Sind Karnivoren giftig für Katzen, Hunde und Kinder?

Bei der ASPCA gibt es nur für Venusfliegenfalle und Darlingtonia einen Eintrag. Was belegt ist, was fehlt und was du im Verdachtsfall tust.

WISSEN

Sind Karnivoren giftig für Katzen, Hunde und Kinder?

Eine pauschale Entwarnung gibt es nicht. Die ASPCA stuft die Venusfliegenfalle und die Kalifornische Schlauchpflanze (Darlingtonia) für Hunde und Katzen als nicht giftig einS1, S2. Zu Nepenthes, Sarracenia, Drosera, Pinguicula und Utricularia liegt keine Einstufung vorS4. Bei Verdacht ruf das Giftinformationszentrum an, bei Tieren die TierarztpraxisS7, S12.

AUF EINEN BLICK

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In der ASPCA-Datenbank gibt es nur für zwei Karnivoren einen Eintrag: Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) und Kalifornische Schlauchpflanze (Darlingtonia californica) gelten dort als nicht giftig für Hunde, Katzen und PferdeS1, S2, S4.

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Für Nepenthes, Sarracenia, Drosera, Pinguicula und Utricularia gibt es keine Einstufung – das ist weder Entwarnung noch WarnungS3, S4.

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In den Pflanzen kommen Naphthochinone (Dionaea, Drosera, Nepenthes) bzw. das Alkaloid Coniin (Sarracenia) vor; die Autoren bezeichnen Coniin als „toxic alkaloid“. Aus dem Vorkommen lässt sich keine Gefahr für Haustiere oder Kinder ableiten oder ausschließenS5, S6.

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Allgemein gilt laut Das sichere Haus: Das Verschlucken von Pflanzenteilen ist meist harmlosS13; der Giftnotruf Berlin nennt aber Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfälle bei größeren Mengen auch wenig giftiger PflanzenteileS9. Das sind allgemeine Aussagen zu Pflanzen, keine Einstufung einzelner Karnivoren-Arten; im Zweifel anrufen.

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Bei Tieren laut BfR umgehend die Tierarztpraxis kontaktierenS12. Bei Menschen das für dein Bundesland zuständige Giftinformationszentrum, z. B. GIZ-Nord 0551 19240 oder Tox Info Suisse 145 (Schweiz)S7, S11; weitere Nummern stehen im Merkblatt des Giftnotrufs BerlinS8.

Was sagen Giftdatenbanken?

Die ASPCA führt in ihrer Pflanzendatenbank die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula, Familie Droseraceae) mit der Angabe „Non-Toxic to Dogs, Non-Toxic to Cats, Non-Toxic to Horses“S1. Dieselbe Einstufung trägt die Kalifornische Schlauchpflanze (Darlingtonia californica, Familie Sarraceniaceae)S2. Beide Einträge nennen weder Giftstoffe noch SymptomeS1, S2.

Wichtig ist, was die Datenbank selbst über sich sagt: Die Liste sei „not meant to be all-inclusive“, sondern eine Zusammenstellung der am häufigsten angetroffenen PflanzenS3. Ein fehlender Eintrag ist deshalb (unsere Folgerung) weder eine Entwarnung noch eine WarnungS3. Außerdem schreibt die ASPCA, dass das Fressen jeglichen Pflanzenmaterials bei Hunden und Katzen Erbrechen und Magen-Darm-Beschwerden auslösen kannS3. Pflanzen, die als nicht giftig oder nur leicht magenreizend gelistet sind, sollen nicht lebensbedrohlich seinS3. „Nicht giftig“ heißt also nicht „bedenkenlos als Snack“.

Die deutschsprachigen Giftinformationszentren sind hier zurückhaltender: Das GIZ-Nord verweist auf eine „Liste giftiger Pflanzenarten“ und stellt klar, dass diese „keine Auflistung aller giftigen Pflanzen“ istS7. In den Seiten und Merkblättern von GIZ-Nord, Giftnotruf Berlin und Tox Info Suisse kommt keine fleischfressende Gattung vorS7, S8, S9, S10, S11. Die dort verlinkte „Liste giftiger Pflanzenarten“ ist die Bekanntmachung des BfR im Bundesanzeiger vom 2. Juli 2021 („Liste besonders giftiger Gartenpflanzen und einheimischer Pflanzen in der freien Natur“)S14. Sie nennt Pflanzen, die zu mittelschweren und schweren Vergiftungen führen können, und enthält keine KarnivorenS14. Sie ist auf Garten- und Wildpflanzen ausgerichtet und keine Gesamtliste; dass Karnivoren dort fehlen, ist deshalb weder Entwarnung noch WarnungS14.

