WISSEN
Venusfliegenfalle füttern: Womit und wie oft?
Die ICPS-Anleitungen empfehlen das Füttern für Pflanzen, die nicht selbst Beute fangen: mit lebenden Insekten oder rehydrierten getrockneten „Blood Worms“S1, S2. Wie ein Stück Blood Worm in der Falle sanft angedrückt wird, beschreibt eine ICPS-PraxisanleitungS3. Eine feste Häufigkeit für ausgewachsene Pflanzen nennt keine der gelesenen Quellen; die RHS-Autorin spricht von nur wenigen Insekten pro JahrS5.
AUF EINEN BLICK
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Zwei Reize schließen die Falle; für Drüsenaktivierung bzw. Enzym-Genexpression nennen die Studien mehr als zwei AktionspotenzialeS6, S7. Bei totem Futter rät die ICPS-Anleitung zum Massieren der FalleS1, S2.
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Als Futter nennen die ICPS-Anleitungen lebende Insekten oder rehydrierte getrocknete Blood WormsS1, S2. Laut RHS fressen Venusfliegenfallen keine unbelebten Dinge wie Käse oder FleischS4; der RHS-Beitrag rät von Pute abS5. Dünger: ICPS, NC State und der RHS-Beitrag raten abS1, S2, S5, S10.
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Laut der ICPS-Blood-Worm-Anleitung (Boulianne) stirbt die Falle nach der Verdauung, wenn das Stück zu groß ist, und wird beschädigt, wenn man zu fest drücktS3.
Muss man eine Venusfliegenfalle füttern?
Die Quellen antworten darauf nicht einheitlich. Die ICPS-Anleitung von John Brittnacher sagt, Venusfliegenfallen müssten regelmäßig fressen; fängt die Pflanze nichts selbst, solle man sie in den Fallen mit lebenden Insekten fütternS1. Die ICPS-Checkliste formuliert die Bedingung ebenso: Wenn deine Pflanze nicht von selbst Beute fängt, musst du sie regelmäßig füttern, damit sie gesund bleibt und wächstS2.
Die RHS-Autorin Lia Hervey schreibt dagegen, die Pflanzen bräuchten nur wenige Insekten im Jahr und könnten über drei Monate ohne Insekt auskommenS5. Die Quellen nennen also unterschiedliche Maßstäbe, und keine nennt eine Zahl, ab der du eingreifen solltest.
Für Keimlinge liegt ein Befund vor: Hatcher und Hart fanden bei Pflanzen, denen die Beute entzogen wurde, signifikant geringeres Wachstum als bei Pflanzen mit BeuteS9. Die ICPS-Anleitung beschreibt es für Kulturpflanzen so: Wer mehr füttert, bekommt größere Pflanzen, die öfter umgetopft werden müssen; wer das Füttern einstellt, sieht die Pflanze zurückgehenS1. Durak et al. nennen unter Verweis auf frühere Arbeiten als Ausgleich für die Kosten einer Falle die stärkere Photosynthese durch die Nährstoffe der BeuteS8.
Was schließt die Falle aus – und warum ist das wichtig?
Eine Falle schließt sich, wenn die Fühlborsten zwei Reize in kurzem Abstand melden: Durak et al. nennen zwei mechanische Reize innerhalb von etwa 30 SekundenS8. Böhm et al. beschreiben es als zwei Aktionspotenziale, nach denen die Falle zuschnapptS6. NC State Extension nennt zwei von sechs FühlborstenS10.
Schließen ist aber nicht Verdauen. Escalante-Pérez et al. überschreiben einen Abschnitt mit „Two APs Close the Trap, Three APs Activate Glands“S7. Böhm et al. nennen für die Bildung der Verdauungsenzyme „mehr als drei“ Aktionspotenziale und an anderer Stelle etwa fünfS6. Die Zahlen unterscheiden sich also zwischen und sogar innerhalb der Arbeiten; sie betreffen zudem unterschiedliche Vorgänge (Drüsenaktivierung bei S7, Enzym-Genexpression bei S6).
Wichtig für die Praxis: Ein zappelndes Tier löst über Stunden immer wieder die Borsten ausS6. Die ICPS-Anleitung schreibt: Bei totem Futter muss die Falle massiert werden, damit sie vollständig schließt und verdautS1. Laut NC State Extension setzt ein von der Beute ausgeschiedener Stoff außerdem den Enzymfluss in GangS10; die RHS schreibt, die Falle verdaue nur, wenn sie Bewegung lebender Beute erkenntS4.
Womit füttern, womit nicht?
Was die Quellen empfehlen. Die ICPS nennt lebende InsektenS1. Ein Trick der Checkliste: Gefangene Fliegen einige Stunden in den Kühlschrank stellen, denn kalte Fliegen können nicht fliegenS2. Vor Würmern warnt sie, weil diese sich herausfressen könnenS2. Als einfachstes Futter nennt die ICPS-Anleitung rehydrierte getrocknete Blood WormsS1; die Checkliste führt getrocknete Blood Worms als „nachgemachtes“ lebendes Futter auf und nennt als Bezugsquelle Aquaristikläden („tropical fish stores“)S2.
