Werk.
S3 Barry Rice (Einzelautor): The Carnivorous Plant FAQ: What is a grex? (2018). Enthält persönliche Meinung des Autors.
S4 International Carnivorous Plant Society (ICPS), Verfasser nicht genannt: Cultivar Registration (o. J.). ICPS-Seite ohne Verfasserangabe.
S5 Barry Rice (Einzelautor): The Carnivorous Plant FAQ: How do I make my plant a cultivar? (2018). Einzelautor-Werk; enthält Empfehlungen und Meinungen des Autors; zitiert ältere Ausgaben des Codes (1995, 2004).
S6 International Society for Horticultural Science (ISHS); Brickell et al.: International Code of Nomenclature for Cultivated Plants, Ninth Edition (Scripta Horticulturae 18) (2016). Volltext-PDF gelesen: https://ishs.org/app/uploads/2025/01/ScriptaHorticulturae_18.pdf. Genutzt: Art. 1.4, 2.1, 2.3, 2.6, 2.12, 2.16, 4.1, 13, 14.1, 14.3, 15.1, 17, 21.2, 21.11-21.13, 21.17, Rec. 21A.1, Division IV, Appendix VII, IX.
S7 International Carnivorous Plant Society (ICPS), Verfasser nicht genannt: Carnivorous Plant Names Resource: Registered Dionaea / Sarracenia Cultivars (2025 (Stand der Liste)). Register-Datenbank; Sarracenia-Liste unter ?name=Sarracenia. Register nennt selbst mögliche Lücken (im CPN veröffentlichte Cultivare, noch nicht eingetragen).