Pinguicula cyclosecta

© Denis Barthel · CC BY-SA 3.0 · Quelle

Black Trap Codex

Pinguicula cyclosecta

Violettblättriges Fettkraut

Aktiv
Familie
Lentibulariaceae
Gattung
Pinguicula
Herkunft
Nordost-Mexiko: Coahuila, Nuevo León und San Luis Potosí; taxonomisch ausgewertete historische Fundbelege reichen außerdem nach Tamaulipas.
Autor
Casper

Kurzprofil

Kultur auf einen Blick

Schwierigkeit
3 / 5 · mittel1 = sehr leicht, 5 = Spezialkultur.
Licht
3 / 5 · hell1 = schattig, 5 = volle Sonne.
Wasser
saisonal wechselndBeschreibt die Feuchtefuehrung im Topf, nicht die Luftfeuchte.
Ruhephase
erforderlichOb die Art eine saisonale Ruhephase braucht.
Fehlertoleranz
mittelWie stark Kulturfehler verziehen werden.

Kulturgruppe

Pinguicula – mexikanisch saisonal

Kulturgruppe für heterophylle mexikanische Pinguicula mit carnivorer Wachstumsrosette und sukkulenter Winterrosette.

Habitat-Logik

Mineralische Fels-, Kalk-, Gips- und humusarme Standorte Mexikos mit ausgeprägtem saisonalem Feuchtewechsel.

Kultur-Logik

Während der carnivoren Wachstumsphase mäßig feucht kultivieren und mit Ausbildung der sukkulenten Winterrosette die Wassergaben deutlich reduzieren.

Substrat-Logik

Mineralisch bis schwach organisch, sehr gut durchströmbar und ohne dauerhaft hohe Wasserreserve.

Risiken der Kulturgruppe

Gattungsprofil

Pinguicula

Fettkraut-Gattung mit stark unterschiedlichen mexikanischen, warmtemperierten und kaltgemäßigten Kulturtypen.

Habitat-Logik

Feuchte Felsen, Quellfluren, Moore und mineralische Standorte von warmen Regionen bis in alpine Lagen.

Kultur-Logik

Wasserführung, Substratchemie und Ruhephase unterscheiden sich deutlich zwischen den einzelnen Kulturgruppen.

Substrat-Logik

Von stark mineralischen und kalkhaltigen Mischungen bis zu sauren, dauerhaft feuchten Moor- und Quellsubstraten.

Typische Fehler

Mexikanische und temperierte Arten gleich kultivieren, sukkulente Winterrosetten zu nass halten und artspezifische Kalk- beziehungsweise Säureansprüche ignorieren.

Risiken

Worauf diese Art empfindlich reagiert

Verknuepfungen

Empfohlene Systemprofile

Core-Referenzprofil

Pinguicula Mex

Black Trap | Pinguicula Mex ist ein mineralisch dominiertes Spezialsubstrat für mexikanische Pinguicula. Die strukturstabile Mischung sorgt für eine gute Luftführung, zuverlässige Wasserverteilung und eine kontrollierte Abtrocknung im empfindlichen Wurzelbereich. Pinguicula Mex ist auf die besonderen Anforderungen mexikanischer Fettkräuter abgestimmt. Der hohe mineralische Anteil hält das Substrat dauerhaft offen, während gezielt eingesetzte organische Bestandteile die Feuchteregulation unterstützen, ohne die Mischung unnötig zu verdichten.

BT-Air
hoch
BT-Water
mittel
BT-Flow
hoch
pH
5.50 - 7.50
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Botanische Beschreibung

Pinguicula cyclosecta Casper ist ein ausdauerndes Fettkraut aus dem nordöstlichen Mexiko. Am zuverlässigsten erkennt man die Art an ihrem jahreszeitlichen Wechsel zwischen zwei deutlich verschiedenen Rosetten. Während der feuchteren Wachstumsphase entstehen flache, weit ausgebreitete Fangblätter. Mit der saisonalen Abtrocknung bildet die Pflanze anschließend eine kleinere, aus zahlreichen kurzen, fleischigen Blättern aufgebaute Rosette. Diese Winterform bleibt offen und unterscheidet sich damit von einem geschlossenen, schuppenblättrigen Hibernakel temperierter Fettkräuter.

