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Sonnentau ohne Tau: Mögliche Ursachen im Überblick

Die Tropfen am Sonnentau sind Fangschleim, nicht bloß WasserS1, S9. Fehlen sie, nennen die gelesenen Quellen mehrere mögliche Spuren: niedrige Luftfeuchte, zu hohe Temperatur, zu wenig Licht, unreines Wasser, Düngung – oder eine taulose Phase, etwa beim Zurücksterben von D. capensisS1. Einordnung der Redaktion: Ob eine Ruhephase normal ist, hängt von der Gruppe ab; eine Diagnose aus der Ferne ist nicht möglich.

AUF EINEN BLICK

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Die Tropfen bestehen laut Barry Rice aus einer besonderen Mischung von Verbindungen und nicht nur aus WasserS1.

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Rice nennt niedrige Luftfeuchte als häufigsten Grund; weitere mögliche Gründe sind zu hohe Temperatur, zu wenig Licht, unreines Wasser und DüngungS1.

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Auch bei guter Pflege kann der Tau zeitweise fehlen, etwa wenn Drosera capensis zurückstirbtS1.

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In einem Laborversuch mit Drosera capensis hing die Schleimabsonderung vom Tageslängenrhythmus ab, kurzfristig unabhängig von der LichtstärkeS2.

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Die Gruppen unterscheiden sich in Ruhephasen, Luftfeuchte und WasserbedarfS3, S5, S6; S8 betrifft die Gattung Drosophyllum. Einordnung der Redaktion: Rat für eine Gruppe lässt sich nicht ohne Weiteres auf alle übertragen.

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Besprühen der Blätter mit Wasser hilft laut Rice nicht und kann schadenS1.

Wozu der „Tau“ da ist

Die glänzenden Tropfen an den Tentakeln sind ein klebriges SekretS9. Die New England Carnivorous Plant Society beschreibt sie als „eine klare, klebrige, schleimartige Substanz“ (sinngemäß übersetzt; Original: „a clear and sticky mucilaginous substance“)S9. Mit diesem Schleim fängt die Pflanze InsektenS2. Rice schreibt, die Tropfen bestünden aus einer besonderen Mischung von Verbindungen und nicht nur aus WasserS1.

Die Kulturanleitungen geben als Fütterungsregel an, nur Pflanzen mit Tau zu fütternS3, S4, S10. Zur chemischen Zusammensetzung des Schleims haben wir für diesen Artikel keine Quelle ausgewertet.

Sonnentau-Blatt mit glänzenden Schleimtropfen an den roten Tentakeln

Was die Quellen als häufige Ursachen nennen

Der wichtigste gelesene Text zur Frage ist der FAQ-Eintrag „Why doesn't my sundew have ‚dew' on its leaves?“ von Barry Rice (Carnivorous Plant FAQ, überarbeitet 2018). Rice wertet fehlenden Tau als wahrscheinlichen Hinweis darauf, dass die Pflanze nicht gut wächstS1. Als häufigsten Grund nennt er niedrige LuftfeuchteS1. Weitere Möglichkeiten sind zu hohe Temperaturen, zu wenig Licht und unreines Wasser; außerdem fragt er, ob du die Pflanze gedüngt hastS1. Er betont, dass dies häufige, aber nicht die einzigen Gründe sindS1.

Ein Hinweis zur Quellenlage: Rice beschreibt hier Erfahrung, keinen Versuch. Eine Messung, wie stark welcher Faktor wirkt, enthält der Eintrag nichtS1.

Wann der Tau zeitweise fehlen kann

Zeitweise Phasen ohne Tau

Rice weist darauf hin, dass eine gut gepflegte Pflanze trotzdem eine taulose Phase haben kannS1. Als Beispiel nennt er Drosera capensis, die gelegentlich bis zum Boden zurückstirbt; dabei verlieren die Blätter ihren Tau und sehen schlecht aus, die Pflanze treibt aber wieder ausS1.

Blattentwicklung bei Drosera capensis

Bei Drosera capensis beginnen die Drüsen laut Wang et al. nach der vollständigen Entfaltung der Blätter, Schleim abzusondernS2. Das beschreibt die Quelle für diese Art; für andere Arten haben wir dazu keine gelesene Aussage.