Venusfliegenfalle und Kannenpflanze auf einem hohen Regal außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren

Gattung für Gattung: was belegt ist und was nicht

Venusfliegenfalle (Dionaea)

Die ASPCA stuft sie als nicht giftig für Hunde, Katzen und Pferde einS1. Eine Peer-Review-Übersicht beschreibt für Plumbagin aus Venusfliegenfallen-Blättern eine fraßabweisende Wirkung gegen die Insektenart Spodoptera lituraS6. Dieselbe Übersicht prüft keine Giftigkeit für Menschen oder HaustiereS6.

Kannenpflanzen (Nepenthes)

In der ASPCA-Datenbank gibt es keinen Eintrag für NepenthesS4. In der Fachliteratur wurde Plumbagin aus Nepenthes alata beschriebenS6. Eine Einstufung für Katzen, Hunde oder Kinder liegt nicht vorS4, S6.

Schlauchpflanzen (Sarracenia und Darlingtonia)

Für Darlingtonia gilt die ASPCA-Einstufung „nicht giftig“S2. Für Sarracenia gibt es in der ASPCA-Datenbank keinen EintragS4. Eine Studie von 2017 berichtet, dass Sarracenia flava das Alkaloid Coniin enthält, und wies es mit einer empfindlichen Methode in acht Sarracenia-Arten nachS5. Die Autoren bezeichnen Coniin als „toxic alkaloid“S5. In Proben von S. flava und S. alata fanden sie jedoch nur Spuren nahe der Nachweisgrenze, andere Proben enthielten deutlich mehrS5. Die ökologische Rolle in S. flava nennen sie „speculative“S5. Eine Einstufung für Haustiere oder Kinder gibt die gelesene Studie nicht anS5.

Deshalb solltest du nicht von einer Gattung auf die andere schließen: Für Darlingtonia liegt eine Einstufung vor, für Sarracenia nichtS2, S4.

Sonnentau (Drosera)

Auch für Drosera findet sich in der ASPCA-Datenbank kein EintragS4. Die Übersicht in „Molecules“ nennt Plumbagin und 7-Methyljuglon aus Drosera rotundifolia und führt die antibakterielle Wirkung eines Extrakts auf diese Stoffe zurückS6. Dieselbe Übersicht schreibt, dass einige fleischfressende Pflanzen, etwa Drosera-Arten, ethnomedizinisch bei Atemwegserkrankungen genutzt werdenS6. Das ist eine Aussage über traditionelle Anwendung von Zubereitungen, nicht über die Zimmerpflanze im Kinderzimmer oder im KatzenhaushaltS6.

Dieselbe Übersicht berichtet außerdem zellschädigende (zytotoxische) Wirkungen von Plumbagin aus Nepenthes alata an Krebszelllinien und eine insektizide bzw. fraßabweisende Wirkung von Plumbagin aus Venusfliegenfallen-Blättern; das sind Laborbefunde, keine Aussage über Verzehr durch Tiere oder KinderS6.

Fettkraut (Pinguicula) und Wasserschlauch (Utricularia)

Zu Pinguicula und Utricularia liegt keine Einstufung vorS4. Dasselbe gilt für weitere Karnivoren-Gattungen, die hier nicht einzeln genannt sindS4.

Was kann trotzdem passieren?

Auch bei „nicht giftig“ kann es Beschwerden geben: Die ASPCA nennt Erbrechen und Magen-Darm-Beschwerden nach dem Fressen von PflanzenmaterialS3. Der Giftnotruf Berlin nennt Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfälle nach größeren Mengen auch wenig giftiger PflanzenteileS9.

Zu Substrat, Dünger oder Kannenflüssigkeit von Karnivoren als Gefahrenquelle für Tiere oder Kinder liegt nichts vorS4, S6, S9. Deshalb steht dazu hier keine Aussage.