Die Blood-Worm-Anleitung der ICPS (Francois Boulianne) beschreibt Schritte, die du als Praxisregel dieser Anleitung verstehen solltest, nicht als gesichertes MessergebnisS3:
- ein bis zwei Tropfen Wasser auf die Würmer, nicht in den TopfS3;
- ein Stück etwa ein Drittel so groß wie die FalleS3;
- die Falle mit der Pinzette an beiden Seiten sehr sanft andrücken, nach 30 Minuten bis einer Stunde noch einmalS3;
- wird die Falle nicht genug stimuliert, damit sie sich versiegelt, öffnet sie sich nach 24 Stunden wieder, und die Würmer bleiben unverdautS3.
Die Checkliste nennt dagegen keine Größe für das FutterS2. Wie groß lebende Beute sein darf, legen die gelesenen Quellen nicht fest. Belegt ist nur: Die Fallengröße nimmt mit dem Alter der Pflanze zu und erlaubt größere BeuteS8; und laut der Zusammenfassung von Hatcher und Hart würde die Beutegröße, die Keimlinge überwiegend fängt, die Fallen erwachsener Pflanzen nicht auslösenS9.
Was nicht. Die RHS schreibt, Venusfliegenfallen „fressen“ keine unbelebten Dinge wie Käse oder FleischS4. Der RHS-Beitrag von Lia Hervey rät davon ab, tote Insekten, Mince Pies (Weihnachtsgebäck) oder Pute zu füttern: Die Fallen erkennen Bewegung, schmecken aber nichts, und das könne sie tötenS5. Vom Düngen raten ICPS, NC State und der RHS-Beitrag abS1, S2, S5, S10. Die ICPS-Anleitung erwähnt, dass auch erfahrene Züchter ihre Pflanzen düngenS1.
Bei totem Futter widersprechen sich die Quellen: Die ICPS-Anleitungen empfehlen rehydrierte Blood Worms bzw. die Massage der Falle bei totem FutterS1, S2, S3; die RHS-Autorin warnt vor toten InsektenS5. Wie das zusammenpasst, klären die Quellen nicht.
Wie oft füttern?
Eine feste Häufigkeit für ausgewachsene Pflanzen nennen die Quellen nicht. Die gelesenen Quellen nennen:
Ein Anhaltspunkt für das Tempo: Eine Verdauung dauert laut Durak et al. im Mittel etwa sieben Tage für den ZyklusS8. Eine Anzahl zu belegender Fallen für ausgewachsene Pflanzen nennt keine der gelesenen Quellen.
Was bei Fehlern passiert
- Zu großes Stück: Laut der Blood-Worm-Anleitung funktioniert es, aber die Falle stirbt nach der VerdauungS3.
- Zu fest gedrückt: Laut derselben Anleitung wird die Falle beschädigtS3.
- Leerschluss oder Fehlalarm: Nach einem erfolglosen Zuschnappen öffnet sich die Falle meist nach 16–44 Stunden wiederS8. Hervey schreibt, dass jedes Schließen Energie kostet und die Pflanze ohne Futter zurückgeht und schwarz wirdS5. Durak et al. nennen den Funktionsverlust nach mehreren Schließ- und Öffnungszyklen als einen der größten Kostenpunkte, ohne den Energieaufwand zu beziffernS8.
- Wie viele Zyklen? Die RHS schreibt, eine Falle könne sich höchstens dreimal schließen, dann sterbe sieS4. Durak et al. schreiben, eine Falle könne sich nur endlich oft wieder öffnen, meist 3 bis 12 Mal, und stützen sich dabei unter Verweis auf Bailey & McPherson (2012)S8. Die beiden Angaben betreffen verschiedene Vorgänge (Schließen bzw. Wiederöffnen) und lassen sich nicht ohne Weiteres gegeneinander stellen. Vom Auslösen zum Spaß rät die RHS abS4; Hervey rät, die Fallen nicht anzustupsen („Don't poke them“), und verweist wie Durak et al. auf die Kosten je ZyklusS5, S8.
Zimmer oder Freiland?
Die ICPS-Anleitung sagt: Die Pflanze wächst im Zimmer dauerhaft, wenn sie genug Licht hat und regelmäßig gefüttert wirdS1. Terrarium oder Winterruhe seien für Dauerkultur im Zimmer nicht nötig; Winterruhe brauche die Pflanze nur, wenn sie im Freien Frost erlebtS1. Die Checkliste nennt mindestens sechs Stunden direktes Sonnenlicht oder zwölf bis sechzehn Stunden LED-Licht; bei zu wenig Licht gehe die Pflanze sofort zurückS2.
Die RHS sieht es anders: Eine Venusfliegenfalle sei eigentlich keine Zimmerpflanze und profitiere davon, im Winter draußen zu stehenS5; sie brauche eine kühle Ruhezeit über Winter, aber über 10 °CS4. Schwaches Licht führe zu schwachen Fallen, die nicht richtig funktionierenS4. Bei der Winterruhe widersprechen sich die Anleitungen also; wie sich Winterruhe von einer kranken Pflanze unterscheiden lässt, ist eine eigene Frage.
