Dionaea muscipula 'Werewolf'

© Manuel Velandia · CC BY-SA 4.0 · Quelle

Black Trap Codex

Dionaea muscipula 'Werewolf'

Venusfliegenfalle

Aktiv
Familie
Droseraceae
Gattung
Dionaea
Herkunft
2011 von Gert Hoogenstrijd (Araflora, Amsterdam) und Stefan Lenssen selektiert; als Dionaea ‘Werewolf’ 2013 registriert. Vegetative Vermehrung empfohlen. Herkunft der Ausgangspflanze und weiterführender Stammbaum nicht dokumentiert.
Autor
J.Ellis

Kurzprofil

Kultur auf einen Blick

Schwierigkeit
2 / 5 · leicht1 = sehr leicht, 5 = Spezialkultur.
Licht
5 / 5 · volle Sonne1 = schattig, 5 = volle Sonne.
Wasser
AnstauBeschreibt die Feuchtefuehrung im Topf, nicht die Luftfeuchte.
Ruhephase
optionalOb die Art eine saisonale Ruhephase braucht.
Fehlertoleranz
hochWie stark Kulturfehler verziehen werden.

Black-Trap-Systemprofil

Substrat- und Strukturbedarf

BT-Air
mittelLuftfuehrung und Offenheit im Wurzelraum.
BT-Water
hochWie stark das Substrat Wasser halten soll.
BT-Flow
mittelWie schnell Wasser durch die Struktur bewegt wird.
pH
3.9 - 4.5Zielbereich fuer die Substratreaktion.
BT-Density
niedrigVerdichtung, Gewicht und Strukturstabilitaet.
Kapillaritaet
hochWie gut Wasser im Substrat nach oben gezogen wird.
Strukturstabilitaet
mittelWie stabil das Substrat seine Struktur unter Kulturbedingungen behaelt.

Kulturgruppe

Dionaea – temperierte Standardkultur

Kulturgruppe für Dionaea muscipula und ihre Kultivare in saisonaler Außen- oder Gewächshauskultur. Benannte Auslesen teilen die grundlegenden Organe der Art, unterscheiden sich aber in Wuchs, Pigmentierung und Fallenform. Abweichende Kulturbeobachtungen werden klonbezogen dokumentiert.

Habitat-Logik

Offene, sonnige, saure und extrem nährstoffarme Feuchtstandorte der Küstenebene North und South Carolinas.

Kultur-Logik

Sehr hell bis vollsonnig kultivieren und nach dunkler Haltung schrittweise an direkte Sonne gewöhnen. Den Wurzelraum mit mineralarmem Wasser gleichmäßig feucht halten. In saisonaler Außenkultur kühle Überwinterung mit Schutz vor Austrocknung und starkem Durchfrieren des Topfes; bei ganzjähriger Innenkultur ausreichend Licht und Beuteversorgung sicherstellen.

Substrat-Logik

Sauer, nährstoffarm, mineralarm bewässert, feucht und zugleich strukturstabil und luftführend.

Risiken der Kulturgruppe

Gattungsprofil

Dionaea

Monotypische Gattung der Sonnentaugewächse (Droseraceae), endemisch in der Küstenebene von North und South Carolina, USA. Die einzige anerkannte Art ist Dionaea muscipula; die zahlreichen benannten Kultivare sind Selektionen dieser Art, keine eigenen Arten. Typische Standorte sind offene, saisonal feuchte, saure und extrem nährstoffarme Lebensräume mit hoher Lichtverfügbarkeit.

Habitat-Logik

Offene, sonnige, saure und nährstoffarme Feuchtstandorte in der Küstenebene North und South Carolinas. Saisonale Feuchte und natürliche Störungen erhalten offene Vegetation; dauerhafte Beschattung ist atypisch.

