Pinguicula pflegen

Pflegeguide · Fettkraut

Pinguicula pflegen

Der Leitfaden für Pinguicula, die Fettkräuter: mexikanische Arten mit Sommer- und Winterform, heimische Arten mit Winterknospe, Substrat, Wasser und Winterruhe. Mit den Stellen, an denen sich Fachquellen widersprechen.

Herkunft Mexiko und Mittelamerika, daneben Europa, Nordamerika und Asien
Licht hell, aber ohne pralle Mittagssonne
Wasser Regenwasser, im Sommer flacher Anstau
Substrat locker, mineralreich, meist neutral bis alkalisch
Winterruhe mexikanische Arten kühl und fast trocken, heimische als Winterknospe
Mexikanische Pinguicula mit klebriger, hellgrüner Sommerrosette und einer violetten Blüte in einem terrakottafarbenen Plastiktopf, der im Untersetzer mit Wasser auf einer Fensterbank steht

Pflege auf einen Blick

Die Tabelle gilt vor allem für die häufig gehaltenen mexikanischen Arten. Heimische und tropische Arten unterscheiden sich, das zeigt der Abschnitt zu den Artengruppen. Begründungen und Quellen stehen darunter.

Bereich

Sommerform (Fangblätter)

Winterform (fleischige Blätter)

Häufiger Fehler

Licht

Heller Platz, keine volle Sonne [2], jahreszeitlich wechselnde Tageslänge [1]

Hell, kürzerer Tag [1]

Dauerlicht: die Pflanze bleibt in der Winterform [1]

Wasser

Topf etwa 1 cm im Wasser, Schale bis 2 cm [1]

Schale etwa eine Woche austrocknen lassen [1] oder ganz trocken halten [2]

Winterliche Nässe: die Rosette fäult [2]

Temperatur

Optimum 20–25 °C, kurz bis 35–40 °C [2]

5–10 °C bei trockenem Substrat, kein Frost [2]

Warm und feucht überwintern

Substrat

Torf, grober Sand, Perlit 1:1:1 mit Dolomitkalk [1], oder rein mineralisch [2]

Unverändert

Reiner, saurer Torf ohne Kalk und Struktur [1]

Zur Gattung im Codex: Pinguicula.

Beim Substrat stehen zwei Schulen nebeneinander: die ICPS empfiehlt ein Torf-Sand-Perlit-Gemisch mit Kalk [1], ein erfahrener Züchter arbeitet seit rund 15 Jahren rein mineralisch ohne Torf [2]. Beide Ansätze stehen im Abschnitt Substrat.

Standort, Licht und Jahresrhythmus

Rund die Hälfte aller Pinguicula-Arten stammt aus Mexiko [4]. Die meisten dieser Arten bilden zwei Rosetten: im Sommer klebrige Fangblätter, im Winter kompakte, fleischige Blätter ohne Tau [1][5]. Die Fangblätter erscheinen von Mitte Frühling bis in den Herbst, die fleischigen Blätter von Winter bis zum Frühling [1]. P. gigantea bildet keine Winterblätter, wird aber im Winter kleiner [1].

Zum Licht widersprechen sich die Quellen leicht: Die ICPS nennt ein helles, sonniges Fenster oder Pflanzenlampen [1], ein Züchter in Frankreich warnt vor voller Sonne und arbeitet mit Schattiernetz [2]. Beide betonen den Jahreswechsel: Der Tag wird im Herbst allmählich kürzer und im Frühjahr länger, unter Lampen mit Zeitschaltuhr [1]. Wie Licht gemessen wird: Licht verstehen.

Nahaufnahme eines klebrigen, tauglänzenden Fangblatts einer Pinguicula mit zwei kleinen Insekten, darunter eine Abdeckung aus grobem hellem Quarzsand auf dem Substrat

Wasser und Gießen

Die richtige Quelle

Regenwasser, so nutzt es auch ein erfahrener Züchter [2]. Die ICPS-Anleitung nennt keine Wasserqualität, die allgemeinen Regeln stehen in Welches Wasser brauchen Karnivoren?

Sommer: Anstau

Die ICPS hält die Töpfe von Frühling bis Herbst etwa 1 cm tief im Wasser, die Schale darf bis 2 cm enthalten, kurzes Abtrocknen von einigen Tagen ist in Ordnung. Von oben wird selten gegossen [1].

Sommer: abtrocknen lassen

Ein anderer Züchter lässt das Substrat zwischen den Gaben abtrocknen, gießt die Oberfläche an, meidet die Rosetten und hört auf, sobald unten Wasser austritt [2]. Beide Wege funktionieren, je nach Substrat und Klima.

Winter: trocken

Die ICPS lässt die Schale zwischen den Gaben etwa eine Woche austrocknen [1]. Der Züchter in Frankreich gießt von etwa September/Oktober bis März/April gar nicht [2].

Rosette im Boden

Im Herbst liegen manche Rosetten fast vergraben im Substrat. Gießen kann sie dann zum Faulen bringen, deshalb nur bei Bedarf gießen [2].

