Pflegeguide · Drosera
Sonnentau pflegen
Der Leitfaden für Drosera, die Sonnentau-Arten: Licht, reines Wasser, Substrat und vor allem die Frage, zu welcher Gruppe die Pflanze gehört. Subtropische, gemäßigte, Knollen- und Zwerg-Arten haben ganz unterschiedliche Ruhezeiten.
Pflege auf einen Blick
Die Tabelle gilt als Grundlage für die meisten häufig gehaltenen Arten. Weil die Gattung über 200 Arten umfasst [7], zeigt der Abschnitt zu den Artengruppen, wo die Pflege abweicht.
Bereich
Wachstumszeit
Ruhezeit
Häufiger Fehler
Licht
Volle bis halbe Sonne [6], Subtropische brauchen mehr als eine Fensterbank bietet [1]
Hell, bei Zwergarten mit natürlichem Tageslängenwechsel [4]
Zu wenig Licht: wenig oder kein Tau
Wasser
Reines Wasser, Substrat dauerhaft feucht, meist Anstau [6][8]
Gemäßigte nur feucht [2], Knollenarten im Sommer nur feucht [3]
Salze im Wasser: bremsen oder töten die Pflanze [8]
Temperatur
Subtropische 10–35 °C [1], Knollenarten leiden über 25 °C [3]
Gemäßigte etwa 6–9 Monate kalt [2]
Falsche Gruppe: Winterruhe fehlt oder wird erzwungen
Substrat
Torf und Sand 1:1 bis 1:2 [1][3]
Unverändert
Blumenerde oder Dünger im Substrat [1][6]
Zur Gattung im Codex: Drosera.
Die ICPS führt eigene Anleitungen für subtropische, warm- und kaltgemäßigte, Knollen- und Zwerg-Drosera. Zum meistverkauften Kap-Sonnentau (D. capensis) enthalten sie keine eigene Angabe, Händler- und Forenberichte sind uneins, ob er eine Ruhezeit braucht.
Standort und Licht
Sonnentau wächst meist an jahreszeitlich feuchten, selten dauerhaft nassen Orten mit nährstoffarmem, saurem Boden und viel Sonne, etwa in Mooren, Heiden und an Bachufern, oft zwischen Torfmoosen [7][8]. Daraus folgt der Lichtbedarf. Weniger Licht zeigt sich meist zuerst am Tau.
Subtropische Arten brauchen laut ICPS mehr Licht, als eine Fensterbank meist bietet. Gute Ergebnisse gelingen unter Lampen im Regal (LED ist besser als Leuchtstoffröhre) [1][3]. Zwergarten brauchen intensives Licht und einen Tageslängenwechsel per Zeitschaltuhr [4]. Wie Licht gemessen wird: Licht verstehen.
Wasser und Gießen
Die richtige Quelle
Destilliertes, Osmose- oder Regenwasser. Nährstoffe und Salze können Sonnentau bremsen oder töten [8]. Mehr dazu: Welches Wasser brauchen Karnivoren?
Anstau
Die meisten Sonnentau-Arten stehen in einer Wasserschale, das Substrat bleibt dauerhaft nass. Einige mögen es sogar staunass [6].
Heiße Tage
Kaltgemäßigte Arten stehen im Wachstum im Wasser, bei Hitze wird der Topf regelmäßig geflutet [2].
Sämlinge
Sämlinge werden nicht von oben gegossen. Nach der Aussaat wird die Oberfläche nur leicht besprüht [1].
Ruhezeit
Winterknospen bleiben kühl und nur feucht [2]. Knollenarten lagert man im Sommer nur feucht im Schatten, die Wasserschale kommt Anfang August zurück [3].
Luftfeuchte
Subtropische Arten mögen höhere Luftfeuchte, als in Wohnungen üblich ist [1]. Sämlinge wachsen in verschlossenen Beuteln, bis sie groß genug sind [1].
CHECKLISTE: DIE ERSTEN 4 WOCHEN NACH DEM KAUF
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Woche 1: Gruppe der Pflanze klären (siehe Artengruppen), denn davon hängt die Ruhezeit ab.
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Woche 1–2: Wasserquelle klären (Regen- oder Osmosewasser) und den Topf in eine Schale mit Wasser stellen.
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Woche 2: Licht prüfen. Der Tau zeigt, ob es reicht. Fehlt er, mehr Licht geben [1][4].
