Pflegeguide · Wasserschlauch
Wasserschlauch pflegen
Der Leitfaden für Utricularia, die Wasserschläuche: Land-, Wasser- und Epiphytenformen brauchen ganz Unterschiedliches. Hier steht, woran man die Form erkennt und wie jede gepflegt wird, mit Quellen.
Pflege auf einen Blick
Die Gattung umfasst etwa 250 Arten, rund 60 % leben an Land, etwa 15 % im Wasser, der Rest im Fließwasser, auf Fels oder auf anderen Pflanzen [5]. Die Tabelle trennt deshalb nach Lebensform, Begründungen und Quellen stehen darunter.
Bereich
Landformen
Wasserformen
Epiphyten
Substrat
Torf und Sand 1:1 oder Torfmoos [1]
2–3 cm Torf, darauf Sand, im Wasser [3]
Sehr leichte Mischung oder lebendes Torfmoos [2]
Wasser
Wasserstand nahe oder knapp über der Oberfläche [1]
Dunkles, nährstoffarmes Wasser, pH 5,0–6,8 [4]
Reines Wasser, hohe Luftfeuchte [2]
Licht und Temperatur
Hell, Sämlinge unter Lampen [1]
Warm, halbsonnig bis gedämpft [4]
Hell, am besten kühl und feucht [2]
Ruhezeit
Je nach Art, Einjährige sterben nach der Blüte [1]
Gemäßigte: Winterknospen [4][5]
Viele ruhen jedes Jahr als Knolle [2]
Zur Gattung im Codex: Utricularia.
Die ICPS hat Anleitungen für Landformen (zusammen mit Genlisea) und Epiphyten, aber keine für Wasserformen. Dazu stützt sich der Text auf den Carnivorous Plant FAQ von Barry Rice und einen Händlerratgeber, entsprechend dünner sind die Belege.
Die drei Lebensformen unterscheiden
Landformen wachsen in nassem Boden und stellen ihre Fangblasen unter der Oberfläche auf. Wasserformen schwimmen frei oder sind im Boden verankert. Epiphyten wachsen auf Moos und Bäumen [5][6]. Wer nicht sicher ist, schaut zuerst auf den Wuchsort und dann in den Codex: Utricularia im Codex. Mehr zur Biologie: Die Pflanze, die unter der Erde jagt.
Die Fangblasen arbeiten mit Unterdruck. Die Klappe öffnet und schließt in Millisekunden: Die deutsche Wikipedia nennt unter zwei [5], die englische zehn bis fünfzehn bei Wasserarten [6]. Die Fallen sind nur 0,02 bis 1,2 cm groß, und eine Falle ist nach etwa 15 bis 30 Minuten wieder bereit [6].
Wasser und Wasserstand
Reines Wasser
Alle Formen brauchen reines Wasser, zu viel Dünger im Boden kann sie töten [1][2]. Mehr dazu: Welches Wasser brauchen Karnivoren?
Landformen
Der Wasserstand liegt nahe oder knapp über der Substratoberfläche. Der Topf kann in wenig Wasser stehen, wie bei Drosera, oder ohne Abfluss wachsen. Netztöpfe lassen sich in wassergefüllte Behälter hängen [1].
Sämlinge
Sämlinge wachsen in Beuteln mit wenigen Zentimetern Wasser [1]. Bei Epiphyten wird die Oberfläche der Saattöpfe regelmäßig mit reinem Wasser besprüht [2].
Wasserformen
Eine Wanne ohne Abfluss, mindestens 7–10 cm tief und etwa 15 cm breit, mit mehreren Zentimetern Wasser über dem Sand [3]. Ein Händler empfiehlt mindestens 30 Gallonen (rund 110 Liter), am besten einen Moorteich im Freien [4].
Epiphyten
Hohe Luftfeuchte ist nötig, Netztöpfe brauchen häufiges Überspühen [2]. Am besten gedeihen sie kühl und feucht, etwa in einem Keller oder Gewächshaus [2].
Nachbarn
Wasserschläuche wandern in angrenzende Töpfe. Die ICPS rechnet deshalb mit Abstand zwischen den Pflanzen [1][2].
CHECKLISTE: DIE ERSTEN 4 WOCHEN NACH DEM KAUF
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Woche 1: Die Form klären: wächst die Pflanze im Boden, im Wasser oder auf Moos?
