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Sonnentau im Winter: Winterknospe und Ruhephase

Heimische Sonnentau-Arten wie Drosera rotundifolia ziehen im Herbst die Fangblätter ein und überdauern als Winterknospe (Hibernaculum). Das ist laut Quellen normal. Für die Ruhezeit nennen sie: kühl und nur feucht; ein Züchter beobachtet Fäule bei Dauernässe. Beim Frost gehen die Einschätzungen auseinander. Warm-temperate Arten vertragen keine ausgedehnten Fröste. Manche Formen aus Kuba, Venezuela oder Hawaii bilden keine oder selten eine Winterknospe; DiPietro nennt Kuba-, Roraima- und Hawaii-Formen nicht frosthart.

AUF EINEN BLICK

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Kalt-temperate Arten (D. rotundifolia, D. anglica, D. intermedia, D. linearis) bilden in ihren nordamerikanischen und europäischen Formen Winterknospen; D. linearis ist bei Brittnacher die schwierigste dieser ArtenS1, Rice nennt sie ebenfalls schwierigS4.

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Ruhezeit laut Brittnacher: etwa sechs Monate bei D. rotundifolia und D. anglica, bei nördlichen D. intermedia bis zu neunS1.

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Während der Ruhe kühl und nur feucht haltenS1, S6; DiPietro beobachtet Fäule der Knospen bei DauernässeS7.

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Frost: Rice rät zur Vorsicht, Sarracenia Northwest und DiPietro beschreiben Frosttoleranz mit Schutz vor Wind und WechselfrostS4, S6, S7.

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Warm-temperate Arten (D. capillaris, D. brevifolia) bilden keine Winterknospen und vertragen keine ausgedehnten FrösteS4, S5; manche Formen aus Kuba, Venezuela und Hawaii bilden keine oder selten welcheS1, S7; DiPietro nennt Formen aus Kuba, Roraima und Hawaii nicht frosthartS7.

Was im Herbst passiert: die Winterknospe

Wenn heimischer Sonnentau im Herbst „verschwindet“, ist das bei den meisten kalt-temperaten Arten der Normalfall. „Kalt-temperat“ meint Arten aus kühl-gemäßigten Regionen mit echtem Winter, im Unterschied zu Arten aus mildem oder tropischem Klima. Dan DiPietro, Autor des Newsletters Carnivorous Journey, beschreibt es so: Mit abnehmender Tageslänge und Temperatur sterben die aktiven Fangblätter ab und werden durch eine feste Winterknospe ersetzt, das HibernaculumS7. Sarracenia Northwest, eine amerikanische Gärtnerei, schreibt dazu: Die Blätter werden allmählich braun oder schwarz, dieses saisonale Absterben sei normal und bedeute nicht, dass die Pflanze stirbtS6.

Das Fachwort für die Ruhezeit lautet Dormanz. Barry Rice, Autor der Carnivorous Plant FAQ, warnt allgemein für Karnivoren: Wird einer Pflanze, die eine Ruhezeit erwartet, diese vorenthalten, versuche sie gleichzeitig zu wachsen und zu ruhen; in dieser Verwirrung kümmere sie und sterbe unter Umständen sogarS3. Unsere Einordnung: Bei Arten, die eine Ruhezeit erwarten, wäre demnach das Auslassen der Ruhe der Fehler, nicht das Verschwinden der Blätter.

Rundblättriger Sonnentau im Herbst mit braunen welkenden Blättern um eine kleine Winterknospe im feuchten Moos

Welche Arten betrifft das, welche nicht?

Die Quellen unterscheiden Gruppen, und das ist wichtig:

  • Kalt-temperate Arten. John Brittnacher (Einzelautor der ICPS-Anleitung) zählt vier Arten auf: Drosera linearis, D. rotundifolia (Rundblättriger Sonnentau), D. anglica und D. intermedia. Die Pflanzen aus den USA, Kanada und Europa bilden HibernaculaS1. Für D. rotundifolia und D. anglica nennt er jeweils etwa sechs Monate Ruhe, für nördliche Formen von D. intermedia bis zu neun MonateS1. Das sind Angaben für Naturstandorte.
  • Drosera linearis ist die schwierigste dieser Arten. Brittnacher nennt rund neun Monate Ruhe pro Jahr; in milderen Klimata gehe die Pflanze zu unpassenden Zeiten in die Ruhe und wieder heraus, was zum Rückgang führe. Er hält sie dort für schwierig, wo die Winter milder sind als in USDA-Zone 7S1. USDA-Zonen sind US-Klimazonen nach Winterkälte: höhere Zahl, milderer Winter. Rice schreibt, sie neige dazu, während der Ruhe zu sterbenS4.
  • Ausnahmen innerhalb dieser Arten. Die Hawaii-Form von D. anglica bezeichnet Brittnacher als im Kern kalte Tropenpflanze, die im Terrarium oder Gewächshaus gut wächstS1. Formen von D. intermedia aus Kuba und vom „Mt. Romaima“ in Venezuela bilden laut ihm keine oder selten Hibernacula; für weitere südamerikanische Formen vermutet er das nurS1. DiPietro nennt Formen von D. intermedia aus Kuba und dem brasilianischen Roraima, von D. anglica aus Hawaii sowie D. filiformis var. floridana aus Florida. Sie lassen sich ganzjährig wie subtropische Arten ohne Ruhe halten, vertragen laut ihm aber keinen starken FrostS7.
  • Warm-temperate Arten. D. capillaris und D. brevifolia können laut Brittnacher Frost aushalten, vertragen aber keine ausgedehnten Fröste und bilden keine Hibernacula. Ganzjährig draußen stehen sie nach ihm in den USDA-Zonen 9 und wärmer. In kälteren Klimata stehen sie im Sommer draußen und überwintern im Kaltrahmen, am Garagenfenster oder im kalten Gewächshaus. Mittel- und südamerikanische Herkünfte dieser Gruppe behandelt er wie SubtropenpflanzenS5. Rice: Von den nordamerikanischen Arten bilden alle Winterknospen außer D. brevifolia und D. capillarisS4. Die Händlerseite Sarracenia Northwest führt beide unter den winterharten Sonnentauen und schreibt allgemein, etablierte Pflanzen vertrügen FrostS6. Brittnacher und Rice sehen das für diese zwei Arten anders: keine HibernaculaS4, S5, keine ausgedehnten FrösteS5. Unsere Einordnung: Für diese zwei Arten halten wir die vorsichtigere Angabe für belastbarer.
  • Andere Arten und Hybriden. D. filiformis führen Sarracenia Northwest und DiPietro unter den winterharten bzw. kalt-temperaten SonnentauenS6, S7. Auf diese Art und auf Hybriden geht dieser Beitrag nicht im Einzelnen ein. Für tropische und subtropische Arten wie den Kap-Sonnentau (Drosera capensis) gilt dieser Beitrag nicht; wenn bei ihnen der Tau fehlt, hilft Sonnentau ohne Tau: Mögliche Ursachen.

Unsere Einordnung: Wenn du nicht sicher bist, welche Art oder Herkunft du hast, ist das die wichtigste Frage, bevor du über Winterschutz nachdenkst.

Standort und Pflege während der Ruhe

Brittnacher rät bei D. rotundifolia: Wenn du innerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets lebst, solltest du erwägen, Pflanzen aus deiner Klimazone ganzjährig draußen zu haltenS1. Im Gewächshaus oder Terrarium sei sie schwierig, weil sie jahreszeitliche Signale erwarteS1. Unsere Einordnung: Auch auf der Fensterbank fehlen solche Signale weitgehend; mehr dazu in unseren Beiträgen zu Terrarium und Fensterbank.

Für den Ruhezustand selbst weisen die Quellen in dieselbe Richtung:

  • Kühl und nur feucht halten (Brittnacher, Bildunterschrift zur Winterknospe von D. rotundifolia)S1.
  • DiPietro: kühl bis kalt, unter 50 °F (etwa 10 °C), nur feucht. Er beobachtet, dass Hibernacula faulen, wenn sie dauernd nass stehenS7.
  • Sarracenia Northwest: Der Boden bleibt feucht, muss aber nicht so nass sein wie in der WachstumszeitS6.

Zu Winterschutz und Standort siehe auch Winterharte Karnivoren: Warum das Moorbeet oft sicherer ist als der kleine Topf.

Sonnentau im Topf auf einem Regal im winterlichen Garten, Moos und Topfrand mit Raureif überzogen

Frost: Wo die Quellen auseinandergehen

Zum Frost sagen die Quellen nicht dasselbe:

  • Rice rät für nordamerikanische Arten, die Pflanzen im Winter keinen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt auszusetzen, es sei denn, man wisse genau, was man tut, oder experimentiere mit ErsatzpflanzenS4. In der Wachstumszeit sollen die Pflanzen nach Rice gar keinem Frost ausgesetzt seinS4; DiPietro stellt seine erst nach der Spätfrostgefahr wieder in die WassertraysS7.
  • Sarracenia Northwest: Etablierte Pflanzen vertragen Frost, der Boden darf frieren. Das Hauptproblem sei nicht der Frost selbst, sondern Austrocknung durch kalte, trockene Winde und wiederholtes Gefrieren und Auftauen. Kurze Fröste mit Tauwetter am Tag seien weniger bedenklich als Phasen, in denen der ganze Topf durchgefroren bleibt. Topfpflanzen brauchen bei langem, strengem Frost eventuell SchutzS6. Das gilt für die dort behandelten US-Arten, nicht für warm-temperate Arten oder Tropenformen.
  • DiPietro: Die Pflanzen vertragen Frost, solange sie nicht ständig auftauen und wieder gefrieren. Wenn kalter Wind oder Temperaturen unter 20 °F (etwa -7 °C) zu erwarten sind, schützt er sie. Seine eigenen liegen zusammen mit anderen temperaten Karnivoren unter etwa 2 Fuß (rund 60 cm) Kiefernnadelmulch; die Knospen müssten im Winter nicht besonders photosynthetisierenS7. Das ist seine Praxis, kein Richtwert für Töpfe oder milde, feuchte Winter. Sarracenia Northwest warnt vor Pilzwuchs an toten Blättern rund um die KnospeS6; nimm die 60 cm nicht als Maß für deinen Standort.