Luft in Bewegung

Im Sommer hohe Luftfeuchte, aber keine stehende Luft: Ein Ventilator läuft dauerhaft. Im Winter sinkt die Luftfeuchte auf 50–60 %, damit die ruhende Rosette nicht fäult [2].

CHECKLISTE: DIE ERSTEN 4 WOCHEN NACH DEM KAUF

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Woche 1: Jahreszeit der Pflanze bestimmen. Klebrige Fangblätter heißen Sommerform, kompakte, fleischige Blätter Winterform [1]. Davon hängt das Gießen ab.

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Woche 1–2: Wasserquelle klären (Regenwasser) und in der Sommerform den Topf in eine Schale mit etwa 1 cm Wasser stellen, in der Winterform trocken halten [1].

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Woche 2: Substrat prüfen. Die meisten mexikanischen Arten mögen kein rein saures Torfsubstrat, ein lockeres Gemisch mit Sand, Perlit und etwas Kalk ist besser [1].

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Danach: Die Substratoberfläche mit grobem Quarzsand (bis 5 mm) abdecken, das hält Trauermücken auf Abstand [1].

Topf, Substrat, Artengruppen, Dünger und Vermehren

Die Details, die in der Praxis über kräftige und schwache Pflanzen entscheiden. Wo Quellen sich widersprechen, steht beides da.

In der klassischen Schalenmethode dienen 9 cm hohe Kunststofftöpfe [1]. Der Züchter in Frankreich nutzt Kunststoff, weil er Feuchte besser hält als Ton, in zwei Größen: 12,5 cm breit und 12 cm hoch oder 20 cm breit und 12 cm hoch. Er empfiehlt Terrakottafarbe und rät von Schwarz ab, weil sich schwarze Töpfe um bis zu 5 °C stärker aufheizen können [2].

Umtopfen und Winterruhe

Beides hängt am Jahresrhythmus: Die winterliche Phase ist die beste Zeit zum Umtopfen.

Umtopfen

Die ICPS topft etwa alle fünf Jahre um, früher bei einer Salzkruste auf der Oberfläche. Der beste Zeitpunkt ist die winterliche Phase mit den fleischigen Blättern [1].

Entsteht eine Salzkruste, lohnt ein Blick auf Wasser und Dünger: Welches Wasser brauchen Karnivoren? Allgemein zum Umtopfen: Welches Substrat für welche Karnivore?

Winterruhe

Mexikanische Arten ahmen die Trockenzeit ihrer Heimat nach: kalt und trocken, optimal 5–10 °C bei trockenem Substrat, ohne Frost, mit gesenkter Luftfeuchte von 50–60 % [2]. Heimische Arten überdauern als Winterknospe. Zu viel Winterwasser lässt die Knospen faulen, und Wärme im Spätwinter löst zu frühen Austrieb aus, den späte Fröste schädigen [3].

Kompakte, fleischige grüne Winterrosette einer mexikanischen Pinguicula in einem schwarzen Topf mit hellem mineralischem Substrat aus Perlit und Grit am Fenster, daneben vertrocknete Altblätter

Überwintern mexikanischer Arten in vier Schritten

September/Oktober

Der Tag wird kürzer, die Fangblätter weichen den fleischigen Blättern. Die Wassergaben werden weniger, die Lichtdauer sinkt allmählich [1][2].

November

Kühl stellen, optimal 5–10 °C, Frost vermeiden. Die Luftfeuchte sinkt auf 50–60 % [2].

Dezember bis Februar

Die Schale etwa eine Woche zwischen den Gaben austrocknen lassen [1] oder ganz trocken halten [2]. Im Substrat vergrabene Rosetten nicht begießen [2].

Februar bis April

Beste Zeit zum Umtopfen und Vermehren [1]. Wasser und Licht steigen mit dem Frühjahr wieder, die neuen Fangblätter erscheinen ab Mitte Frühling [1].

Für heimische Arten gilt ein anderer Ablauf: Sie überdauern als Winterknospe, bleiben fast trocken und werden vor milden Phasen im Spätwinter geschützt [3].

Trauermücken

Die Larven fressen an den Blättern und können kleine Pflanzen ernsthaft schädigen. Eine Abdeckung aus grobem Quarzsand (bis 5 mm) beugt vor, gegen die Larven nennt die ICPS Bti-Präparate. Fungizide, auch Zimt, sollen nicht verwendet werden, manche Pflanzenschutzmittel schädigen Pinguicula [1]. Mehr: Trauermücken beseitigen.

Was sie fangen

Die Beute besteht meist aus winzigen Fluginsekten, auch Pollen wird verwertet. Die gestielten Drüsen auf den Blättern wirken nur einmal, danach geben ungestielte Drüsen Verdauungsenzyme ab [4]. Futter muss man drinnen meist nicht gezielt anbieten.

Probleme erkennen

Typische Symptome und die wahrscheinlichste Ursache. Die Zeilen verlinken auf die ausführlichen Artikel.