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Woche 1–2: Wasserquelle klären (Regen- oder Osmosewasser) und die Form passend aufstellen: Landformen in eine Schale mit Wasser, Wasserformen in eine Wanne, Epiphyten kühl und feucht.
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Woche 2: Das Substrat prüfen. Es soll nährstoffarm sein, Blumenerde oder gedüngte Mischungen kann Utricularia nicht vertragen [1].
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Danach: Keinen Dünger ins Substrat geben [1] und genug Abstand zu anderen Töpfen lassen [1][2].
Land, Wasser, Substrat, Ruhezeit und Vermehren
Die Details, die in der Praxis über kräftige und schwache Pflanzen entscheiden. Wo Quellen sich widersprechen oder fehlen, steht das da.
Landlebende Utricularia sind nicht wählerisch beim Substrat [1]. Viele werden vor allem wegen der Blüten gezogen, Samen sammelt man, um den Bestand zu sichern [1]. Manche Arten sind einjährig oder kurzlebig, mehrjährige Arten schwächeln, wenn man sie vernachlässigt [1]. Für Epiphyten gelten U. alpina und U. asplundii als die einfachsten Arten für den Einstieg [2]. Mehr zur Blüte: Utricularia wächst prächtig, blüht aber nicht.
Teilen, Umtopfen und Ruhezeit
Utricularia wuchert gern. Das macht das Teilen leicht, bei der Ruhezeit muss man die Form kennen.
Teilen statt umtopfen
Die ICPS teilt Landformen, wenn sie den Topf ausfüllen: Man nimmt die Hälfte von Erde und Pflanzen heraus und füllt beide Teile mit frischem Substrat zu zwei Töpfen auf [1]. Ohne Pflege schwächeln mehrjährige Arten [1].
Allgemein zum Substrat: Welches Substrat für welche Karnivore?
Ruhezeit
Schwimmende Arten in kalten Klimazonen bilden im Herbst Winterknospen an den Triebspitzen, die auf den Grund sinken und im Frühjahr wieder austreiben [4][6]. Tropische Arten brauchen keine Ruhe [4]. Bei mehrjährigen gemäßigten Arten schwächelt die Pflanze ohne winterliches Einziehen [6].
Gemäßigte Wasserformen in vier Schritten überwintern
Herbst
Die Tage werden kürzer und kalt, an den Triebspitzen bilden sich Winterknospen [4].
Winter im Teich
Die Knospen sinken auf den Grund. Der Teich muss tief genug sein, dass er nicht durchfriert, ein Händler nennt 45–60 cm [4].
Alternativ drinnen
Die Knospen halten sich in einem Torfbrei im Kühlschrank [4].
Frühjahr
Wenn sich das Wasser erwärmt, wachsen die Knospen und steigen an die Oberfläche [4].
Zu den Wasserformen fehlen in den Anleitungen der ICPS Angaben, deshalb stützt sich dieser Abschnitt auf einen Händler und auf Wikipedia. Ob Winterknospen drinnen sicher funktionieren, ist mit diesen Quellen nicht belegt.
Algen im Wasser
Bei Wasserformen sind Algen die größte Gefahr. Saures, torfiges Wasser, Begleitpflanzen und lebende Infusorien-Kulturen begrenzen sie [4]. Wichtig ist auch freies CO₂ aus einem Boden mit Torf, Sand und Falllaub, der Sauerstoffgehalt im Wasser kann sehr niedrig sein [4]. Bei Landformen helfen der Beitrag Warum wird das Substrat grün? und eine Sandschicht.
Beute und Fangblasen
Die Fangblasen saugen Wasserflöhe, Rädertierchen, Fadenwürmer, Schnecken und Einzeller ein. Verdaut wird mit Esterasen, Phosphatasen und Proteasen [5]. Wie man Wasserschläuche drinnen gezielt füttert, sagen die ICPS-Anleitungen nicht, deshalb gibt es hier keine Empfehlung.
Probleme erkennen
Typische Symptome und die wahrscheinlichste Ursache. Die Zeilen verlinken auf die ausführlichen Artikel.
Symptom
Wahrscheinliche Ursache
Was hilft
Algenteppich im Wasser
Zu nährstoffreiches, helles Wasser [4]
Saures, torfiges Wasser, Begleitpflanzen, kein Dünger [4]
Landform wächst, blüht aber nicht
Art, Licht, Alter der Pflanze
Utricularia blüht nicht: Woran liegt es?
