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Blattläuse an Karnivoren: erkennen und vorsichtig handeln
Die Quellen dieses Beitrags beschreiben bei Karnivoren unter anderem Blattläuse, Schmierläuse (Wollläuse), Schildläuse, Thripse und Spinnmilben. Bestimme zuerst den Schädling. Am Anfang stehen laut Quellen Absammeln und Quarantäne für neue Pflanzen; bei Schmierläusen kommt das Entfernen brauner Blätter hinzu. Alkohol und Spritzmittel sind riskant: Einzelne Gattungen wurden geschädigt. Welche Mittel in Deutschland zugelassen sind, klärt dieser Beitrag nicht.
AUF EINEN BLICK
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Erst bestimmen, dann handeln: Merkmale für Blattläuse, Schmierläuse, Thripse und Spinnmilben stehen im BeitragS1, S2.
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Nicht jedes Tier muss bekämpft werden; Rice rät nur bei echtem Schaden zu MaßnahmenS3.
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Zuerst mechanisch: absammeln, neue Pflanzen isolieren; bei Schmierläusen zusätzlich braune Blätter und Streu entfernen und Ameisen fernhaltenS1, S4.
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Alkohol ist kein mechanisches Mittel: Rice führt Isopropylalkohol als Kontaktgift und berichtet nur für Sarracenia, er scheine nicht zu schaden; andere Züchter töteten damit PflanzenS4.
Welche Schädlinge nennen die Quellen?
Barry Rice (Carnivorous Plant FAQ, Einzelautor-Werk, 2018 überarbeitet) stellt in seiner Übersicht unter anderem Blattläuse, Schmierläuse (englisch mealybugs, im Deutschen oft Wollläuse genannt), Schildläuse, Spinnmilben und Thripse vorS2. Schmierläuse beschreibt auch John Brittnacher auf einer Seite der International Carnivorous Plant Society (ICPS)S1. Er nennt sie als Problem bei Sarracenia, Nepenthes und epiphytischen (auf anderen Pflanzen wachsenden) Utricularia. Für andere Gattungen nennt die Seite nichts.
Rice schreibt, vor einer Behandlung müsse man den Schädling bestimmenS2. Die Quellen sind US-Texte; Aussagen zu Gattungen gelten nur für diese.
Woran erkennst du sie?
- Blattläuse: laut Rice höchstens etwa 2,5 mm groß und in Gruppen sichtbar; bei starkem Befall wächst die Pflanze verdreht, abnorm und gestauchtS2. Die Royal Horticultural Society (RHS, britische Gartenbaugesellschaft) nennt für Gartenpflanzen außerdem klebrigen Honigtau, auf dem schwarzer Rußtau (ein schwarzer Pilzbelag) wachsen kannS6.
- Schmierläuse: Rice beschreibt bei starkem Befall weiße, watteartige Massen; die Tiere krabbeln viel umher und können auch an die Wurzeln gehenS2. Brittnacher: Sie sitzen gern in den Spalten, wo die Blätter an der Krone oder am Stamm ansetzen. Bemerkt werden sie oft erst bei starkem Befall durch weißen Flaum, der meist nicht an der Krone selbst auftauchtS1.
- Thripse: Rice schreibt, man brauche ein Mikroskop, um sie zu sehen. Frühe Hinweise seien winzige schwarze, teerartige Tropfen; später wirke die Pflanze gebleicht, trocken oder wie vertrocknetS2. Die RHS rät für Gartenpflanzen, Laub über weißem Papier zu schütteln und mit der Lupe zu prüfenS8; ob das bei Karnivoren taugt, sagen die Quellen nicht.
- Spinnmilben: Rice sah sie an Karnivoren nur an Venusfliegenfallen und einer Cephalotus in nennenswerter Zahl. Von einem harmlosen Spinnennetz unterscheide man sie an der Lage am Wachstumspunkt, an winzigen roten, sich bewegenden Punkten auf dem Gespinst und am Fehlen einer SpinneS2.
- Rußtau: Rice nennt ihn eher ein Symptom einer kranken Pflanze. Er wachse auf zuckrigen Ausscheidungen von Schmierläusen, Schildläusen oder Blattläusen, könne aber auch ohne Schädlinge auftreten, wenn die Pflanze Zucker aus den Kannen abgibt. Meist lasse er sich mit Wasser abspülenS2, S5.
Unsere Einordnung: Ein schwarzer Belag auf Kannen ist nicht automatisch ein Befall. Siehst du nur Flecken oder Verfärbungen und keinen Schädling, kann auch etwas anderes dahinterstecken, etwa Lichtschaden. Dazu: Flecken an Nepenthes-Blättern.
Muss überhaupt etwas weg?