Häufige Mythen
- „Fleisch oder Käse geht auch.“ Die RHS verneint das: Venusfliegenfallen „fressen“ keine unbelebten Dinge wie Käse oder FleischS4; der RHS-Beitrag rät auch von Pute abS5. Hackfleisch behandeln die gelesenen Quellen nicht gesondert.
- „Zum Spaß auslösen schadet nicht.“ Die RHS rät ab, weil das die Pflanze mit der Zeit schwächtS4.
- „Ein bisschen Dünger hilft.“ Vier der gelesenen Quellen raten abS1, S2, S5, S10; die ICPS-Anleitung erwähnt, dass auch erfahrene Züchter düngenS1.
- „Ohne Winterruhe stirbt sie im Zimmer.“ Die ICPS verneint das und hält Winterruhe nur für nötig, wenn die Pflanze im Freien Frost erlebtS1; die RHS rät dennoch zu kühler RuhezeitS4, der RHS-Beitrag zum Winter draußenS5. Eine Auflösung dieses Widerspruchs liefern die gelesenen Quellen nicht.
Was die Quellen nicht klären
- Fallenzahl und Intervall für ausgewachsene Pflanzen.
- Die zulässige Größe lebender Beute; die einzige gelesene Angabe ist ein Drittel der Fallengröße für Blood-Worm-StückeS3.
- Wie sich „höchstens dreimal schließen“S4 und „meist 3–12 Wiederöffnungen“S8 zueinander verhalten.
- Wie viele Reize die Verdauung auslösen: drei, mehr als drei oder etwa fünfS6, S7.
- Den Energieverbrauch einer Falle in ZahlenS8.
- Ob und wie viel Beute Pflanzen im Freien in Kultur selbst fangen.
- Wie sich die Empfehlung rehydrierter Blood WormsS1, S2, S3 zur Warnung vor toten InsektenS5 fügt.
- Eine gezielte Untersuchung von Hackfleisch.
Fazit: Die ICPS empfiehlt, zu füttern, wenn die Pflanze selbst nichts fängt, und nennt dafür lebende Insekten oder rehydrierte Blood WormsS1, S2. Die Blood-Worm-Anleitung der ICPS nennt ein Stück von etwa einem Drittel der FallengrößeS3; Mengen für ausgewachsene Pflanzen legen die Quellen nicht fest. Laut RHS fressen Venusfliegenfallen keine unbelebten Dinge wie Käse oder FleischS4, der RHS-Beitrag rät von Pute abS5; vom Auslösen zum Spaß rät die RHS abS4; vom Düngen raten ICPS, NC State und der RHS-Beitrag abS1, S2, S5, S10. Bei totem Futter widersprechen sich ICPS und RHS-BeitragS1, S2, S5. Zur Häufigkeit reicht die Spanne von „regelmäßig“ bis „wenige Insekten im Jahr“S1, S5.
Quellen
S1 John Brittnacher, International Carnivorous Plant Society (ICPS): Growing Dionaea muscipula (2001, zuletzt aktualisiert 2019). Abgerufen am 15.10.2026.
S2 John Brittnacher, ICPS: Checklist for Growing Dionaea muscipula (2009, zuletzt aktualisiert 2019). Abgerufen am 15.10.2026.
S3 Francois Boulianne, ICPS: Feeding Dried Blood Worms Step-by-Step (o. J.). Abgerufen am 15.10.2026.
S4 Royal Horticultural Society (RHS): Venus fly trap (RHS Genus Guide) (o. J.). Abgerufen am 15.10.2026.
S5 Lia Hervey, RHS: How to care for your Venus fly trap (o. J.). Abgerufen am 15.10.2026.
S6 Böhm J. et al., Current Biology 26(3):286–295: The Venus Flytrap Dionaea muscipula Counts Prey-Induced Action Potentials to Induce Sodium Uptake (2016). Abgerufen am 15.10.2026.
S7 Escalante-Pérez M. et al., PNAS 108(37):15492–15497: A special pair of phytohormones controls excitability, slow closure, and external stomach formation in the Venus flytrap (2011). Abgerufen am 15.10.2026.
S8 Durak G. M., Speck T., Poppinga S., Frontiers in Plant Science 13:970320: Shapeshifting in the Venus flytrap (Dionaea muscipula): Morphological and biomechanical adaptations and the potential costs of a failed hunting cycle (2022). Abgerufen am 15.10.2026.
S9 Hatcher C. R., Hart A. G., International Journal of Ecology, Art. 135207: Venus Flytrap Seedlings Show Growth-Related Prey Size Specificity (2014). Nur Zusammenfassung gelesen. Abgerufen am 15.10.2026.
S10 NC State Extension: Dionaea muscipula, North Carolina Extension Gardener Plant Toolbox (o. J.). Abgerufen am 15.10.2026.
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