Kultur-Logik

Sehr hell bis vollsonnig kultivieren und nach dunkler Haltung schrittweise an direkte Sonne gewöhnen. Den Wurzelraum mit mineralarmem Wasser gleichmäßig feucht halten. In saisonaler Außenkultur kühle Überwinterung mit Schutz vor Austrocknung und starkem Durchfrieren des Topfes; bei ganzjähriger Innenkultur ausreichend Licht und Beuteversorgung sicherstellen.

Substrat-Logik

Sauer, mineralarm und nährstoffarm, feucht und zugleich locker genug für Sauerstoff im Wurzelraum. Keine gedüngte Blumenerde und keine kalkhaltigen Zusätze.

Typische Fehler

Zu wenig Licht, besonders am warmen Winterstandort
Abrupte Umstellung aus dunkler Haltung in volle Sonne
Mineralreiches Gießwasser
Düngung des Wurzelmediums
Austrocknender Wurzelballen
Verdichtetes, sauerstoffarmes Medium
Wiederholtes Auslösen der Fallen ohne Beute

Gattungsrisiken

Risiken

Worauf diese Art empfindlich reagiert

Verknuepfungen

Empfohlene Systemprofile

Core-Referenzprofil

Standard-Mix

Die Basislinie für Dionaea, Drosera und Sarracenia. Torfbasierte Mischung aus Weißtorf, Perlite und Quarzsand – entwickelt für konstante Feuchte ohne Staunässe.

BT-Air
8,6
BT-Water
7,6
BT-Flow
9,3
BT-Structure
9,4
BT-Capillary
2,5
BT-Density
5,1
BT-Compaction
3,0
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reference

Botanische Beschreibung

Dionaea muscipula ‘Werewolf’ ist ein registrierter Kultivar der Venusfliegenfalle. Die Pflanze wächst aus einem kurzen Rhizom und bildet eine bodennahe Rosette aus Blattstielen und zweilappigen Fangblättern. Ihr auffälligstes Merkmal ist die ungewöhnliche Fallenform: kräftige, breite Randfortsätze enden in unregelmäßigen, scharf wirkenden Spitzen, die in verschiedene Richtungen weisen. Anders als die typische Venusfliegenfalle trägt ‘Werewolf’ keine inneren Reizhaare. Die Fallen können deshalb nicht durch den gewohnten Schnappmechanismus ausgelöst werden und bleiben offen. Das ist eine festgehaltene Besonderheit des Kultivars, kein Zeichen dafür, dass die Pflanze beim Gießen oder Licht mangelhaft versorgt wird.

Die registrierte Beschreibung nennt aufrechte Blätter bis etwa sechs Zentimeter und Fallen bis etwa drei Zentimeter Länge. Sie weist zugleich darauf hin, dass viele Pflanzen schwer dauerhaft groß zu halten sind. Schmale, längliche Blattbasen und überwiegend gelblichgrünes Laub ergänzen die Diagnose; die Falleninnenseiten können rötlich überlaufen. Diese Merkmale beschreiben den veröffentlichten Klonstandard, garantieren aber nicht, dass jede im Umlauf befindliche Pflanze mit diesem Namen sortenecht ist. Eine deutsche Sammlerdiskussion dokumentiert sowohl Pflanzen mit der typischen offenen Krallenfalle als auch Bestände mit gewöhnlichen oder gemischten Fallenformen. Für die Einordnung müssen daher Morphologie, dokumentierte vegetative Herkunft und die Entwicklung über mehrere Wachstumsphasen zusammen betrachtet werden.

taxonomy

Taxonomie und Namensstatus

Der akzeptierte botanische Name der Elternart lautet Dionaea muscipula J.Ellis aus der Familie Droseraceae. ‘Werewolf’ ist keine eigene Art und keine botanische Varietät, sondern ein Kultivar innerhalb dieser Art. Das internationale Kultivarnamenregister führt den Namen als Dionaea ‘Werewolf’ G.Hoogenstrijd. Als Ursprungspersonen nennt es Gert Hoogenstrijd von Araflora in Amsterdam und Stefan Lenssen; die Selektion datiert auf 2011. Der registrierte Standard wurde 2013 veröffentlicht. J.Ellis bezeichnet ausschließlich die botanische Autorschaft der Art; Hoogenstrijd ist der im Kultivarnamen geführte Urheber.

