Drosera collina

© David Thompson · CC BY 4.0 · Quelle

Black Trap Codex

Drosera collina

Aktiv
Familie
Droseraceae
Gattung
Drosera
Herkunft
Südwestliches Western Australia; vor allem Darling Scarp und angrenzende Hügelländer östlich von Perth, mit weiteren Vorkommen in südwestlichen Floraregionen.
Autor
(N.G.Marchant & Lowrie) Lowrie

Kurzprofil

Kultur auf einen Blick

Schwierigkeit
3 / 5 · mittel1 = sehr leicht, 5 = Spezialkultur.
Licht
5 / 5 · volle Sonne1 = schattig, 5 = volle Sonne.
Wasser
feuchtBeschreibt die Feuchtefuehrung im Topf, nicht die Luftfeuchte.
Ruhephase
jaOb die Art eine saisonale Ruhephase braucht.
Fehlertoleranz
mittelWie stark Kulturfehler verziehen werden.

Kulturgruppe

Drosera – Knollendrosera

Kulturgruppe für knollenbildende australische Drosera mit winterlicher Wachstumsphase und ausgeprägter trockener Sommerruhe.

Habitat-Logik

Saisonal feuchte Standorte Australiens mit kühlen bis milden, feuchten Wintern und warmen bis heißen, trockenen Sommern.

Kultur-Logik

Während der winterlichen Wachstumsphase kühl bis mild, sehr hell und gleichmäßig feucht kultivieren; nach dem Einziehen die Wasserversorgung stark reduzieren.

Substrat-Logik

Tiefgründig, stark sandbetont, nährstoffarm, sehr gut durchströmt und langfristig strukturstabil.

Risiken der Kulturgruppe

Gattungsprofil

Drosera

Artenreiche Sonnentau-Gattung mit tropischen, temperierten und stark saisonalen Kulturtypen.

Habitat-Logik

Von tropischen Feuchtflächen und Regenwäldern über boreale Moore bis zu mediterranen Winterregen- und australischen Sandstandorten.

Kultur-Logik

Temperatur, Wasserführung und Ruhephase müssen konsequent an die jeweilige Kulturgruppe angepasst werden.

Substrat-Logik

Von dauerhaft nassen Torf- und Sphagnumsystemen bis zu sandreichen, stark durchströmten und saisonal trockeneren Medien.

Typische Fehler

Alle Drosera gleich kultivieren, Ruhephasen ignorieren, falsche Wasserführung und zu wenig Licht.

Risiken

Worauf diese Art empfindlich reagiert

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Botanische Beschreibung

Drosera collina ist eine ausdauernde, knollenbildende Rosettendrosera aus dem südwestlichen Western Australia. Ein unterirdischer Speicherknollen überdauert den trockenen, warmen Sommer; nach Beginn der kühleren Regenzeit erscheint eine auffällige, flache Rosette. Reife Rosetten besitzen viele längliche bis verkehrt eiförmige Blätter, häufig etwa acht bis zwölf, und können eine Breite von ungefähr acht Zentimetern erreichen. Die weißen Blüten stehen an einem kurzen, verzweigten Blütenstand. Der Artname collina bezieht sich auf das hügelige Gelände, in dem die Pflanzen vorkommen.

Die Art gehört zu einem engen Verwandtschaftskomplex um D. erythrorhiza, D. magna und D. squamosa. Für die Bestimmung ist die Kombination aus vielen relativ schmalen Blättern, flacher Rosette, Standort und Blütenform wichtiger als die jeweilige Blattfarbe. Pflanzen können grün, orange oder rötlich erscheinen, je nach Licht, Alter und Jahreszeit. Ein ruhender Topf ohne oberirdischen Spross ist im Sommer nicht notwendigerweise verloren: Die Knolle bleibt unter der Oberfläche und treibt mit der nächsten geeigneten Saison wieder aus.

taxonomy

Taxonomie

Die heute akzeptierte Kombination lautet Drosera collina (N.G.Marchant & Lowrie) Lowrie. Marchant und Lowrie beschrieben sie zunächst als Drosera erythrorhiza subsp. collina; Allen Lowrie erhob sie später zur Art. Florabase führt den aktuellen Namen als gültigen einheimischen Taxonstatus für Western Australia. Dieses nomenklatorische Update ist wichtig, weil ältere Herbar- und Gartenetiketten den früheren Unterartnamen verwenden können. Bei der Übernahme eines älteren Bestandsnamens sollten Originaletikett und Funddaten erhalten bleiben, während die Profilüberschrift den akzeptierten Namen trägt.