Rice fragt zuerst, ob die Tiere schaden. Harmlose Tiere solle man nicht bekämpfen; auch bei nur leichtem Fraß lohne eine Bekämpfung nicht immer, und Pestizide könnten Beutetiere töten, die die Pflanze fressen sollS3. Winzige Tiere im Substrat lebten wahrscheinlich von Zersetztem; ihre Bekämpfung könne die Pflanzen mitschädigenS3. Dazu passt Trauermücken: Können Pinguicula und Drosera einen Befall beseitigen?; Mücken und Fruchtfliegen behandelt Karnivoren gegen Fruchtfliegen und Mücken.
Bei starkem Befall mit Blattläusen oder Schmierläusen sehen die Quellen die Lage anders. Die RHS rät für Gartenpflanzen, Blattläuse zu tolerieren; das ist ein allgemeiner GartenratS6. Rice beschreibt dagegen verzerrten Wuchs bei starkem Befall an KarnivorenS2. Brittnacher schreibt, Schmierläuse schadeten einer gesunden Sarracenia vielleicht nicht stark, könnten aber einer ohnehin schwachen Pflanze den „Gnadenstoß“ gebenS1.
Mechanische Maßnahmen und Umgebung
Rice empfiehlt, Schädlinge zuerst mechanisch zu entfernen, etwa abzusammeln; das sei bei kleinen Sammlungen für viele Befälle gut und berge nicht die Risiken von SpritzmittelnS4. Weitere Angaben der Quellen:
- Neue Pflanzen: Brittnacher rät, neue Pflanzen zu isolieren (Quarantäne), auch aus bekannten Gärtnereien. Prüfe die Ansatzstellen der Blätter und kontrolliere nach einigen Wochen erneut, denn Eier brauchen einige Wochen, bis Tiere sichtbar werdenS1. Die RHS nennt bei Schmierläusen an Gewächshauspflanzen mindestens einen MonatS7. Mehr zum Ankommen neuer Pflanzen: Neu gekauft, schon angeschlagen?
- Verstecke nehmen: Bei Schmierläusen nennt Brittnacher, alle braunen Blätter abzuschneiden oder abzuziehen, Streu und Unkraut aus den Töpfen zu entfernen und Ameisen fernzuhalten, weil sie Schmierläuse gegen Honigtau pflegen und schützenS1.
- Nur Leserhinweis, für Karnivoren unbelegt (Wasserstrahl): Bei Spinnmilben gibt Rice nur den Hinweis eines Lesers wieder, sie mit einem Wasserstrahl abzuspülen; ob das hilft, beantwortet er mit „Ich weiß es nicht“S5.
- Untertauchen (nicht empfohlen): Rice hatte damit Erfolg, tötete aber auch Cephalotus, Sarracenia, Utricularia und Dionaea und gab die Methode aufS4. Unsere Einordnung: Wir raten davon ab.
Nützlinge: Die RHS nennt für Gewächshauspflanzen allgemein Gegenspieler, etwa eine Marienkäferart und Schlupfwespen gegen SchmierläuseS7. Ob das bei Karnivoren taugt, sagen die Quellen nicht. Rice berichtet von einem einmaligen Versuch im Gewächshaus: Seine Schlauchpflanzen (pitcher plants) fraßen die ausgesetzten Marienkäfer, die Blattläuse blieben unversehrt; er hält Marienkäfer für nur begrenzt nützlichS4.
Alkohol und Spritzmittel: Kontaktmittel mit Risiko
Alkohol-Tupfer gehören nicht zu den mechanischen Maßnahmen. Rice führt Isopropylalkohol unter den chemischen Verbindungen und nennt ihn ein gutes KontaktgiftS4. Er tupft mit in Isopropylalkohol getränkten Wattestäbchen bei Blatt- und Schmierläusen und gibt bei Sarracenia wenige Tropfen in die Blattachseln (die Ansatzstellen der Blätter); das scheine der Sarracenia nicht zu schaden. Andere Züchter hätten damit aber Pflanzen getötetS4. Eine Konzentration nennt er nicht. Eine Verträglichkeit berichtet Rice nur für Sarracenia. Für Cephalotus, Drosera, Dionaea und Pinguicula liegen keine Angaben vor; für Nepenthes und Utricularia fehlt eine ausdrückliche Verträglichkeitsangabe, Brittnacher beschreibt das Abtupfen dort aber allgemein für Schmierläuse, ohne Gattungen einzeln zu prüfenS1. Zu Ethanol oder Spiritus fehlen Angaben.
Brittnacher nennt für Schmierläuse als „viel sicherere“ Alternative zu Pestiziden das regelmäßige Abtupfen mit Isopropylalkohol, dem etwas Spülmittel zugesetzt ist; beides löse das Wachs, das die Tiere schütztS1. Das gibt nur die Quelle wieder. Es steht im Widerspruch zu Rice: Er hält Seifen offenbar für tödlich für Karnivoren, auch wenn manche Züchter sie ohne Schaden nutzten; Spülmittel nennt er nicht ausdrücklichS4. Die Quellen sind sich hier nicht einig. Unsere Einordnung: Wir empfehlen die Spülmittel-Beimischung nicht und nennen weder Konzentration noch Mischung oder Rhythmus. Bedenke, dass Rice von Pflanzenverlusten bei anderen Züchtern berichtet.