Pflanze wandert in Nachbartöpfe
Unterirdische Ausläufer breiten sich aus [1][2]
Teilen oder die Töpfe weiter auseinanderstellen [1][2]
Wasserform geht im Winter ein
Keine Winterknospen oder durchgefrorener Teich [4][6]
Teich tief genug, Knospen sichern [4]
Grüner Belag auf dem Substrat
Algen bei dauerhafter Nässe und Licht
Häufige Fragen zu Wasserschläuchen
Welche Utricularia eignet sich zum Einstieg?
Landlebende Arten sind beim Substrat nicht wählerisch und die einfachere Wahl [1]. Bei den Epiphyten nennt die ICPS U. alpina und U. asplundii als die einfachsten [2].
Muss ich Wasserschläuche füttern?
Die Fallen sind klein, liegen im Substrat oder unter Wasser und fangen selbst. Bei Wasserarten ist viel Beute ein wichtiger Wachstumsfaktor [4].
Warum blüht mein Wasserschlauch nicht?
Landformen zieht man vor allem wegen der Blüten [1]. Ein schwimmender U. gibba blüht laut Rice nicht, bis er eine dicke Matte bildet, die als eigenes Substrat dient [3]. Mehr: Utricularia blüht nicht.
Sind Wasserschläuche winterhart?
Gemäßigte Wasserarten ja, als Winterknospe auf dem Grund eines frostfreien Teichs [4]. Tropische Arten brauchen keine Ruhezeit und keinen Frost [4][6].
Kann ich Wasserformen im Aquarium halten?
Ein Händler nennt Wanne oder Aquarium ab 30 Gallonen, einen Moorteich im Freien als besser, und weist auf freies CO₂ und niedrigen Sauerstoff hin [4]. Erfahrungswerte aus Aquarien liefern die Quellen nicht.
Sind Wasserschläuche geschützt?
Alle mitteleuropäischen Arten sind gefährdet oder stark gefährdet, die Hauptgründe sind die Zerstörung von Mooren und die Eutrophierung [5]. Wildpflanzen sollte man nicht entnehmen, gekauft werden sollte Nachzucht.
Substrat
Welches Substrat für Wasserschläuche?
Landformen wachsen in Torf und Sand 1:1 oder reinem Torfmoos [1], Wasserformen in Torf und Sand unter Wasser [3].
Entscheidend ist ein ungedüngtes, nährstoffarmes Material, denn zu viel Dünger kann Utricularia töten [1].
Black Trap bietet ungedüngten Hochmoortorf und kalkfreien Quarzsand zum Selbstmischen an.
Quellen
Die Angaben stammen aus Anleitungen einer Fachgesellschaft, aus dem Carnivorous Plant FAQ, aus der Anleitung eines Händlers und aus Lexikonartikeln, nicht aus kontrollierten Anbauversuchen. Zu Wasserformen gibt es keine ICPS-Anleitung, deshalb sind die Belege dort dünner.
[1] International Carnivorous Plant Society: Growing Genlisea and terrestrial Utricularia. Anleitung einer Fachgesellschaft.
[2] International Carnivorous Plant Society: Growing epiphytic Utricularia. Anleitung einer Fachgesellschaft.
[3] Barry Rice: The Carnivorous Plant FAQ, Affixed aquatic Utricularia (revidiert 2018). Fach-FAQ eines Autors.
[4] Carnivorous Plant Nursery: Growing Tips for Aquatic Bladderworts. Händler-Anleitung.
[5] Wikipedia (de): Wasserschläuche. Lexikonartikel zu Lebensformen, Fangblase und Schutz.
[6] Wikipedia (en): Utricularia. Lexikonartikel zu Lebensformen, Standorten und Winterknospen.
Fazit
Wasserschlauch pflegen heißt: die Lebensform erkennen
Landformen brauchen ein nasses, ungedüngtes Torf-Sand-Substrat, Wasserformen dunkles, nährstoffarmes Wasser in einer großen Wanne oder einem Teich, Epiphyten eine leichte, feuchte Mischung in kühler, feuchter Luft.
Wer die Form kennt, trifft die wichtigen Entscheidungen zu Wasser, Substrat und Ruhezeit richtig.
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