Die Registrierung stützt sich auf eine Diagnose mit aufrechtem Wuchs, breiten, krallenartig zugespitzten Randfortsätzen, fehlenden Reizhaaren und dauerhaft offenen Fallen. Sie empfiehlt vegetative Vermehrung durch Tochtertriebe und Rhizomstecklinge. Im Codex existiert daneben ein eigener Eintrag ‘AR Werewolf’. Dieser abweichend benannte Bestand ist nicht mit dem registrierten Kultivar gleichzusetzen: ‘AR Werewolf’ wird als eigenständige, dunkel gefärbte Handelsauslese mit teils widersprüchlichen Angaben geführt und besitzt keinen belegten gemeinsamen Stammbaum mit Hoogenstrijds ‘Werewolf’. Auch ‘PFT Carcharoth’ ist kein Synonym, sondern eine später benannte, aus Samen hervorgegangene Nachkommenschaft. Gleiche Namensbestandteile oder ein ähnlicher Fangzahn-Eindruck beweisen weder Identität noch Abstammung.

habitat

Standort und Verbreitung

‘Werewolf’ hat kein natürliches Verbreitungsgebiet, denn es handelt sich um einen ausschließlich in Kultur erhaltenen Klon. Das natürliche Areal der Elternart Dionaea muscipula liegt in der Küstenebene des Südostens der Vereinigten Staaten und umfasst Teile von North Carolina sowie einen kleineren Bereich im Nordosten South Carolinas. Dort wächst die Art in offenen, nassen bis zeitweise überfluteten Lebensräumen mit sauren, nährstoffarmen Böden. Ein Verkaufsort, Sammlungsstandort oder die Ortsangabe zu einem Foto ist kein Beleg für die Herkunft des Kultivars. Für ‘Werewolf’ sind weder eine bestimmte Wildpopulation noch eine konkrete Fundstelle oder eine besondere natürliche Höhenstufe dokumentiert.

Typische Lebensräume der Wildart umfassen feuchte Kiefern-Savannen, sandige Niedermoore und weitere offene Feuchtflächen. Ausreichend Licht und ein hoher Wasserstand stehen dort neben sehr geringer Nährstoffverfügbarkeit; natürliche Feuer und andere Störungen begrenzen die Beschattung durch Gehölze. Diese Standortbedingungen erklären die allgemeinen Kulturansprüche von ‘Werewolf’, nicht aber die Entstehung seiner Fallenmutation. Die Krallenform ist ein gärtnerisches Merkmal und keine Anpassung an ein nachgewiesenes Sonderhabitat. Auch die fehlenden Triggerhaare erlauben keine Rückschlüsse auf einen besonderen Wildstandort. Die Herkunftsangabe bleibt deshalb bei der dokumentierten Selektion in Europa und erfindet weder eine wilde Abstammungslinie noch einen ökologischen Sonderraum.

ecology

Ökologische Einordnung

Die ungewöhnliche Falle von ‘Werewolf’ verändert die übliche Fangfunktion der Venusfliegenfalle deutlich. Die registrierte Diagnose hält fest, dass die Fallen keine Triggerhaare besitzen und daher nicht schließen können. Damit fehlt der normale Weg, Beute durch Reizaufnahme einzufangen und anschließend in einer geschlossenen Falle zu verdauen. Die Pflanze bleibt dennoch eine lebende, photosynthetisch aktive Dionaea: Blätter und Wurzeln übernehmen weiterhin grundlegende Energie- und Versorgungsfunktionen. Aus der offenen Falle folgt weder ein verringerter Lichtbedarf noch die Erlaubnis, das Rhizom zu düngen. Für ‘Werewolf’ gibt es keine artspezifischen Versuche zu alternativer Nährstoffaufnahme, Beutefang durch Verkleben oder einer Kompensation der fehlenden Fallenbewegung.