Rice rät also zur Vorsicht, DiPietro und Sarracenia Northwest beschreiben Frosttoleranz mit Schutzmaßnahmen. DiPietros Temperaturangaben stehen in Fahrenheit; seinen Standort nennt die Seite nicht. Brittnacher nennt nur USDA-Zonen, etwa D. rotundifolia und D. anglica draußen in Zone 9 und kälterS1; für deinen Standort lässt sich daraus kein fester Wert ableiten. Unsere Einordnung: Teste Schutzmaßnahmen nicht an der einzigen Pflanze, die du hast.

Ist die Knospe noch lebendig?

Eine gesunde Winterknospe bleibt laut Sarracenia Northwest fest. Je nach Art können tote Blätter oder Fasern sie teilweise bedecken, sodass die Pflanze schlechter aussieht, als sie istS6. Dieselbe Quelle warnt, dass abgestorbene Blätter rund um die Knospe in milden oder feuchten Wintern Pilzwuchs begünstigen könnenS6.

Brittnacher beschreibt zwei Handgriffe aus eigener Praxis. Im Herbst drückt er Hibernacula, die auf Stielen sitzen, in die Erde; liegen sie auf der Oberfläche, gibt er Sand darüber (auf seinen Fotos nur knapp bedeckt), damit sie im Winter nicht austrocknen. So verliere er im Winter weniger PflanzenS2. Im zeitigen Frühjahr, wenn sich die Knospen öffnen, aber noch keine lebenden Wurzeln haben, topft er um; die kleineren Arten jedes Jahr, weil Moos sonst eine dichte Matte bildet, die das Einwurzeln behindertS2. Eine flache Sandschicht schütze die frisch eingesetzten Knospen und wirke laut ihm abschreckend auf Trauermücken und SchnakenS2. Das ist seine Erfahrung, keine Studie.

Was die Quellen nicht klären

Offen bleibt in den Quellen dieses Beitrags, ab welcher Temperatur oder Dauer einer Kälteperiode eine Winterknospe sicher stirbt und wie viel Kälte deine konkrete Herkunft verträgt. Brittnacher rät selbst, Pflanzen aus einer ähnlichen Klimazone wie deiner zu wählenS1. Vergleichbare Hinweise für Venusfliegenfalle und Sarracenia findest du in Dionaea und Sarracenia überwintern, allgemein in Fleischfressende Pflanzen im Winter. Wie du Sonnentau vermehrst, steht in Sonnentau vermehren.

Fazit: Wenn dein heimischer Sonnentau im Herbst einzieht, ist das bei kalt-temperaten Arten nach den Quellen dieses Beitrags kein Notfall, sondern die Vorbereitung auf die Ruhezeit. Entscheidend sind: Art oder Herkunft kennen, die Knospe kühl und nur feucht halten und sie vor Austrocknung, Dauernässe und Wechselfrost schützen. Warm-temperate Arten und die genannten Formen aus Kuba, Hawaii, Roraima oder Florida vertragen laut den Quellen keine ausgedehnten oder harten Fröste und werden in kalten Klimata geschützt überwintert (Kaltrahmen, kaltes Gewächshaus oder Garagenfenster)S5, S7. Wie viel Frost deine Pflanze verträgt, hängt von Art und Standort ab; Brittnacher nennt nur USDA-Zonen, für deinen Standort gibt es keinen festen Wert.

Quellen

S1 John Brittnacher, International Carnivorous Plant Society (Einzelautor): Growing cold temperate Drosera (o. J.). Anleitung, keine Studie.

S2 John Brittnacher, International Carnivorous Plant Society: Repot Cold Temperate Drosera in Spring (o. J.). Eigene Praxis des Autors.

S3 Barry Rice (Einzelautor): The Carnivorous Plant FAQ: About dormancy requirements (2018). Einzelautor-Werk.

S4 Barry Rice (Einzelautor): The Carnivorous Plant FAQ: North American Drosera (o. J.). Einzelautor-Werk; bezieht sich auf nordamerikanische Arten.

S5 John Brittnacher, International Carnivorous Plant Society: Growing warm temperate Drosera (o. J.). Einzelautor.

S6 Sarracenia Northwest (Gärtnerei, kein Autor genannt): How to Grow Hardy Sundews (Drosera) (o. J.). Anbieterseite mit Pflegeanleitung, Praxiserfahrung.

S7 Dan DiPietro, Carnivorous Journey: Growing Cold-Temperate Drosera (2023). Züchterbericht, Newsletter.