Die Abgrenzung ist innerhalb des D.-erythrorhiza-Komplexes nicht trivial. Zahlreiche Blätter pro Rosette und ihre längliche Form werden zur Unterscheidung von D. erythrorhiza und der besonders großen D. magna herangezogen; D. squamosa kann ähnliche Wuchsformen zeigen. Übergangsformen und variable Färbung machen Einzelbilder ohne Herkunft unsicher. Daher dokumentiert der Codex diagnostische Merkmalsbündel, statt jede rundliche oder orange Rosette schematisch D. collina zuzuordnen. Der taxonomische Status als akzeptierte Art wird separat von der praktischen Schwierigkeit der Feldbestimmung beschrieben.

ecology

Standort und Verbreitung

Drosera collina ist in Western Australia heimisch und besonders mit Hügellandschaften östlich von Perth verbunden. Florabase nennt Vorkommen über mehrere biogeographische Regionen, darunter Jarrah Forest, Swan Coastal Plain, Avon Wheatbelt und Esperance Plains. Die Art wurde auf den Darling-Hügeln und in den bewaldeten Hochlagen im Landesinneren beschrieben; vereinzelte Vorkommen reichen bis in südliche Gebiete. Eine pauschale Beschränkung auf einen einzelnen Garten- oder Sammlerort wäre deshalb zu eng.

Typische Fundstellen sind offene, gut drainierte Böden in hügeligem Gelände, häufig im lichten Jarrah-Wald mit Eucalyptus marginata. Lateritische und kiesige Anteile sowie zeitweise nasse Winterböden prägen den Wurzelraum, während die Sommermonate stark austrocknen. Die Rosetten stehen nicht zwingend in einer tiefen Sumpfzone; Hanglage und offene Bodenstellen lassen Wasser ablaufen. Diese Kombination aus feuchtem Winter, kräftiger Belichtung und trockener Sommerruhe ist die Grundlage des bestehenden Knollendrosera-Kulturprofils. Die Höhe eines Fundorts allein liefert keine Mindesttemperatur für die Topfkultur.

ecology

Ökologische Anpassungen

Der unterirdische Knollen ist die zentrale Anpassung an mediterrane Saisonalität: Er übersteht die Zeit, in der die oberen Bodenschichten trocken und heiß sind. Der sichtbare Blattaustrieb fällt in die kühleren und feuchteren Monate, in denen Wasser und Licht gemeinsam Wachstum ermöglichen. Nach der Blüte und Samenreife zieht die Rosette wieder ein. Das oberirdische Verschwinden ist Teil des Lebenszyklus und nicht mit einer plötzlich abgestorbenen Wurzel gleichzusetzen. Der Speicherknollen schützt dabei die Wachstumsbasis, nicht die gesamte Pflanze vor beliebigen Kulturfehlern.

Die größere Blattfläche der reifen Rosette liegt flach über dem offenen Untergrund und fängt kleine Gliederfüßer mit klebrigem Schleim. Das Habitat bietet dabei wechselnde Feuchte zwischen Hügelrücken und Senken; eine Population muss daher nicht an jedem Mikropunkt gleich lang Wasser führen. Im Topf lässt sich diese Variabilität nicht mit dauerhafter Nässe oder abruptem Austrocknen nachbilden. Das Profil setzt stattdessen auf feuchtes aktives Wachstum und eine allmählich trockene Ruhe, die erst beginnt, wenn Blätter sichtbar einziehen. Eine früher erzwungene Ruhe kann den Aufbau der Knolle unterbrechen.