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Danach: Keinen Dünger ins Substrat geben [1]. Gefüttert werden nur Blätter, die Tau tragen [1].
Topf, Dünger, Substrat, Artengruppen und Vermehren
Die Details, die in der Praxis über kräftige und schwache Pflanzen entscheiden. Wo Quellen sich widersprechen, steht beides da.
Subtropische Arten werden etwa alle 3 bis 5 Jahre umgetopft [1]. Knollenarten brauchen tiefe Töpfe, die ICPS nennt 16 cm tiefe Töpfe der Größe „#1“ in etwa 2 cm Wasser [3]. Zwergarten wachsen in kleinen Töpfen (Beispiel 8 cm breit, 9,5 cm hoch) [4]. D. binata mag große Töpfe [9]. Erwachsene Pflanzen lassen sich in kleinen Töpfen in Wasserschalen gut führen [5].
Umtopfen und Ruhezeit
Beides hängt von der Gruppe ab. Gemeinsam ist: Gewachsene Wurzeln werden nur dann gestört, wenn die Pflanze ruht.
Umtopfen
Subtropische Arten brauchen alle 3 bis 5 Jahre ein neues Substrat [1]. Kaltgemäßige Arten werden im Frühjahr zu Wachstumsbeginn umgetopft [2]. Knollenarten werden nur in der Ruhe umgesetzt, etwa einen Monat nach dem Absterben, und zwar in gleicher Tiefe von meist 5–10 cm [3].
Wachsende Pflanzen haben empfindliche, sehr lange Wurzeln und werden nicht umgesetzt [3]. Allgemein zum Umtopfen: Welches Substrat für welche Karnivore?
Ruhezeit
Alle europäischen Arten überwintern als Winterknospe und treiben im Frühjahr neu aus [7]. Die ICPS rechnet bei D. rotundifolia und D. anglica mit etwa sechs Monaten Ruhe, bei D. linearis und nördlichen D. intermedia bis zu neun [2]. Knollenarten und Zwergarten ruhen im Sommer [3][4].
Gemäßigten Sonnentau in vier Schritten überwintern
Herbst
Die Tage werden kürzer, Blätter sterben ab, die Pflanze zieht sich auf eine Winterknospe zurück [6][7].
Winter
Kühl stellen, die Knospen nur feucht halten [2]. Draußen im Heimatgebiet bleiben sie ganzjährig im Freien [2].
Rund sechs Monate
So lange ruhen D. rotundifolia und D. anglica etwa, nördliche Formen bis zu neun Monate [2]. Im Winter sollen auch Samen über 4 Wochen bei 1–4 °C stratifizieren [2].
Frühjahr
Zu Wachstumsbeginn umtopfen, damit die Knospenbasis im Substrat sitzt, danach wieder im Anstau halten [2].
Knollenarten ruhen dagegen im Sommer: Man lässt die Pflanze braun werden, hält das Substrat dann nur feucht und lagert die Töpfe im Schatten, Anfang August kommen sie in die Wasserschale zurück [3]. Zu erzwingen ist die Ruhe nicht, bevor die Pflanze 6 bis 7 Monate gewachsen und blühreif ist [3].
Wenn der Tau fehlt
Tau zeigt, dass Licht, Wasser und Luftfeuchte zusammenpassen. Fehlt er, hilft diese Reihenfolge (unsere Einordnung): zuerst das Licht prüfen [1][4], dann die Wasserqualität [8], dann die Luftfeuchte [1]. Wie sich Licht messen lässt: Licht verstehen.
Blüte
Die Blüten stehen an langen Stielen über den Fallen und öffnen sich vor allem bei direkter Sonne [8]. Bei einjährigen Arten wie D. burmannii verlängert das Entfernen des Blütenstiels das Leben [1]. Bei der capillaris-Gruppe rät die ICPS, die Stiele früh abzuschneiden, bei einer Blüte nimmt die Pflanze oft stark ab [5].
Probleme erkennen
Typische Symptome und die wahrscheinlichste Ursache. Die Zeilen verlinken auf die ausführlichen Artikel.
Symptom
Wahrscheinliche Ursache
Was hilft
Kaum oder kein Tau
Zu wenig Licht, trockene Luft oder hartes Wasser [1]
Pflanze zieht im Winter ein
Winterknospe bei gemäßigten Arten, normal [2][7]
Kühl und feucht halten, nicht entsorgen
Knollenart stirbt im Frühjahr ab
Sommerruhe, normal [3]
Substrat nur feucht halten, Wasserschale ab Anfang August [3]
Moos, Algen oder Pilze auf dem Substrat
Cyanobakterien und Moos aus Torf und Torfmoos [1]
Sandschicht auflegen: Warum wird das Substrat grün?