Facharbeiten zur normalen Venusfliegenfalle untersuchen elektrische Reizsignale, Calciumdynamik, Verdauungsenzyme und die Aufnahme von Nährstoffen über Fallen und Wurzeln. Diese Befunde beschreiben die Art, belegen aber nicht, dass ‘Werewolf’ den Schnapp- oder Verdauungsprozess unverändert ausführt. Ohne funktionsfähige Reizhaare darf das Profil keine normale Fangrate oder Beutedigestion versprechen. Die auffälligen Randfortsätze bleiben zunächst ein Formmerkmal; ihre Wirkung auf unbeabsichtigt hängenbleibende Kleintiere ist nicht systematisch erfasst. Ebenso wenig ist bewiesen, dass der Kultivar überhaupt keine Nährstoffe über zufällig an der offenen Falle haftende Partikel aufnehmen kann. Solche Möglichkeiten werden nicht als gesicherte Kulturfunktion dargestellt.

morphology

Wuchsform und Morphologie

Der veröffentlichte Klonstandard beschreibt aufrechte Blätter bis etwa sechs Zentimeter Länge mit Fallen bis etwa drei Zentimeter. Die Blattbasen sind schmal und gestreckt. Besonders prägnant sind robuste, breite Randfortsätze, deren Spitzen unregelmäßig ausgefranst und scharf erscheinen; sie weisen in unterschiedliche Richtungen und erinnern an Krallen. Triggerhaare auf den Falleninnenseiten fehlen. Das gesamte Laub ist laut Diagnose gelblichgrün, während die inneren Fallenteile rötlich überlaufen können. Ein Anbieter gibt für Fallen etwa drei Zentimeter Breite an; da Register und Monografie die Maße als Länge führen, wird hier keine Breite daraus gemacht. Der Eintrag behauptet auch keine feste Rosettenbreite.

Die Registrierung vermerkt, dass sich viele Exemplare nur schwer dauerhaft groß kultivieren lassen, ohne einen quantifizierten Enddurchmesser oder eine bestimmte Ursache anzugeben. Händlerangaben zu Wuchskraft ersetzen diese Einschränkung nicht. Zusätzlich gibt es Berichte von Sammlern über Pflanzen, die zeitweise normale, reizhaartragende oder gemischte Fallen bilden, einschließlich einer Diskussion zu vegetativ weitergegebenen Beständen, die nach Darstellung des ursprünglichen Besitzers aus derselben Linie stammten. Die Ursache ist ungeklärt; Alter, Umwelt, Chimärenbildung, Verwechslung und Etikettierung dürfen nicht ohne Beleg als Erklärung festgelegt werden. Abweichende Formen sind deshalb fotografisch zu dokumentieren, statt sie als typische stabile Morphologie des registrierten Standards auszugeben.

reference

Kultivar im Vergleich zur Art

Gegenüber der gewöhnlichen Venusfliegenfalle ist ‘Werewolf’ durch drei miteinander verknüpfte Merkmale charakterisiert: aufrechte Blätter mit schmalen länglichen Basen, kräftige unregelmäßig gerichtete Krallenfortsätze und das Fehlen der inneren Triggerhaare. Weil der Reizapparat ausfällt, schließen die Fallen nicht wie die typischen Schnappfallen. Gelblichgrünes Laub mit möglicher rötlicher Färbung an der Falleninnenseite ergänzt die Beschreibung, ist für sich genommen aber kein sicherer Identifikator. Die publizierten Maße sind Höchstwerte der Diagnose, kein Versprechen, dass jede ausgewachsene Pflanze diese Größe erreicht. Die Registerquelle warnt ausdrücklich, dass viele Exemplare nur schwer groß zu halten sind.