Die ausgewachsene Fangrosette wirkt meist grün bis blaugrün; bei hellem Licht kann der Rand violett überlaufen. Die auffällige Blüte ist tief violett, auf der Rückseite heller und am Schlund weißlich gezeichnet. Ihr schmaler Sporn ist im Verhältnis zur kurzen Kronröhre außergewöhnlich lang. Die Kombination aus der niedrigen, bewimperten Sommerrosette, der sukkulenten Winterform und der Blüte mit langem Sporn trennt die Art besser von anderen mexikanischen Fettkräutern als eine einzelne Blattfarbe.

Blattgröße, Rosettendurchmesser und Blütenform variieren von Pflanze zu Pflanze. Die angegebenen Bereiche sind deshalb als artspezifische Spannweiten zu verstehen, nicht als starre Mindest- oder Höchstwerte für jedes Exemplar. Auch ein stark violetter Blattrand ist kein zwingendes Bestimmungsmerkmal: Beleuchtung und Entwicklungsphase beeinflussen die Färbung. Für eine sichere Zuordnung sollten beide Rosettenformen zusammen mit der Blüte betrachtet werden.

taxonomy

Taxonomie

Akzeptierter Name ist Pinguicula cyclosecta Casper. Die Art wurde 1963 veröffentlicht und gehört zur Familie Lentibulariaceae sowie zur Ordnung Lamiales. Pinguicula lateciliata McVaugh & Mickel ist ein heterotypisches Synonym. P. cyclosecta wurde früher im Jahr veröffentlicht und besitzt deshalb nomenklatorische Priorität. Ältere Pflanzenetiketten können noch den Namen P. lateciliata tragen; taxonomisch ist damit dieselbe Art gemeint.

In der klassischen Gliederung der Gattung wird P. cyclosecta der Sektion Orcheosanthus innerhalb der Untergattung Pinguicula zugeordnet. Die Sektionszuordnung ist eine taxonomische Einordnung innerhalb der Gattung und keine zusätzliche Rangstufe unterhalb der Art. Sie macht aus der Pflanze weder eine Unterart noch ein Kultivar. Für Bestimmung, Pflege und Beschriftung bleibt der akzeptierte Artname maßgeblich; die Sektionsangabe ergänzt diese Einordnung, ersetzt sie aber nicht. Ältere Pflanzenetiketten können weiterhin den Synonymnamen P. lateciliata tragen und sollten bei der Übernahme in Sammlungen auf den akzeptierten Namen abgeglichen werden.

Die Autorenschaft Casper ist Bestandteil des botanischen Namens und kein Hinweis auf eine Kulturform. Im akzeptierten Artnamen werden keine Unterart und kein Kultivarepithet geführt. Pinguicula lateciliata beruht auf einem eigenen nomenklatorischen Typus. Dass dieser Name als Synonym zu P. cyclosecta behandelt wird, bedeutet daher nicht, dass beide Namen bloß verschiedene Schreibweisen wären; es sind zwei Namen, die derselben Art zugeordnet sind.

ecology

Standort und Verbreitung

Das natürliche Areal liegt in Nordostmexiko. Pinguicula cyclosecta wächst in Coahuila, Nuevo León und San Luis Potosí; Vorkommen reichen außerdem in den angrenzenden Teil von Tamaulipas. Ein Fundort östlich von Dulces Nombres liegt im Grenzraum zwischen Nuevo León und Tamaulipas, bildet aber nur einen Teil des Areals ab. Die Art ist nicht auf diese einzelne Lokalität beschränkt.