Angefressene Sämlinge, winzige Fliegen
Trauermückenlarven [1]
Häufige Fragen zu Sonnentau
Ist Sonnentau winterhart?
Das hängt von der Gruppe ab. D. rotundifolia braucht einen echten Winter und lässt sich im Heimatgebiet ganzjährig draußen halten, D. anglica ist in Zone 9 und kälter draußen möglich, D. linearis tut sich bei milderen Wintern als Zone 7 schwer [2]. Subtropische Arten brauchen Frostschutz [1].
Braucht Sonnentau eine Ruhezeit?
Gemäßigte Arten ja, sie ruhen als Winterknospe [2]. Knollen- und Zwergarten ruhen im Sommer [3][4]. Subtropische Arten brauchen laut ICPS keine Ruhezeit [1].
Wie fütter ich Sonnentau?
Nur Blätter mit Tau, mit kleinen lebenden Insekten oder eingeweichten Mückenlarven. Schimmelt das Futter, weniger geben [1]. Ein Händler nennt Goldfischflocken [6].
Warum bildet mein Sonnentau keinen Tau?
Meist fehlt Licht. Die ICPS nennt für Subtropische mehr Licht als eine Fensterbank und für Zwergarten intensives Licht [1][4]. Ebenfalls prüfen: Wasserqualität [8] und Luftfeuchte [1].
Welche Art eignet sich zum Einstieg?
Zu den robustesten, im Handel erhältlichen Arten zählen D. capensis, D. aliciae und D. spatulata. Die meisten anderen Arten sind anspruchsvoll und kaum erhältlich [8].
Sind Sonnentau geschützt?
Alle heimischen Drosera-Arten sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz geschützt [7]. Wildsammlung ist weltweit eine der Hauptgefahren [8]. Gekauft werden sollte deshalb Nachzucht.
Substrat
Welches Substrat für Sonnentau?
Sonnentau braucht ein saures, nährstoffarmes Substrat. Standard ist Torf mit Sand, für Knollen- und Zwergarten mit mehr Sand [1][3][4].
Wichtig ist, dass nichts im Substrat Nährstoffe oder Salze abgibt. Normale Blumenerde schädigt die Pflanze auf Dauer [6].
Black Trap bietet dafür eine fertige Mischung und Quarzsand zum Selbstmischen an.
Quellen
Die Angaben stammen aus Anleitungen einer Fachgesellschaft, aus der Anleitung eines Händlers und aus Lexikonartikeln, nicht aus kontrollierten Anbauversuchen. Werte unterscheiden sich teils zwischen den Quellen.
[1] International Carnivorous Plant Society: Growing Subtropical Drosera. Anleitung einer Fachgesellschaft.
[2] International Carnivorous Plant Society: Growing cold temperate Drosera. Anleitung einer Fachgesellschaft.
[3] International Carnivorous Plant Society: Growing tuberous Drosera. Anleitung einer Fachgesellschaft.
[4] International Carnivorous Plant Society: Growing pygmy Drosera. Anleitung einer Fachgesellschaft.
[5] International Carnivorous Plant Society: Growing warm temperate Drosera. Anleitung einer Fachgesellschaft.
[6] California Carnivores: Sundews (Drosera) Growing Tips. Händler-Anleitung.
[7] Wikipedia (de): Sonnentau. Lexikonartikel zu Verbreitung, Wuchsformen, Fallen und Schutz.
[8] Wikipedia (en): Drosera. Lexikonartikel mit Verweisen u. a. auf D’Amato (1998) und Rice (2006).
[9] International Carnivorous Plant Society: Growing Drosera binata. Anleitung einer Fachgesellschaft.
Fazit
Sonnentau pflegen heißt: die Gruppe der Pflanze kennen
Viel Licht, reines Wasser im Anstau und ein nährstoffarmes Torf-Sand-Substrat tragen die meisten Sonnentau-Arten. Danach entscheidet die Gruppe: Subtropische brauchen keine Ruhezeit, gemäßigte Arten einen echten Winter, Knollen- und Zwergarten eine Sommerruhe.
Wer die Gruppe kennt und im Zweifel zuerst das Licht prüft, hat die häufigsten Probleme meist im Griff.
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