Bei ‘PFT Carcharoth’ handelt es sich um eine separat benannte F1-Selbstaussaat von ‘Werewolf’, die 2020 ausgewählt wurde. Ihre kräftigeren Pflanzen tragen laut veröffentlichter Beschreibung gleichmäßiger gerichtete, aufwärts oder nach außen weisende Randfortsätze; bei ‘Werewolf’ zeigen sie stärker in verschiedene Richtungen und können leicht nach innen gebogen sein. Auch ‘PFT Carcharoth’ fehlen Triggerhaare, doch die beiden Namen bezeichnen unterschiedliche Pflanzen. ‘AR Werewolf’ ist wiederum ein eigener Codexeintrag; die Abkürzung macht ihn nicht zur registrierten ‘Werewolf’. Bei der Identitätsprüfung ist außerdem eine wichtige Unsicherheit offenzulegen: Sammlerberichte widersprechen sich darin, ob abweichende Fallen innerhalb einer vermeintlich originalen Linie auftreten. Herkunftsetikett und wiederholte Fotos bleiben deshalb unerlässlich.

ecology

Fangstrategie und Fallenfunktion

Die normale Venusfliegenfalle fängt Beute mit einem aktiven Schnappmechanismus: Reizhaare werden wiederholt berührt, elektrische Signale lösen den schnellen Lappenschluss aus, und weitere Bewegung in der Falle führt zur engeren Versiegelung und Verdauung. Für ‘Werewolf’ nennt die veröffentlichte Diagnose ausdrücklich keine Triggerhaare; die Fallen können folglich nicht durch diesen normalen Reizweg schließen. Ihre Randfortsätze sehen wie Fangzähne aus, stellen aber keinen Ersatz für den fehlenden Auslösemechanismus dar. Das Profil schreibt dem Kultivar daher keine Beutefangrate, Fanggeschwindigkeit oder besondere Verdauungsleistung zu. Ein zufällig in den Spitzen hängenbleibendes Insekt wäre kein Beweis für dieselbe Funktion wie bei einer geschlossenen Venusfliegenfalle.

Bei einer Pflanze mit scheinbar normalen oder gemischten Fallen sollte zunächst geprüft werden, ob an diesen tatsächlich innere Reizhaare vorhanden sind und ob sie sich schließen; die Beobachtung ist über mehrere neue Blätter und nicht durch wiederholtes Drücken zu dokumentieren. Sammlerberichte belegen widersprüchliche Erscheinungsbilder, erklären aber nicht deren Mechanismus. Unnötiges Auslösen ist bei den typischen offenen Fallen ohnehin wirkungslos und kann bei einem abweichenden Blatt die Funktion belasten. ‘Werewolf’ kann wegen der fehlenden Fangbewegung nicht einfach mit lebenden Insekten gefüttert werden wie ein normal schließender Klon. Seine Kultur bleibt auf ausreichend Licht, mineralarmes Wasser und geeigneten Wurzelraum angewiesen; der Codex behauptet weder eine besondere alternative Fütterungsmethode noch eine nachgewiesene vollständige Ernährung über die Wurzeln.

reproduction

Fortpflanzung und Erhaltung des Kultivars

Zur Erhaltung der registrierten ‘Werewolf’ empfiehlt die Kultivarbeschreibung vegetative Vermehrung durch Tochtertriebe und Rhizomstecklinge. Diese Verfahren übertragen den benannten Bestand, sofern das Ausgangsmaterial korrekt identifiziert und lückenlos etikettiert ist. Bei Teilungen sollten Mutterpflanze, Datum, Herkunft und jede Weitergabestufe mitgeführt werden. Die eigentümlichen Fallenmerkmale lassen sich an neu austreibenden Ablegern über mehrere Entwicklungsphasen fotografisch prüfen. Weil das Register auf die Schwierigkeit hinweist, viele Exemplare groß zu erhalten, sollte eine Vermehrungslinie auch Vitalität und Überlebensrate protokollieren. Ein erfolgreicher Ableger allein belegt noch nicht, dass alle morphologischen Merkmale über Jahre unverändert bleiben.