Pflanzenetikett mit dem Namen Dionaea muscipula in einem Topf mit Venusfliegenfalle

Kinder

Der Giftnotruf Berlin schreibt, dass in unseren Breiten von der Vielzahl der Pflanzen nur sehr wenige so giftig sind, dass ihr Verzehr lebensbedrohliche Folgen haben kannS9. „Das sichere Haus“ formuliert allgemein: In den meisten Fällen ist das Verschlucken von Pflanzenteilen harmlosS13. Wer den Giftnotruf angerufen hat, erfährt laut Giftnotruf Berlin in den allermeisten Fällen bei Vorfällen mit Pflanzen, dass das Kind zu Hause bleiben kannS9. Das ersetzt den Anruf nicht. Derselbe Text weist darauf hin, dass in großen Mengen auch wenig giftige oder essbare rohe Pflanzenteile zu Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfällen führen könnenS9.

Das sind allgemeine Aussagen zu Pflanzen, kein Freibrief für einzelne Arten. Tox Info Suisse betont, dass Kinder unter 5 Jahren besonders häufig von Vergiftungen betroffen sindS11. Zu Schnittverletzungen, Erstickung oder Verschlucken größerer Pflanzenteile bei Karnivoren machen die Quellen keine AngabenS9, S13.

Was tun bei Verdacht?

Bei Menschen, besonders Kindern: Ruhe bewahren, kein Erbrechen auslösen, kein Salzwasser, keine MilchS8. Rufe das regionale Giftinformationszentrum anS8. Das GIZ-Nord (Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein) berät rund um die Uhr unter 0551 19240S7, der Giftnotruf Berlin (Berlin und Brandenburg) unter 030 19240S8, in der Schweiz Tox Info Suisse unter 145S11. Wohnst du woanders, findest du die Nummer deines regionalen Zentrums im Merkblatt des Giftnotrufs BerlinS8. Folge vor allem den Anweisungen der Giftnotrufzentrale. Zusatz von uns: Die Merkblätter unterscheiden sich in Details der Ersten Hilfe (z. B. zur Flüssigkeitsgabe), deshalb nennen wir dazu keine eigene Anweisung.

Halte bereit, was eingenommen wurde (Pflanze, Haushaltsmittel, Hersteller), wie viel und wannS8. Wenn der Giftnotruf zum Arzt oder ins Krankenhaus rät, nimm zur Identifizierung der Pflanze möglichst einen ganzen Zweig mit, nicht nur Einzelteile wie Blatt, Blüte oder FruchtS9. Nenne die Art oder Gattung deiner Karnivore. Zusatz von uns: Wenn du weißt, womit die Pflanze behandelt wurde (z. B. Dünger oder Pflanzenschutzmittel), erwähne das ebenfalls.

Bei starken Symptomen wie heftiger Übelkeit oder Benommenheit sollen Arzt oder Klinik aufgesucht werdenS13. Bei Bewusstlosigkeit oder Atem- und Kreislaufstillstand alarmierst du den Rettungsdienst (Schweiz: 144)S11; in Deutschland und EU-weit ist das der Notruf 112S11, S13.

Bei Tieren: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt in einer Mitteilung zu Haustiervergiftungen, die vor allem Biozide wie Rattengift und Insektizide betrifft und Pflanzen nicht erwähnt, bei Verdacht auf eine Vergiftung umgehend die Tierarztpraxis zu kontaktierenS12. Giftinformationszentren sind laut BfR primär für Menschen zuständig, beraten aber je nach Kapazität auch bei TiervergiftungenS12. Ruf die Tierarztpraxis an.

Was die Quellen nicht klären

  • Für Nepenthes, Sarracenia, Drosera, Pinguicula, Utricularia und weitere Gattungen gibt es keine Einstufung für Katzen, Hunde oder KinderS4.
  • Aus dem Vorkommen von Naphthochinonen oder Coniin lässt sich keine Gefahr für Haustiere oder Kinder ableiten oder ausschließenS5, S6.
  • Die ASPCA-Einträge nennen weder Mengen noch SymptomeS1, S2.
  • Die gelesene Kurzfassung der Auswertung des Giftnotrufs Berlin zu Zimmerpflanzen nennt keine PflanzenartenS10; die Volltext-Publikation haben wir nicht herangezogen.
  • Für Österreich nennen wir keine Stelle; die Quellen decken Deutschland und die Schweiz abS8, S11.

