
© Denis Barthel · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Black Trap Codex
Drosera kenneallyi
Kurzprofil
Kultur auf einen Blick
- Schwierigkeit
- 5 / 5 · spezialisiert1 = sehr leicht, 5 = Spezialkultur.
- Licht
- 4 / 5 · sehr hell1 = schattig, 5 = volle Sonne.
- Wasser
- feuchtBeschreibt die Feuchtefuehrung im Topf, nicht die Luftfeuchte.
- Ruhephase
- jaOb die Art eine saisonale Ruhephase braucht.
- Fehlertoleranz
- mittelWie stark Kulturfehler verziehen werden.
Kulturgruppe
Drosera kenneallyi – saisonal überflutete Kimberley-Art
Gruppe für die flach am Boden wachsende Petiolaris-Art des Mitchell Plateaus. Die flexible Blattstielarchitektur und die saisonale Überschwemmung sind Teil ihres Habitus; ein unbestätigter Darwin-Fund wird nicht zur sicheren Herkunft verallgemeinert.
Habitat-Logik
Saisonal überflutete Sumpfränder über dünnem Boden und Laterit-Hartpan nahe dem Airfield Swamp am Mitchell Plateau in der Kimberley-Region.
Kultur-Logik
Im warmen, feuchten Austrieb zuverlässig feucht halten. Wasser bei natürlichem Einzug zurücknehmen und während der trockenen Ruhephase nicht fluten. Sichtkontrolle alle 5 Tage im Wachstum, alle 10 Tage bei Ruhe oder Verlangsamung und alle 3 Tage bei Sämlingen; Kontrolltermine sind keine Gießtermine.
Substrat-Logik
Nährstoffarmes, durchlässiges Medium mit ausreichender Feuchte während der warmen Wachstumszeit; keine ungeprüfte Dauerüberflutung im Topf.
Gattungsprofil
Drosera
Artenreiche Sonnentau-Gattung mit tropischen, temperierten und stark saisonalen Kulturtypen.
Habitat-Logik
Von tropischen Feuchtflächen und Regenwäldern über boreale Moore bis zu mediterranen Winterregen- und australischen Sandstandorten.
Kultur-Logik
Temperatur, Wasserführung und Ruhephase müssen konsequent an die jeweilige Kulturgruppe angepasst werden.
Substrat-Logik
Von dauerhaft nassen Torf- und Sphagnumsystemen bis zu sandreichen, stark durchströmten und saisonal trockeneren Medien.
Typische Fehler
Alle Drosera gleich kultivieren, Ruhephasen ignorieren, falsche Wasserführung und zu wenig Licht.
reference
Botanische Beschreibung
Drosera kenneallyi Lowrie ist eine ausdauernde, faserwurzelige Art aus dem tropischen Nordwesten Australiens. Sie wächst als einzelne, flach an den Boden gedrückte Blattrosette und bildet am Sprossgrund eine kompakte, knollenähnliche Ansammlung persistierender fleischiger Blattbasen. Dieses Speicherorgan ist nach der Erstbeschreibung kein gewöhnlicher tuberöser Knollenbau wie bei den winteraktiven Sonnentauen Südwest-Australiens. Die Blattstiele sind schmal und länglich, die Fangspreiten dagegen quer elliptisch bis breit eiförmig und im Verhältnis auffallend groß.
Aus der Rosette können ein bis drei Blütenstände hervorgehen; sie tragen lockere Trauben mit zehn bis zwanzig weißen Blüten. Blätter und Stiele sind nahezu kahl, mit wenigen einfachen Haaren an den Unterseiten. Die Art gehört zum petiolaris-Komplex und ähnelt D. falconeri, unterscheidet sich aber durch die kleineren, breiter quer elliptischen bis sehr breit eiförmigen Spreiten und den längeren Blütenstand. Während der Regenzeit kann die Rosette in flachem, warmem Wasser wachsen; flexible Blattstiele bringen die Spreiten an die Oberfläche, wo sie weiter Beute fangen.
taxonomy
Taxonomie
Allen Lowrie beschrieb Drosera kenneallyi 1996 in Nuytsia. Der erste bekannte Beleg wurde 1982 von Kevin F. Kenneally auf dem Mitchell Plateau gesammelt; Lowrie verglich 1993 die ruhenden, vegetativen und blühenden Pflanzen mit allen damals beschriebenen Arten des petiolaris-Komplexes. Das Typusexemplar stammt von einer Stelle nördlich eines Bergbaulagers auf dem Weg nach Port Warrender und wird im Western Australian Herbarium verwahrt. Kew führt die Art als akzeptiert und ordnet sie dem Nordwesten Australiens zu.