Symptom

Wahrscheinliche Ursache

Was hilft

Nur fleischige Blätter, kein Tau

Winterform, oder Dauerlicht hält sie in der Winterform [1]

Tageslänge im Jahreslauf ändern: Licht verstehen

Rosette fäult im Winter

Zu nass, zu feuchte Luft [2]

Trocken halten, Luftfeuchte 50–60 %: Probleme bei Karnivoren

Winzige Fliegen, angefressene Blätter

Trauermückenlarven [1]

Trauermücken beseitigen

Salzkruste auf dem Substrat

Salze aus Wasser oder Dünger [1]

Umtopfen, Regenwasser nutzen: Welches Wasser brauchen Karnivoren?

Grüner Belag auf dem Substrat

Algen bei dauerhafter Nässe und Licht

Warum wird das Substrat grün?

Häufige Fragen zu Pinguicula

Welche Pinguicula bekomme ich im Handel meist?

Meist mexikanische Arten und Hybriden. Die verbreitetsten sind ‘Sethos’ und ‘Weser’, beides Kreuzungen aus P. ehlersiae und P. moranensis [4]. Die Pflege dieses Artikels gilt vor allem für sie.

Braucht Pinguicula Kalk?

Die meisten Arten wachsen auf nährstoffarmen, neutralen bis alkalischen Böden, Ausnahmen wie P. vulgaris wachsen auf saurem Torf [4]. Die ICPS rät bei den meisten mexikanischen Arten zu eher alkalischem Substrat und nennt Dolomitkalk als Zusatz [1]. Ein anderer Züchter nutzt kalkhaltigen Ton in einem mineralischen Gemisch [2].

Soll ich im Sommer von oben gießen?

Die ICPS gießt selten von oben und hält die Töpfe im Anstau [1]. Der Züchter in Frankreich gießt die Oberfläche an und meidet dabei die Rosetten [2]. Wichtig ist in beiden Fällen, dass kein Wasser in der Rosette stehen bleibt.

Muss ich im Winter ganz trocken halten?

Die Quellen sind uneins. Die ICPS lässt die Schale etwa eine Woche zwischen den Gaben austrocknen [1], der Züchter in Frankreich gießt von etwa September/Oktober bis März/April gar nicht [2]. Beide halten die Luft trockener und kühl.

Darf ich Pinguicula düngen?

Die ICPS schreibt, dass Pinguicula eine leichte Bodendüngung schätzen. In Schalen mit gedüngtem Wasser verbrennen sie leicht [1].

Sind Pinguicula geschützt?

Alle in Deutschland vorkommenden Arten fallen unter die Bundesartenschutzverordnung, P. ionantha steht in CITES Anhang I [4]. Gekauft werden sollte deshalb Nachzucht.

Substrat

Welches Substrat für Pinguicula?

Pinguicula brauchen ein lockeres, nährstoffarmes Substrat. Die meisten mexikanischen Arten bevorzugen laut ICPS ein eher alkalisches Gemisch mit Sand, Perlit oder Bims und etwas Kalk [1].

Entscheidend ist, dass das Substrat strukturstabil bleibt, Wasser hält und trotzdem luftig ist. Eine Abdeckung aus grobem Sand hilft gegen Trauermücken [1].

Black Trap bietet dafür ein mineralisches Pinguicula-Substrat und Quarzsand zum Abdecken an. Pinguicula Mex enthält keinen Kalk. Die ICPS rät zu Dolomitkalk im Gemisch, bei ihrem Torf-Sand-Perlit-Gemisch etwa einen Esslöffel pro Tasse Substrat [1]. Wer das umsetzen will, ergänzt ihn selbst.

Black Trap Pinguicula Mex Substrat im schwarzen 2-Liter-Standbodenbeutel mit mineralischer Substratmischung

Passende Substrate

Pinguicula Mex

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Quellen

Die Angaben stammen aus Anleitungen einer Fachgesellschaft, aus Berichten erfahrener Züchter und aus Lexikonartikeln, nicht aus kontrollierten Anbauversuchen. Bei Substrat und pH gelten die belegten Angaben der ICPS. Werte unterscheiden sich teils zwischen den Quellen.
[1] International Carnivorous Plant Society: Mexican Pinguicula Growing Guide. Anleitung einer Fachgesellschaft.
[2] Eric Partrat (übersetzt von Serge Mallet), pinguicula.org: Growing Mexican Pinguicula. Erfahrungsbericht eines Züchters, rund 15 Jahre Praxis.
[3] Iwein Coppens (2004), pinguicula.org: An Alternative Cultivation Method for European Pinguicula. Erfahrungsbericht eines Züchters.
[4] Wikipedia (de): Fettkräuter. Lexikonartikel zu Verbreitung, Winterknospen, Beute und Schutz.
[5] Wikipedia (en): Pinguicula. Lexikonartikel zu Standorten und zweiformigem Wuchs.

Fazit

Pinguicula pflegen heißt: den Jahresrhythmus der Art kennen

Pinguicula gelingen, wenn die Pflege zur Gruppe passt: mexikanische Arten brauchen im Sommer Licht und flaches Wasser und im Winter Kühle und Trockenheit, heimische Arten ein kaltes Winterquartier für die Knospe.

Wer erkennt, in welcher Phase die Pflanze steht, vermeidet den häufigsten Fehler: Wasser und Wärme im Winter.