Jahreszeit und Tageslänge

In demselben Laborversuch bildeten Pflanzen unter kurzen Tagen kaum oder keinen Schleim auf den Drüsenköpfen, während Pflanzen unter langen Tagen viel Schleim zeigtenS2. Die Drüsen waren unter kurzen Tagen nicht defekt: Sie sonderten wieder Schleim ab, nachdem die Pflanze eine Woche zurück unter lange Tage gesetzt worden warS2. Die Autoren deuten das als Anpassung an den JahreslaufS2. Das ist eine Interpretation der Autoren, kein gemessener Mechanismus.

Ruhe- und Rückzugsphasen je nach Gruppe

Die ICPS-Anleitungen beschreiben je Gruppe unterschiedliche Ruhe- bzw. Rückzugsmuster:

  • Kalt-gemäßigte Arten wie Drosera rotundifolia brauchen laut ICPS eine deutliche Winterphase, um langfristig zu überlebenS6.
  • Knollen-Drosera in Australien, Tasmanien und Neuseeland sterben im späten Frühjahr zu den unterirdischen Knollen zurückS5. Bei den als einsteigertauglich empfohlenen Knollen-Drosera (laut Anleitung u. a. der D.-peltata-Komplex und D. menziesii) können Temperaturen über 25 °C laut ICPS ein Zurückziehen auslösen und Sämlinge tötenS5.
  • Die meisten Pygmäen-Drosera gehen im Sommer in Ruhe und überstehen sie nur mit einer Nebenblattknospe über dem BodenS4.
  • Warm-gemäßigte Arten zeigen in beheizten Gewächshäusern und Terrarien Phasen von HalbruheS7.
  • Subtropische Drosera haben laut ICPS keine Ruhe- oder Lichtsignal-Anforderungen, um langfristig zu überlebenS3.

Einordnung der Redaktion: Wo oberirdisch keine Blätter stehen, gibt es auch keine Tropfen. Die zitierten Anleitungen sprechen in diesen Passagen über Ruhe, nicht ausdrücklich über den Tau.

Zwei Sonnentau-Blätter im Vergleich: links mit Fangschleim-Tropfen, rechts ohne Tropfen

Mögliche Ursachen im Einzelnen

Luftfeuchte

Rice nennt niedrige Luftfeuchte als häufigsten Grund für taulose SundewsS1. Die Anleitungen sind aber gruppenspezifisch: Subtropische Drosera bevorzugen laut ICPS höhere Luftfeuchte, als in Wohnungen üblich istS3. Für die Queensland-Arten D. adelae, D. prolifera und D. schizandra empfiehlt die AUSCPS eine Kunststoffhaube, weil sie Luftfeuchte mögenS10. Die meisten Knollen-Drosera brauchen dagegen laut ICPS keine hohe Luftfeuchte und eignen sich schlecht für Terrarien (zu groß, zu warm)S5. Bei Drosophyllum warnt die ICPS, dass feuchte und warme Umgebungen Fäulnis fördernS8.

Licht und Tageslänge

Rice führt zu wenig Licht als mögliche Ursache anS1. Der einzige gelesene Versuch dazu betrifft Drosera capensis: Dort steuerte der Wechsel von Tag und Nacht die Schleimabsonderung kurzfristig unabhängig von der LichtstärkeS2. Pflanzen unter kurzen Tagen sonderten auch bei verdoppelter Lichtmenge nach einer Woche keinen Schleim ab; Pflanzen unter langen Tagen sonderten bei halbierter Lichtmenge weiter abS2. Das ist ein Laborbefund an einer Art, mit einer Beobachtungsdauer von einer Woche je Umstellung, und er sagt nichts darüber, wie das für andere Arten oder für Fensterbankkultur gilt.

Gruppenanleitungen der ICPS fordern für Pygmäen-Drosera intensives Licht, ein sonniges Fenster reiche womöglich nichtS4. Subtropische Drosera wollen mehr Licht als auf einer FensterbankS3. Für Knollen-Drosera rät die ICPS zu einem natürlichen LichtzyklusS5. Diese Passagen verknüpfen das Licht nicht ausdrücklich mit dem Tau.

Temperatur

Rice nennt zu hohe Temperaturen als mögliche Ursache, ohne Mechanismus oder GrenzwertS1. Bei kalt-gemäßigten Arten empfiehlt die ICPS, die Töpfe bei heißem Wetter regelmäßig zu flutenS6.