Fazit

Laut ASPCA sind zwei Karnivoren (Venusfliegenfalle, Darlingtonia) für Hunde, Katzen und Pferde nicht giftig. Für die übrigen Gattungen gibt es dort keine Einstufung, also weder Entwarnung noch Warnung, und auch „nicht giftig“ schließt Magenbeschwerden nicht ausS1, S2, S3, S4. Halte Pflanzen aus Mund und Händen kleiner Kinder und neugieriger Tiere heraus, und ruf im Zweifel das Giftinformationszentrum oder die Tierarztpraxis anS7, S12.

Fazit: Laut ASPCA sind zwei Karnivoren (Venusfliegenfalle, Darlingtonia) für Hunde, Katzen und Pferde nicht giftig. Für die übrigen Gattungen gibt es dort keine Einstufung, also weder Entwarnung noch Warnung, und auch „nicht giftig“ schließt Magenbeschwerden nicht ausS1, S2, S3, S4. Halte Pflanzen aus Mund und Händen kleiner Kinder und neugieriger Tiere heraus, und ruf im Zweifel das Giftinformationszentrum oder die Tierarztpraxis anS7, S12.

Quellen

S1 Toxic and Non-Toxic Plants: Venus Fly Trap (Dionaea muscipula) (o. J. (Seite © 2026)). Abgerufen am 15.10.2026.

S2 Toxic and Non-Toxic Plants: California Pitcher Plant (Darlingtonia californica) (o. J.). Abgerufen am 15.10.2026.

S3 Toxic and Non-Toxic Plants (Einleitungsseite der Datenbank) (o. J.). Abgerufen am 15.10.2026.

S4 Toxic and Non-Toxic Plant List – Cats / Dogs sowie alphabetische Indexseiten (o. J.). Alphabetische Indexseiten A–Z vollständig durchsucht (81 Seiten, 1023 Einträge); Treffer nur Dionaea muscipula und Darlingtonia californica. Abruf am 15.10.2026. URLs: .../cats-plant-list, .../dogs-plant-list, .../toxic-and-non-toxic-plants/{a..z}. Abgerufen am 15.10.2026.

S5 Metabolite profiling of the carnivorous pitcher plants Darlingtonia and Sarracenia (PLoS ONE 12(2): e0171078; Hotti, Gopalacharyulu, Seppänen-Laakso, Rischer) (2017). Abgerufen am 15.10.2026.

S6 Biological Potential of Carnivorous Plants from Nepenthales (Molecules 28(8):3639; Wójciak, Feldo, Stolarczyk, Płachno) (2023). Abgerufen am 15.10.2026.

S7 Giftinformationszentrum-Nord (Startseite) und Gift-Infos: Liste giftiger Pflanzenarten (2026 (Seite datiert 03.07.2026)). Startseite: https://www.giz-nord.de; die dort verlinkte Liste ist die Bekanntmachung unter S14. Abgerufen am 15.10.2026.

S8 Merkblätter „Vergiftungen: Erste Maßnahmen“ und „Empfehlungen“ inkl. Liste der regionalen Giftnotrufzentren (o. J.). Abgerufen am 15.10.2026.

S9 Pflanzen (Informationsseite für Patienten, Kinder und Pflanzen) (o. J.). Abgerufen am 15.10.2026.

S10 Akzidentelle Expositionen mit giftigen Zimmerpflanzen – Auswertung von Meldedaten aus Giftinformationszentren (Zusammenfassung; Deutsches Ärzteblatt, Nov. 2025) (2025). Nur Kurzzusammenfassungsseite gelesen, nicht die Volltext-Publikation. Abgerufen am 15.10.2026.

S11 Tox Info Suisse – Merkblatt (Notfallnummer 145, Vorbeugung) (2024). Abgerufen am 15.10.2026.

S12 Wie gefährlich sind Gifte für Hunde und Katzen? (BfR-Mitteilung Nr. 012/2026) (2026). Mitteilung betrifft Tiervergiftungen vor allem durch Biozide, nicht durch Pflanzen. Abgerufen am 15.10.2026.

S13 Kompaktinfo: Pflanzenvergiftung – was tun? (2017). Abgerufen am 15.10.2026.

S14 Bekanntmachung einer Liste besonders giftiger Gartenpflanzen und einheimischer Pflanzen in der freien Natur (BAnz AT 02.07.2021 B4, vom 19. Mai 2021) (2021). Liste besonders giftiger Garten- und Wildpflanzen (mittelschwere und schwere Vergiftungen); enthält keine Karnivoren. Keine Gesamtliste: Das Fehlen von Karnivoren ist weder Entwarnung noch Warnung. Abgerufen am 15.10.2026.