Rice und Brittnacher nennen außerdem Wirkstoffe, die in den USA verwendet werden. Wir empfehlen keinen: Sie sind in Deutschland nicht automatisch zugelassen oder für Karnivoren geeignet. Rice schreibt, er sei nicht befugt, Pestizide zu empfehlen; sei ein Mittel in deiner Region eingestellt, solle man es nicht illegal beschaffenS4. In Deutschland führt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein Verzeichnis zugelassener PflanzenschutzmittelS9. Ein dort gelistetes Mittel ist nicht automatisch für Karnivoren verträglich.
Was die Quellen zu Risiken sagen:
- Rice: Karnivoren seien sehr empfindlich gegen Chemikalien, er nutze fast nie Pestizide. Tenside (Netzmittel in Spritzmitteln) und nicht angegebene Zusatzstoffe könnten Karnivoren schadenS4.
- Rice: Er habe gesehen, dass ein Pyrethrum-Mittel (ein Insektizid-Wirkstoff) Schläuche und Blüten von Sarracenia schädigte; Gerüchten zufolge liege das an einem üblichen ZusatzstoffS4.
- Brittnacher: Manche Pestizide töteten Wasserpflanzen wie Aldrovanda und Utricularia, viele Knollen-Drosera, schädigten andere Drosera und Pinguicula und könnten verformte Blätter an Venusfliegenfallen verursachenS1.
- Rice: Nicht nach eigenem Verdünnungsrezept dosieren, das fördere Resistenzen (Gewöhnung der Schädlinge); bei Pflanzen im Terrarium könnten die Folgen unerwartet seinS4.
- Die RHS empfiehlt für Gartenpflanzen, keine Pestizide zu verwendenS6. Das ist ein allgemeiner Gartenrat und nicht auf Karnivoren zugeschnitten.
Hinweis: Dieser Beitrag fasst Aussagen der genannten Quellen zusammen (FAQ 2018, übrige ohne Jahr), ohne Gewähr, und ist keine Anwendungs-, Rechts- oder Gesundheitsberatung. Rice schreibt, beim Umgang mit Pestiziden solle man Maske und Handschuhe tragen und sie nur draußen anwendenS4.
Wie gehst du vor?
Unsere Einordnung, keine Quellenaussage: Bestimme den Schädling mit den Merkmalen oben. Beginne mit dem, was die Quellen am Anfang nennen: Absammeln und Quarantäne; bei Schmierläusen braune Blätter und Streu entfernen und Ameisen fernhalten. Rußtau lässt sich laut Rice meist abspülen. Alkohol und Spritzmittel sind kein Einstieg. Bei Thripsen und Spinnmilben ist die Quellenlage zu Karnivoren dünn; Rice selbst kennt dafür keine gute LösungS5.
Fazit: Für Karnivoren gilt laut den Quellen: erst den Schädling bestimmen, dann mit Absammeln und Quarantäne beginnen; bei Schmierläusen kommt das Entfernen brauner Blätter hinzu. Alkohol ist ein Kontaktmittel mit Risiko, von Rice nur bei Sarracenia als anscheinend unschädlich beschrieben. Spritzmittel aus US-Quellen solltest du nicht übernehmen; Zulassung in Deutschland und Verträglichkeit für deine Gattung sind dadurch nicht belegt.
Quellen
S1 International Carnivorous Plant Society (ICPS), gezeichnet John Brittnacher: Mealybugs (ohne Jahr). Hinweise zu Sarracenia, Nepenthes, epiphytischen Utricularia.
S2 Barry Rice, The Carnivorous Plant FAQ (Einzelautor-Werk): What is this bug eating my carnivorous plants? (2018). Schädlingsgalerie.
S3 Barry Rice, The Carnivorous Plant FAQ: Should I kill these little bugs on my plant? (2018).
S4 Barry Rice, The Carnivorous Plant FAQ: What pesticides or other bug-killing methods work? (2018). Nennt US-Wirkstoffe und Isopropylalkohol (Kontaktgift); hier nicht empfohlen.
S5 Barry Rice, The Carnivorous Plant FAQ: How do I kill bug XXX? (2018).
S6 Royal Horticultural Society (RHS): Aphids (ohne Jahr). Allgemeine Gartenpflanzen, nicht Karnivoren.
S7 Royal Horticultural Society (RHS): Mealybug (Glasshouse) (ohne Jahr). Allgemeine Gewächshaus- und Zimmerpflanzen.
S8 Royal Horticultural Society (RHS): Thrips (ohne Jahr). Allgemeine Garten- und Gewächshauspflanzen.
S9 Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Verzeichnis zugelassener Pflanzenschutzmittel (laufend). Nur als Fundstelle genannt.
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