Wasser und Nässe

Rice führt unreines Wasser anS1. Die NECPS rät für temperate Sundews zu chlorfreiem Wasser mit geringem Mineralgehalt, etwa destilliertem Wasser, Umkehrosmose- oder RegenwasserS9. Für „boggy“-Sundews empfiehlt die AUSCPS, beim Gießen zu fluten, damit sich keine Salze anreichernS10. Die NECPS schreibt, der Boden solle nie austrocknenS9; die ICPS verlangt für kalt-gemäßigte Arten, dass die Töpfe in der Wachstumszeit immer im Wasser stehenS6.

Bei Drosophyllum gelten andere Regeln: Die ICPS schreibt, die Pflanze müsse deutlich trockener gehalten werden und dürfe nie im Tray-System stehenS8. Auch das Blattwerk soll beim Gießen nicht besprüht werdenS8.

Nährstoffe und Düngung

Rice fragt ausdrücklich, ob die Pflanze gedüngt wurde, ohne zwischen Substrat- und Blattdüngung zu unterscheidenS1. Beide ICPS-Anleitungen raten von Dünger im Substrat ab und erlauben Blattdüngung: Bei Knollen-Drosera schätzen die meisten Arten laut S5 eine Blattdüngung in halber Stärke alle zwei bis drei Wochen, wobei nur die Blätter benebelt werden sollenS5; bei subtropischen Drosera nennt S3 die Nebelgabe verdünnten Düngers nur mit Vorsicht und bevorzugt Blutwürmer auf den BlätternS3. Wie sich Dünger auf die Schleimbildung auswirkt, erklärt keine der gelesenen Quellen.

Besprühen und Berühren

Rice: Besprühen mit Wasser hilft nicht und schadetS1. Bei Drosophyllum rät auch die ICPS davon ab, das Blattwerk beim Gießen zu besprühenS8. Einordnung der Redaktion: Die Blattdüngung als Nebel (siehe Düngung) ist etwas anderes als das Besprühen mit Wasser, das Rice meint. Einen Befund zum Abwischen oder Berühren der Tropfen haben wir nicht gefunden.

Was du prüfen kannst

Die folgende Liste ist eine Sortierhilfe aus den Quellenaussagen, keine Diagnose:

1. Gruppe klären. Ob Ruhe, Rückzug oder Halbruhe normal sind, hängt von der Gruppe abS4, S5, S6, S7.

2. Blattalter ansehen. Bei Drosera capensis beginnen die Drüsen laut S2 nach der vollständigen Entfaltung des Blattes zu sezernierenS2.

3. Wasserquelle prüfen. Rice nennt unreines WasserS1; NECPS nennt chlorfreies Wasser mit geringem MineralgehaltS9.

4. Düngung zurückverfolgen. Rice fragt danachS1; die ICPS rät von Dünger im Substrat abS3, S5.

5. Licht und Tageslängenrhythmus. Rice nennt zu wenig LichtS1; für Drosera capensis zeigt der Versuch einen Einfluss des RhythmusS2.

6. Luft und Temperatur gruppenbezogen prüfen. Rice nennt niedrige Luftfeuchte und zu hohe TemperaturenS1; ob mehr Feuchte für deine Art passt, steht je nach Gruppe in der Anleitung (Beispiele:S3,S5,S8).

7. Besprühen mit Wasser. Rice rät davon abS1; zur Blattdüngung als Nebel sieheS3, S5.

Wo sich die Quellen unterscheiden

  • Luftfeuchte: Rice nennt niedrige Luftfeuchte als häufigsten GrundS1. Die meisten Knollen-Drosera brauchen laut ICPS keine hohe LuftfeuchteS5, bei Drosophyllum fördert Feuchte und Wärme laut ICPS FäulnisS8. S5 und S8 beschreiben den allgemeinen Kulturbedarf, nicht ausdrücklich den Tau.
  • Nässe: NECPS und ICPS raten bei temperaten Arten zum dauernd feuchten SubstratS9, S6; bei Drosophyllum rät die ICPS vom Tray-System abS8.
  • Düngung: Beide ICPS-Anleitungen raten von Dünger im Substrat ab und erlauben BlattdüngungS3, S5; Rice fragt nur, ob gedüngt wurdeS1. Ob Blattdüngung den Tau beeinflusst, sagt keine Quelle.
  • Besprühen: Rice rät vom Besprühen mit Wasser abS1; die ICPS empfiehlt für Knollen-DroseraS5 und, mit Vorsicht, für subtropische DroseraS3 Blattdüngung als Nebel. Ob und wie das zusammenpasst, erklären die Quellen nicht.
  • Licht: Im Laborversuch an Drosera capensis änderte Halbieren bzw. Verdoppeln der Lichtmenge das Ergebnis nach einer Woche nichtS2; Rice nennt zu wenig Licht als mögliche UrsacheS1. Einordnung der Redaktion: Das schließt sich nicht aus; die Quellen bringen die Aussagen aber nicht zusammen.