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Wuchsform und Morphologie

Die ausgewachsene Pflanze bildet eine flache, große Rosette mit meist acht bis zwölf ovalen bis länglich obovaten Blättern. Blätter stehen annähernd strahlenförmig und können sich je nach Licht und Jahresphase grün, orange oder rötlich färben. Blüten erscheinen an einem kurzen, verzweigten Schaft; die Blüten sind weiß. Unter der Erde sitzt der Überdauerungsknollen. Die Vielzahl der Rosettenblätter ist besonders hilfreich, um D. collina von D. erythrorhiza mit in der Regel weniger, rundlicheren Blättern oder von sehr großblättrigen Nachbarn abzugrenzen.

Zur Dokumentation gehören deshalb mehrere Ebenen: Gesamtrosette mit Maßstab, einzelne Blattspreite, Seitenansicht des Schaftes, geöffnete Blüte und – nach der Ruhe – die Knollenlage nur dann, wenn sie ohne Verletzung sichtbar wird. Färbung ist kein stabiles Diagnosemerkmal, weil sie auf Belichtung und Jahreszeit reagiert. Ebenso kann eine junge Rosette noch nicht die typische Zahl voll entwickelter Blätter zeigen. Ein einzelnes Blatt oder ein Foto der trockenen Knolle reicht nicht für eine sichere Bestimmung im nahen D.-erythrorhiza-Komplex.

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Fangstrategie

Die flachen Fangblätter tragen zahlreiche klebrige Tentakel und fangen kleine Insekten, die über den offenen Boden oder benachbarte Vegetation laufen. Die Tentakel halten die Beute fest und leiten sie an drüsige Bereiche weiter, wo lösliche Nährstoffe aufgenommen werden. Die breite Rosettenfläche ermöglicht viele parallele Fangstellen, während die Pflanze während der trockenen Ruhe gar keine aktive Fangfläche zeigt. Ihr Karnivorieapparat ist damit an die winterliche Wachstumsphase gekoppelt und darf nicht anhand des sommerlich eingezogenen Knollenstadiums beurteilt werden.

In Kultur ist künstliches Füttern nicht nötig, wenn die Pflanze genügend Licht hat und gelegentlich Zugang zu kleinen Insekten erhält. Große Futterstücke können in der flachen Rosette schimmeln und sich negativ auf junge Blätter auswirken. Bei fehlendem Fangschleim sind zunächst Wasserqualität, Licht und Wachstumsphase zu prüfen. Eine ruhende Knolle produziert naturgemäß keine klebrigen Blätter; sie benötigt weder Futter noch zusätzliches Wasser, solange die Ruhe tatsächlich eingetreten ist. Sobald der Austrieb startet, wird Feuchte schrittweise bereitgestellt und der sichtbare Fangzustand wieder beobachtet.

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Reproduktion und Lebenszyklus

Die weißen Blüten erscheinen während der aktiven Saison auf kurzen, verzweigten Blütenständen. Nach erfolgreicher Bestäubung entwickeln sich Kapseln mit feinem Saatgut. Über die Selbstfertilität einzelner Klone lässt sich ohne dokumentierte Bestäubungsbeobachtung keine sichere Aussage treffen. Samen werden erst gewonnen, wenn die Kapseln reif sind; die Mutterpflanze, Saison und eventuelle Fremdbestäubung werden festgehalten. Bei der Knollendrosera-Kultur ist es wichtig, die Samen nicht mit dem natürlichen Einziehen der Mutterpflanze zu verwechseln.

Die vegetative Fortsetzung erfolgt über den unterirdischen Knollen, der im nächsten Wachstumszyklus erneut eine Rosette hervorbringt; das ist keine oberirdische Stecklingsvermehrung. Eine ruhende Knolle lässt sich nur mit Herkunftsetikett und guter Kennzeichnung sinnvoll lagern. Wird sie geteilt oder beim Umtopfen beschädigt, steigt das Risiko, dass sie austrocknet oder fault. Saatgutnachzucht erzeugt genetisch unterschiedliche Pflanzen und sollte von Klonen getrennt gehalten werden. Jungpflanzen wachsen zunächst kleiner und zeigen eventuell noch nicht die volle Zahl diagnostischer Rosettenblätter.

culture

Kulturrelevante Schlussfolgerungen

Das vorhandene Profil für tuberöse Drosera passt zu D. collina: Winterwachstum bei sehr hellem Licht und verfügbarer Feuchtigkeit, danach Einziehen und trockene Sommerruhe. Der Übergang wird durch den tatsächlichen Rückzug bestimmt, nicht durch ein fixes Kalenderdatum. Während der aktiven Phase kann der Topf zeitweise im flachen Untersetzer stehen; mit sinkendem Verbrauch wird die Wasserhöhe reduziert und nach vollständigem Einziehen abgesetzt. Die Knolle bleibt im Substrat und wird nicht routinemäßig ausgegraben.