Die nächstverwandte Art wird in der Erstbeschreibung als D. falconeri bezeichnet. Beide besitzen eine flache Einzelrosette, ein unterirdisch kompaktiertes Speicherorgan und eine frühe Blüte vor der saisonalen Überflutung. D. falconeri ist durch deutlich größere, nierenförmige Spreiten und einen kürzeren Blütenstand abgrenzbar. Ein Feldbericht aus dem Northern Territory behauptet darüber hinaus Vorkommen bei Darwin; dieser Fund liegt außerhalb der von der Erstbeschreibung und Kew bestätigten Kimberley-Verbreitung und wurde hier nicht durch eine taxonomisch publizierte Neubestimmung verifiziert. Er wird deshalb nicht in das sichere natürliche Areal übernommen.
ecology
Standort und Verbreitung
Gesichert ist die Art vom Mitchell Plateau in der Kimberley-Region im Norden Western Australias. Der Typus wurde nahe dem Airfield Swamp gesammelt; die Erstbeschreibung nennt auch einen Fund am südöstlichen Rand dieses Sumpfes. Das Habitat liegt als niedriger Kräuterbestand zwischen offenem Eucalyptus latifolia-Wald auf Laterit und einem nassen, schwarz-schluffigen Sumpfbereich mit offenem Melaleuca-Wald. Der Typus wuchs in einer dünnen, skelettreichen Bodenschicht über Laterit-Hartpan nahe dem Feuchtgebiet.
Das Jahreszeitenmuster ist markant: Im Januar und Februar kann die Airfield-Swamp-Population von flachem Wasser überflutet werden, während die Pflanzen zu Beginn der Trockenzeit in Ruhe gehen. Die Blüte wurde von November bis Anfang Dezember dokumentiert, also vor dem Hochwasser. Ein neuerer Feldbericht beschreibt Pflanzen bei Darwin, doch die Fundbestimmung und eine mögliche disjunkte Verbreitung sind nicht durch eine taxonomische Revision abgesichert. Daher wird nur das typisierte Kimberley-Gebiet als verlässlicher Herkunftsbereich geführt; Beobachtungen außerhalb davon bleiben als vorläufige Feldmeldung zu kennzeichnen.
ecology
Ökologische Anpassungen
Die flexiblen Blattstiele sind eine ungewöhnliche Anpassung an den wechselnden Wasserstand am Rand des Airfield Swamp. Wenn die flache Überflutung während der Regenzeit steigt, können sich die Blattstiele anheben und die Fangspreiten wie kleine Schwimmblätter an der Wasseroberfläche halten. Dadurch bleibt die klebrige Fangfläche für Insekten zugänglich, statt vollständig unterzutauchen. Die Blüte findet vor dem Hochwasser statt, was die Fortpflanzung zeitlich von der tiefsten Überflutungsphase trennt.
Zu Beginn der Trockenzeit ziehen die Blätter ein; die Pflanze überdauert unterirdisch mit einer verdickten Ansammlung persistierender Blattbasen. Lowrie beschreibt, dass dieses Speicherorgan nicht wie bei den übrigen Arten des Komplexes von einer dichten Wollschicht umgeben ist, sondern durch den im trockenen Zustand betonharten Boden geschützt wird. Diese Unterscheidung ist wichtig: Eine gewöhnliche kalte, winterliche Knollenruhe wäre für den tropischen Monsunrhythmus nicht passend. Standort, Regenzeitwasser und hohe Temperaturen sind gekoppelt, aber im Topf darf daraus kein unkontrolliertes Heißwasser-Anstauen abgeleitet werden.
reference
Wuchsform und Morphologie
Die Blätter bilden eine flache Rosette unmittelbar am Boden. Der schmal verkehrt-lanzettliche Blattstiel ist zur Mitte hin etwa 1,5 bis 2,2 Millimeter breit und zur Spreite wieder verengt; zur Blütezeit misst er gewöhnlich 15 bis 30 Millimeter. Die quer elliptische bis sehr breit eiförmige Spreite ist etwa vier bis sechs Millimeter lang und 5,5 bis sieben Millimeter breit. Fangdrüsen sitzen auf der Oberseite am Rand und zusätzlich kleiner innerhalb der Spreite. Die Unterseite ist nur spärlich mit einfachen weißen Haaren besetzt.