Die Art wächst lithophytisch auf Fels. Bestände stehen an feuchten, schattigen Kalkhängen und senkrechten Felswänden zwischen Eichen- oder Kiefern-Eichen-Wald. Rosetten sitzen in schmalen Spalten und kleinen Vorsprüngen, auf Moospolstern oder an Stellen, an denen Wasser zeitweise über die Wand sickert. Moose, Selaginella und Farne können direkt in der Nähe wachsen; Agaven und Hechtien beschatten manche Felsspalten. Die Pflanze wurzelt dabei in kleinen Ansammlungen aus Feinerde und organischen Resten, nicht in tiefem, dauerhaft überflutetem Moorboden.

Die bekannten Fundorte liegen auf etwa 450 bis 2.050 Metern Höhe; die meisten liegen zwischen ungefähr 1.000 und 2.050 Metern. Diese Höhen beschreiben natürliche Vorkommen und keine Kulturgrenzen. Entscheidend für die Standortdeutung sind die Kombination aus Fels, zeitweiligem Wasserangebot, Schatten und guter Luftbewegung sowie der saisonale Wechsel des Substrats.

ecology

Ökologische Anpassungen

Pinguicula cyclosecta bildet nacheinander eine fleischfressende Sommerrosette und eine sukkulente Winterrosette. Die flachen Fangblätter wachsen im nördlichen Mexiko gewöhnlich ab Mai oder Juni, sind im August voll entwickelt und bleiben häufig bis September oder Oktober erhalten. Im Spätherbst entstehen die kurzen, fleischigen Blätter; diese nichtkarnivore Form überdauert die trockenere Jahreszeit und kann bis zum erneuten Austrieb im späten Frühjahr bestehen. Die genaue Entwicklung verschiebt sich mit Standort, Niederschlag und örtlichem Klima.

Die Winterrosette ist kein Hibernakel: Sie besteht aus vielen einzelnen, weiterhin lebenden Blättern und schließt das Wachstumszentrum nicht in einer festen Knospe ein. Das unterscheidet sie von den kalt temperierten Arten, deren schuppenförmige Ruheknospen den Winter überdauern. Die jahreszeitliche Sukkulenz bedeutet dennoch eine klare Veränderung des Wasserbedarfs. Während der Fangblätter muss Feuchtigkeit an den flachen Wurzeln verfügbar sein; bei der Winterform kann ein nasses, langsam trocknendes Wurzelmilieu Fäulnis begünstigen.

Die Blüte fällt meist in die Regenzeit und begleitet die Sommerrosette, vorwiegend von Ende Mai bis September. Auch eine Blüte im Februar kann auftreten, bildet aber nicht den typischen Zeitraum ab. Der saisonale Zyklus ist gut erkennbar, jedoch nicht auf starre Kalendermonate festgelegt. Auch in Kultur sollte die Blattform den Übergang anzeigen und nicht ein übernommener Jahresplan aus einer anderen Hemisphäre.

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Wuchsform und Morphologie

Die Art bildet eine flache, bodennah ausgebreitete Winterrosette von ungefähr 15 bis 40 Millimetern Durchmesser. Sie kann etwa 35 bis 80 sukkulente Blätter tragen. Diese sind spatelförmig, fünf bis zehn Millimeter lang und zwei bis fünf Millimeter breit; ihre Spitzen sind rundlich, die Ränder bewimpert. Die Fangrosette ist deutlich größer und lockerer: Sie erreicht etwa 40 bis 85 Millimeter Durchmesser und trägt gewöhnlich acht bis zehn, gelegentlich sechs bis zwölf Blätter. Die dünneren, obovat-spatelförmigen Sommerblätter messen etwa 30 bis 60 Millimeter in der Länge und 15 bis 25 Millimeter in der Breite.

Die Sommerblätter verengen sich keilförmig zur Basis, tragen dort kurze mehrzellige Wimpern und rollen den Rand nahe der Spitze leicht nach innen. Auf der Oberseite sitzen dicht stehende sessile Drüsen und gestielte Schleimdrüsen. Der Blattrand kann violett erscheinen, während die Mitte heller bleibt; die Färbung ist variabel und eignet sich allein nicht zur Artbestimmung. Maße und Blattzahlen variieren auch innerhalb der Art; sie beschreiben eine Spannweite und sind kein starres Sollmaß für jede Pflanze.