Was die Quellen nicht klären

  • Ob und wie schnell die Tropfen bei Wärme und trockener Luft eintrocknen, und ob das Fehlen von Tau damit zusammenhängt: In den gelesenen Quellen steht dazu nichts.
  • Schwellenwerte für Luftfeuchte, Temperatur oder Lichtmenge, ab denen Tau ausbleibt: keine Angabe (die 25 °C in S5 betreffen das Zurückziehen, nicht den Tau).
  • Die Rolle von Wassermangel: Trockenphasen werden für Ruhezeiten (Knollen-Drosera) bzw. als dauerhaft trockenere Kultur (Drosophyllum) beschrieben, nicht als Ursache fehlenden Taus.
  • Der Einfluss des Wasserstands oder der Tray-Methode auf den Tau: nicht untersucht.
  • Alter der Blätter jenseits der Blattentfaltung bei D. capensis, Einfluss von Berühren oder Wischen: nicht beschrieben.
  • Der Weg von Düngung oder Wasserqualität zur Schleimbildung: keine Mechanismen in den gelesenen Texten.
  • Die chemische Zusammensetzung des Schleims und ihre Abhängigkeit von Umweltbedingungen haben wir nicht gelesen.
  • Für Drosophyllum beschreibt die gelesene ICPS-Anleitung Kulturbedingungen, äußert sich aber nicht zum Ausbleiben von Tau.

Fazit: Fehlt der Tau, nennen die gelesenen Quellen mögliche Spuren, keine eindeutige Ursache: niedrige Luftfeuchte als häufigsten Grund, außerdem Hitze, wenig Licht, unreines Wasser und DüngungS1. Dazu kommen Phasen ohne Tau, etwa beim Zurücksterben von D. capensisS1, gruppenabhängige Ruhe- bzw. RückzugsmusterS5, S6 und, bei D. capensis im Laborversuch, ein Einfluss des TageslängenrhythmusS2. Einordnung der Redaktion: Bevor du an einem Parameter drehst, lohnt die Frage, welcher Gruppe deine Art angehört und ob sie gerade in einer Ruhe- oder Rückzugsphase steckt. Ratschläge für eine Gruppe, etwa mehr Luftfeuchte oder dauernde Nässe, passen nicht zwingend zu einer anderen (Beispiel Drosophyllum: laut ICPS kein Tray-System und Fäulnis bei feuchter, warmer UmgebungS8).

Quellen

S1 Barry A. Rice: Why doesn't my sundew have "dew" on its leaves? (The Carnivorous Plant FAQ v. 12) (2018 (überarbeitet)).

S2 Wang Dong-Hui, Wang Dong-Qi, Cui Yi-Wei, Yang Lu, Gu Xiao-Di, Song Wen-Fei, Li Feng: Photoperiod regulates Cape Sundew (Drosera capensis) gland secretion and leaf development (2015).

S3 John Brittnacher: Growing Subtropical Drosera (o. J.).

S4 John Brittnacher: Growing pygmy Drosera (2011 (Update 2020)).

S5 John Brittnacher: Growing tuberous Drosera (2002 (Update 2019)).

S6 John Brittnacher: Growing cold temperate Drosera (o. J.).

S7 John Brittnacher: Growing warm temperate Drosera (o. J.).

S8 Tom Cahill: Growing Drosophyllum lusitanicum (o. J.).

S9 Michael Stiffler: Basic Cultivation of Temperate Sundews (o. J. (Seitenfuß 2023)).

S10 R. Gibson, K. Hirsch: AUSCPS Cultivation Guides: Drosera (Sundews) (2016).