Ein bis drei Blütenstände pro Rosette erreichen einschließlich Schaft ungefähr 12,5 bis 20,5 Zentimeter und tragen eine lockere Traube von zehn bis zwanzig Blüten. Die Kelchblätter sind obovat, zwei bis drei Millimeter lang und auf der Außenseite spärlich mit weißen, teils kurz gespornte einfachen Haaren besetzt. Die weißen Kronblätter sind etwa 5,5 bis 6,5 Millimeter lang. Charakteristisch sind außerdem drei Fruchtblätter und drei bis vier mehrfach gegabelte Griffel. Gegenüber D. falconeri helfen Spreitengröße und längerer Blütenstand; ein einzelnes rotes Blattfoto ist für die Bestimmung unzureichend.
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Fangstrategie
Die Fangspreite trägt randständige und kleinere innere Tentakel, die klebrigen Schleim absondern. Im Normalzustand fängt sie kleine Insekten auf der flachen Rosette. Während der Überflutung werden die flexiblen Blattstiele angehoben, sodass die Lamina auf der Wasseroberfläche schwimmt und weiterhin Beute erreicht. Es handelt sich also nicht um eine aquatische Falle, sondern um eine terrestrische Fangfläche, die den zeitweise überfluteten Standort durch Lageveränderung überbrückt. Dieses Verhalten wird in der Erstbeschreibung ausdrücklich als Anpassung an steigendes und fallendes Wasser beschrieben.
Die Facharbeit berichtet, dass die Spreiten in der Hochwasserphase über Wasser bleiben, quantifiziert aber keine Fangrate oder bevorzugte Beute. Im Kulturgefäß sollten Blattstiele nicht festgebunden und die Spreiten nicht künstlich auf einer Wasseroberfläche fixiert werden; die natürliche Flexibilität ist Teil des Systems. Ein künstlicher Hochwasserreiz mit erhitztem Wasser wäre wegen fehlender kontrollierter Grenzwerte nicht gerechtfertigt. Tauverlust außerhalb der Monsunwachstumsphase muss im Zusammenhang mit Ruhe, Temperatur und Bodenfeuchte bewertet werden, nicht mit einem simplen Fütterungsdefizit.
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Reproduktion und Lebenszyklus
Der Blütenstand entwickelt sich im frühen Teil der Regenzeit; Lowrie dokumentiert eine Blüte von November bis Anfang Dezember. Damit öffnet sich die Pflanze noch vor der stärksten Überflutung des Airfield Swamp, die im Januar und Februar beobachtet wurde. Die lockere Traube kann zehn bis zwanzig Blüten tragen. Nach der Blüte entstehen Kapseln und Samen, während die grünen Rosettenblätter später mit Beginn der Trockenzeit einziehen. Die Erstbeschreibung liefert keine kontrollierten Daten zu Bestäubern, Selbstbestäubung oder Keimungsbedingungen.
Die Art wird aus Samen vermehrt, während die unterirdische Ansammlung persistierender Blattbasen den Wiederaustrieb der einzelnen Pflanze ermöglicht. Für die Praxis sollten Blüte, Fruchtansatz, Samenreife, Ende des Blattwachstums und Beginn der Trockenruhe getrennt datiert werden. Saatgut aus Kulturbeständen sollte mit Herkunft dokumentiert werden, besonders wenn es aus vermeintlichen Vorkommen außerhalb des Mitchell Plateau stammt. Eine Feldmeldung aus dem Northern Territory ist ohne unabhängige Belegbestätigung nicht ausreichend, um eine neue Vermehrungslinie als gesicherten Regionaltyp zu deklarieren.
culture
Kulturrelevante Schlussfolgerungen
Die Kultur muss einen tropischen Monsunrhythmus abbilden: warmes, aktives Wachstum in der feuchteren Jahreszeit, eine saisonale Überflutungstoleranz und eine deutliche Trockenruhe. Die Art sollte im Wachstum hell und warm stehen; im ruhenden Zustand wird die Wasserversorgung reduziert. Aus der Freilandbeobachtung folgt nicht, dass ein Topf monatelang tief überstaut oder mit sehr heißem Wasser bewässert werden sollte. Die natürlichen Pflanzen stehen in dünnem Boden über Laterit-Hartpan nahe einem Sumpfrand, und ihre Blattstiele halten die Spreiten über der Oberfläche.