Die Pflanze bildet meist ein bis fünf aufrechte, drüsig behaarte Blütenschäfte. Die einzelne Blüte ist einschließlich Sporn etwa 28 bis 48 Millimeter lang. Ihre tief violette, zweilippige Krone besitzt einen großen dreilappigen Unterlippenbereich; der mittlere Lappen überragt die seitlichen. Der sehr kurze, breite Kronenschlund zeigt eine unregelmäßige helle Zeichnung. Der schlanke, fast fadenförmige Sporn ist gerade bis leicht gekrümmt und ungefähr 15 bis 30 Millimeter lang. Die annähernd kugelige Kapsel enthält zahlreiche schmale, etwa einen Millimeter lange Samen.

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Carnivore Strategie

Nur die sommerlichen, flachen Blätter bilden die aktive Klebefalle. Auf ihrer Oberseite halten gestielte Drüsen kleine Gliederfüßer mit Schleim fest; zusätzlich sitzen dort zahlreiche Drüsen, die an der weiteren Verarbeitung der Beute und der Aufnahme gelöster Nährstoffe beteiligt sind. Das Blatt klappt nicht plötzlich zu. Seine Fangwirkung beruht auf der klebrigen Oberfläche und auf Drüsensekreten. Die nach innen geneigten Randbereiche können bei gefangener Beute langsam reagieren, ändern aber nichts daran, dass die Falle grundsätzlich passiv arbeitet.

In der sukkulenten Winterrosette fehlen die normalen Fangblätter. Diese Phase ist deshalb keine Fortsetzung der sommerlichen Insektenfalle mit nur kleineren Blättern, sondern ein eigener, nichtkarnivorer Blatttyp. Eine kleine oder fehlende Schleimproduktion während dieser Zeit ist für sich genommen kein Krankheitszeichen. Auch die violette Blattfärbung ist keine Fangfunktion; sie verändert weder die grundsätzliche Mechanik noch weist sie auf eine bestimmte Beute hin.

Eine bestimmte Beutegruppe oder Beutegröße lässt sich für die Art nicht als bevorzugtes Ziel angeben; zufliegende kleine Gliederfüßer können an den Fangblättern hängen bleiben. In Kultur ist regelmäßiges Zufüttern nicht nötig. Die aktive Rosette fängt kleine Tiere selbst, während beim Übergang zur sukkulenten Winterform Saison und Zustand der Pflanze entscheidend sind. Künstliche Nährstoffgaben ersetzen diese jahreszeitliche Anpassung nicht.

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Reproduktion und Lebenszyklus

Die Blüten stehen einzeln an aufrechten Schäften; an einer Pflanze können mehrere Schäfte nacheinander oder gleichzeitig erscheinen. Sie öffnen sich gewöhnlich während der aktiven Sommerrosette. Die tiefe zweilippige Krone trägt einen langen, schmalen Sporn, der deutlich über die kurze Kronröhre hinausragt. Diese Form begrenzt den Zugang zum Blüteninneren, reicht aber allein nicht aus, um eine bestimmte Bestäuberart sicher zu benennen. Aus dieser Blütenform allein lässt sich keine bestimmte natürliche Bestäuberart ableiten.

Nach der Blüte entsteht eine annähernd kugelige Kapsel. Sie enthält viele schmale, fusiforme Samen von ungefähr einem Millimeter Länge. Für die Art sind weder verlässliche Keimquoten und Lagerzeiten noch eine zwingende Vorbehandlung als allgemeine Regel anzugeben. Saat sollte daher nicht mit einer erfundenen festen Kälte- oder Lichtbehandlung verknüpft werden. Eine Blüte außerhalb der üblichen Regenzeit ist möglich und sollte bei einer einzelnen Pflanze nicht automatisch als Fehlentwicklung bewertet werden.