Kontrollen erfolgen alle vierzehn Tage im Wachstum, alle drei Wochen in der Ruhe und wöchentlich bei Sämlingen; bei beginnendem Austrieb oder Fäulnisverdacht wird zusätzlich kontrolliert. Das sind Sicht- und Zustandskontrollen, keine starren Gießtermine. Der Topf soll im Sommer warm, trocken und gut belüftet stehen, ohne die Knolle durch extreme Überhitzung zu schädigen. Bei verspätetem Austrieb wird zunächst Herkunft, Ruheverlauf und Knollenfeuchte überprüft. Eine pauschale Düngung oder ein dauerhaft nasser Untersetzer widerspricht dem saisonalen Lebenszyklus.

substrate

Substrat-Ökologie

Der offene Jarrah-Hügelstandort weist auf gut drainierte, sandige bis kiesige und lokal lateritische Substrate. Ein Kulturmedium soll die Wurzeln während des Winterwachstums feucht halten, aber überschüssiges Wasser abgeben. Sand und andere mineralische Bestandteile sichern Struktur; ungedüngte organische Komponenten können die Feuchte puffern. Kompakte, nährstoffreiche Blumenerde wäre ungeeignet. Das Volumen muss ausreichen, die Knolle unter der Rosette zu schützen und saisonale Übergänge ohne häufiges Ausgraben zu ermöglichen.

Während der feuchten Saison wird der Topf von unten versorgt, jedoch nicht dauerhaft tief überstaut. Wenn die Blätter einziehen, wird die Substratfeuchte schrittweise abgesenkt, bis eine trockene Sommerphase erreicht ist. Drainagelöcher bleiben frei; stehendes Wasser im Ruhemedium begünstigt Knollenfäule. Der Topf muss zugleich genug Masse haben, damit die oberirdische Rosette nicht instabil wird. Exakte pH- und Leitfähigkeitswerte für die Art sind in den herangezogenen Quellen nicht angegeben; gemessenes Spezialwissen wird deshalb nicht vorgetäuscht.

practice

Praxisnotizen

Die Art wird am sichersten anhand der adulten Rosette und der Provenienz geführt. Notiere Rosettendurchmesser, Zahl und Umriss voll entwickelter Blätter, Blütenfarbe, Schaftverzweigung sowie das Datum des Einziehens. Eine ältere Beschriftung als D. erythrorhiza subsp. collina bleibt als Synonym- oder Herkunftsnotiz erhalten, wird aber nicht als zweiter akzeptierter Eintrag geführt. Knollen sollten beim Umtopfen nur freigelegt werden, wenn das für die Pflege nötig ist; Fotos der trockenen Ruhepflanze werden mit Datum beschriftet.

Wenn die Pflanze im Sommer oberirdisch nicht sichtbar ist, wird der Topf nicht entsorgt und nicht ständig bewässert. Markiere den Topf deutlich, halte ihn luftig und trocken und kontrolliere in angemessenen Abständen auf Schädlinge oder Fäulnis. Der erste Austrieb ist der Zeitpunkt für eine schrittweise Rückkehr zu Wasser. Für öffentliche Bilder werden externe Fotos mit kommerziell kompatibler Lizenz genutzt und Urheber sowie Lizenz direkt im vorgesehenen Bildnachweis geführt; es werden keine Bilder aus Lowries Buch oder Händlerangeboten kopiert.

sources

Quellenangaben

Zitieren

Zitierlink und Stand

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Aktueller Stand05.10.2026

Empfohlene Zitierweise: Black Trap Codex, Drosera collina, Stand 05.10.2026, https://blacktrap.de/codex-v2/drosera-collina/