Die Ruhephase wird am Einzug zu Beginn der Trockenzeit erkannt, nicht am europäischen Winterkalender. Während des Austriebs sollte die Feuchtigkeit allmählich steigen; mit dem Absterben der Blätter wird sie zurückgenommen, während das Speicherorgan ungestört bleibt. Exakte Temperatur-, Wasserstand- und Trockenheitswerte sind in der Erstbeschreibung nicht als Kulturversuch festgelegt. Kontrollen alle sieben Tage im aktiven Monsunwachstum, 21 Tage in der Ruhe und fünf Tage bei Sämlingen sind Beobachtungsabstände und keine Gießfrequenzen. Ein kontrollierter Wechsel ist sicherer als abrupte extreme Veränderungen.
substrate
Substrat-Ökologie
Das Typushabitat wird als feiner brauner Sand-Lehm beziehungsweise skelettreicher Boden über Laterit-Hartpan beschrieben. Die Sumpfrandposition führt saisonal zu oberflächlichem Wasser, während die Wurzeln in einer dünnen Bodenschicht über einer festen Unterlage liegen. Ein Kulturmedium sollte daher Feuchte während der warmen Wachstumsperiode verfügbar halten, zugleich aber eine luftführende Wurzelzone bewahren. Diese Struktur lässt sich nicht mit einem dauerhaft tiefen Wasserbecken gleichsetzen. Exakte Bodenanalysen oder pH- und EC-Werte sind in der Artbeschreibung nicht angegeben.
Das Speicherorgan sitzt knapp unter der Bodenoberfläche und wird während der Trockenzeit vom hart werdenden Boden geschützt. Häufiges Ausgraben zur Bestätigung der Ruhe würde die fleischigen Blattbasen verletzen. In Kultur sollte die Feuchtereduktion dem sichtbaren Einzug folgen; das Substrat muss nicht im Kalenderwechsel völlig staubtrocken werden. Mineralarmes Wasser ist bei Karnivoren eine sinnvolle Vorsicht gegen Salzaufbau, aber keine für D. kenneallyi gemessene Anforderung. pH, Leitfähigkeit und Mischungsverhältnisse bleiben mangels belastbarer Artmessungen offen.
practice
Praxisnotizen
Die Diagnose sollte eine bodennahe, flache Rosette mit quer elliptischen bis breiten Spreiten am längeren schmalen Stiel zeigen. Besonders wichtig sind der saisonale Wechsel aus aktiver Rosette, vor der Flut erscheinendem Blütenstand, schwimmenden Fangspreiten und Trockenruhe. Ein unterirdischer Speicher aus Blattbasen darf nicht als echte Knolle oder Wollknospe bezeichnet werden. Die Unterscheidung zu D. falconeri stützt sich auf Blattspreitengröße und Blütenstandslänge. Meldungen aus dem Northern Territory sind bis zu einer Belegprüfung nicht mit dem typisierten Kimberley-Areal gleichzusetzen.
Die Kulturkontrollen verfolgen Wasserstand, Blattstielbeweglichkeit, Spreitenkontakt mit der Luft, Blütenbeginn, Blattalter und Ruheentwicklung. Während einer künstlichen Überflutung ist ein freier Zugang zur Oberfläche entscheidend; für Zimmerkultur genügt es nicht, die Pflanze tief in stehendes Wasser zu stellen. Sichtprüfungen alle sieben Tage im Wachstum, 21 Tage in der Ruhe und fünf Tage bei Sämlingen sind redaktionelle Intervalle. Sie sagen nicht, wann gegossen oder überflutet werden soll. Bei unerwartetem Einzug werden auch Hitze, Austrocknung und Wurzelprobleme geprüft.
sources
Quellenangaben
- Lowrie, A. (1996): Drosera kenneallyi (Droseraceae), a new tropical species of carnivorous plant from the Kimberley, northern Western Australia. Nuytsia 10(3):419–423. Protolog, Diagnose, Typus, Habitat, Überflutung, Phänologie und Vergleich mit D. falconeri.
- Royal Botanic Gardens, Kew (2026): Plants of the World Online, Drosera kenneallyi Lowrie. Akzeptierter Name und Verbreitung; abgerufen 06.10.2026.
- Ng, B. (2021): Drosera kenneallyi Species Profile. Beobachtung eines Feldvorkommens nahe Darwin und saisonale Kulturbeobachtungen; sekundär, nicht als taxonomischer Nachweis für eine natürliche Arealerweiterung verwendet.
Zitieren
Zitierlink und Stand
Empfohlene Zitierweise: Black Trap Codex, Drosera kenneallyi, Stand 06.10.2026, https://blacktrap.de/codex-v2/drosera-kenneallyi/