Eine vegetative Vermehrung ist über gesunde Blätter der sukkulenten Winterrosette möglich. Das Blatt wird vollständig an der Basis abgenommen und auf ein sauberes, leicht feuchtes, luftiges Medium gelegt; Austrieb und Geschwindigkeit hängen von Blattzustand und Kulturbedingungen ab. Diese Methode ist eine gärtnerische Vermehrungsoption und sagt nichts über die Häufigkeit natürlicher Blattvermehrung am Standort aus. Bei der Vermehrung sollten Aussaat und Blattstecklinge getrennt gehalten werden, damit die Herkunft des Nachwuchses klar bleibt.

culture

Kulturrelevante Schlussfolgerungen

Die Pflege sollte den Wechsel zwischen Fang- und Winterrosette abbilden. Während die flachen Fangblätter wachsen, braucht Pinguicula cyclosecta viel Helligkeit, gute Luftbewegung und ein gleichmäßig verfügbares, aber nicht sauerstoffarmes Wasserangebot an den Wurzeln. Sehr helle Kultur ist möglich; pralle Sonne auf dunklem Fels oder aufgeheiztem Substrat kann die flachen Wurzeln jedoch überhitzen. Die Rosette sollte nicht dauerhaft im Wasser stehen. Das mineralische Medium kann zwischen einzelnen Sommergaben leicht abtrocknen, solange an den flachen Wurzeln noch Feuchtigkeit verfügbar bleibt.

Sobald die kleinen sukkulenten Blätter die Fangrosette ablösen, wird die Wasserversorgung deutlich reduziert. Während der Winterrosette kann das Substrat vollständig abtrocknen; mit dem Erscheinen neuer Fangblätter beginnt die Wasserversorgung wieder schrittweise. Vollständige Trockenheit ist eine mögliche Kulturführung unter luftigen, mineralischen Bedingungen, aber keine Pflicht für jedes Gefäß und jede Umgebung. Saison, Luftbewegung, Gefäß, Gießwasser und Wurzelzustand verändern, wie schnell ein Topf trocknet. Die Umstellung daher an der Rosette ablesen und die Wasserzufuhr bei neuem Fangblattwachstum vorsichtig steigern.

Es gibt keine belastbar geprüften artspezifischen Grenzwerte für Mindesttemperatur, Luftfeuchte, Beleuchtungsstärke oder Kultur-pH. Einzelne beobachtete Temperaturen aus Gewächshauskultur sind keine Freiland-Frostfreigabe. Die Pflanze braucht eine saisonale Änderung der Wasserführung, aber keine kalte Hibernakelphase. Ein offen gehaltener, nicht dauerhaft nasser Wurzelraum und der sichtbare Rosettenwechsel sind verlässlichere Pflegehinweise als starre Zahlen.

substrate

Substrat-Ökologie

In der Natur wächst Pinguicula cyclosecta auf feuchten, schattigen Kalkfelsen, in Klüften und auf kleinen moosigen Vorsprüngen. Dort ist nur wenig Boden vorhanden. Wasser kann während der Wachstumszeit über die Felswand sickern oder in einer Spalte kapillar an die feinen Wurzeln gelangen; gleichzeitig trocknen exponierte Stellen schnell ab. Die Art ist daher lithophytisch, aber nicht an einen tiefen, dauerhaft gefluteten Moorboden angepasst. Feinerde und organische Reste können in einzelnen Spalten vorhanden sein, ohne dass ein humusreicher Topf daraus folgt.

Für die Kultur passt ein strukturstabiles, mineralisch geprägtes Medium, das Luft an die flachen Wurzeln lässt und während der aktiven Phase etwas Wasser halten oder kapillar nachliefern kann. Poröse Steine wie Bims oder Skoria sowie offene mineralische Mischungen können die Felsnische nachbilden. Eine geringe Menge Moos oder organisches Material in einer Spalte kann die Pflanze verankern; eine dicke, verdichtete Humusschicht wäre dagegen keine gute Entsprechung des flachgründigen Standorts. Entscheidend ist nicht ein bestimmter Stein, sondern das Verhältnis aus Wassertransport, Drainage und Luft.

Mit Bildung der sukkulenten Winterrosette muss die gespeicherte Feuchte deutlich sinken. Ein mineralischer Mix mit dauerhaft großem Wasserreservoir kann dann zu lange nass bleiben, während völlig wasserabweisendes Grobmaterial die Fangrosette in der Wachstumszeit rasch austrocknen lässt. Für die Kultur lässt sich aus dem Kalkfelsstandort weder ein enger Ziel-pH noch eine konkrete EC-Spanne ableiten; Rezepturen sind deshalb an Wasserqualität, Gefäß und Jahresphase anzupassen.

practice

Praxisnotizen

Bei jedem Kontrollgang ist zuerst die Blattform zu bestimmen: flache, drüsige Fangblätter kennzeichnen die aktive Phase; kurze fleischige Blätter zeigen die saisonale Winterrosette. Danach werden Feuchte im Wurzelbereich, freier Ablauf, Belüftung und der Zustand des Vegetationszentrums geprüft. Ein trockeneres Medium kann bei der Winterform normal sein; eine dauerhaft nasse, weich werdende Rosette oder ein fortschreitender Blattverlust ist dagegen Anlass, Wasserführung und Luftbewegung zu kontrollieren. Kalenderdaten allein eignen sich nicht als Auslöser für die Umstellung.

Das verknüpfte Kulturprofil sieht Kontrollen alle sieben Tage während des aktiven Fangblattwachstums, alle vierzehn Tage während der sukkulenten Winterphase und alle vier Tage bei Sämlingen vor. Diese Intervalle sind Beobachtungsrhythmen, keine Gießtermine. Bei der Winterrosette geht es besonders darum, beginnende Fäulnis und ein zu lang anhaltendes vollständiges Austrocknen zu erkennen. Sämlinge sollten engmaschiger beobachtet werden, ohne aus dem Kontrollabstand eine tägliche Wassergabe abzuleiten.

Für eine Bestimmung sollten eine Aufnahme der Sommerrosette, ein Bild der Winterform und eine geöffnete Blüte mit Schlund und Sporn zusammen aufbewahrt werden. Rosettenbreite und Blattform allein können wegen der Variation irreführen. Beim Umtopfen ist die kleine Wurzelbasis zu schonen; Pflanzen nicht an den Fangblättern aus dem Fels oder Substrat ziehen. Herkunft und Saison getrennt notieren, damit eine einzelne Kulturbeobachtung nicht als allgemeingültige Artgrenze übernommen wird.

sources

Quellenangaben

  1. Royal Botanic Gardens, Kew. Plants of the World Online: akzeptierter Name, Autorenschaft, Verbreitung und Synonymie von Pinguicula cyclosecta. Fundstelle
  2. Zamudio, S. (2001). Revisión de la sección Orcheosanthus del género Pinguicula (Lentibulariaceae). Taxonomische Revision mit geprüften Belegen, Verbreitung, Saisonformen und variablen Blütenmerkmalen. Fundstelle
  3. Casper, S.J. (1963). Erstbeschreibung von Pinguicula cyclosecta, Feddes Repertorium Specierum Novarum Regni Vegetabilis 67:11–12. Der Originaltext und die Typusangaben sind in der Artenübersicht dokumentiert. Fundstelle
  4. Van Marm, J. (1995). “Here at last: Pinguicula cyclosecta.” IPSG Newsletter 6. Feldbeschreibung einer nordexponierten Kalkwand; wiedergegeben im Artenkonto. Fundstelle
  5. Liu, A. (2020). “Lithophytic culture of Mexican Pinguicula.” Carnivorous Plant Newsletter 49(3):132–135. Kultur auf porösem Gestein und Wasserreduktion beim Wechsel zur sukkulenten Rosette. Fundstelle

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Aktueller Stand30.09.2026

Empfohlene Zitierweise: Black Trap Codex, Pinguicula cyclosecta, Stand 30.09.2026, https://blacktrap.de/codex-v2/pinguicula-cyclosecta/