Aussaat erzeugt genetisch neue Sämlinge und erhält den bestehenden Kultivar deshalb nicht automatisch. ‘PFT Carcharoth’ ist ein dokumentiertes Beispiel einer F1-Selbstaussaat aus ‘Werewolf’, die wegen eigener Merkmale als separater Name geführt wird. Auch wenn ein Sämling ähnlich zugespitzte Randfortsätze entwickelt, wird er dadurch nicht zum registrierten Elternklon. Umgekehrt zeigen Sammlerberichte, dass unter dem Namen ‘Werewolf’ unterschiedliche Fallenformen beobachtet wurden, sogar in einer als vegetativ weitergegeben beschriebenen Linie. Das Register gibt die empfohlene vegetative Vermehrung an, beweist aber nicht, dass jede im Handel angebotene Pflanze unverändert oder sortenecht ist. Herkunftsnachweis, konsequente Selektion und Fotodokumentation gehören daher zur Erhaltung.

culture

Kulturfazit

Für ‘Werewolf’ sind keine besonderen Temperatur- oder Substratansprüche gegenüber der temperierten Venusfliegenfalle belegt. Geeignet sind sehr helles bis sonniges Licht, sauberes mineralarmes Wasser und ein saures, nährstoffarmes, gleichmäßig feuchtes Kulturmedium. Pflanzen im Freien folgen dem saisonalen Jahresgang der Art und werden im Winter kühl, vor starker Austrocknung und langem Durchfrieren des Topfes geschützt. Eine ganzjährige Innenkultur ist nur bei hoher Zusatzbeleuchtung und stabiler Pflege sinnvoll; ein dunkler warmer Winterplatz ist keine geeignete Abkürzung. Die ungewöhnlich offene Falle begründet keine tropische Kulturklasse und keinen abweichenden Wasserbedarf.

Die schwer zu erreichende Großform sollte nicht durch Düngung, mineralreiches Wasser oder ein dauerhaft nasses, sauerstoffarmes Medium erzwungen werden. Die Registrierung nennt die geringe Größenstabilität als Beobachtung, erklärt sie aber nicht. Für faire Vergleiche sind Licht, Saison, Topf und Wasserqualität über längere Zeit möglichst konstant zu halten. Neuaustriebe werden schrittweise an volle Sonne gewöhnt, wenn die Pflanze zuvor geschützt stand. Bei zurückgehendem Wachstum sind zuerst die üblichen Kulturfaktoren und die jahreszeitliche Ruhe zu prüfen; die offene Falle ist bei diesem Klon normal. Es gibt keinen belastbaren Beleg dafür, dass ‘Werewolf’ mehr Futter, eine wärmere Überwinterung oder eine eigene Spezialmischung benötigt.

substrate

Substrat und Wurzelraum

Das Rhizom von ‘Werewolf’ braucht denselben sauren und nährstoffarmen Wurzelraum wie andere Venusfliegenfallen. Ungedüngter Weißtorf mit sauberem Quarzsand, geeignetes langfaseriges Sphagnum oder eine andere erprobte Karnivorenmischung kommen infrage, sofern der Topf gleichmäßig feucht bleibt und genügend Luft an den Wurzelbereich gelangt. Normale Blumenerde, Kompost, Dünger und kalkhaltige Zuschläge sind ungeeignet. Die besondere Krallenform betrifft die oberirdischen Fallen; sie weist nicht auf eine andere Wurzelphysiologie hin. Es gibt keine Messdaten, nach denen dieser Kultivar höhere Salzkonzentrationen oder einen besonderen pH-Wert toleriert.

Regenwasser geeigneter Qualität, Umkehrosmosewasser oder destilliertes Wasser vermeiden unnötige Mineralanreicherung. Ein flacher Anstau unterstützt aktives Wachstum, während in kühlen Ruhebedingungen weniger Wasser verdunstet und die Bewässerung entsprechend angepasst wird. Dabei darf das Rhizom nicht austrocknen; zugleich sollte es in kalter Jahreszeit nicht dauerhaft in einem tiefen Wasserstand stehen. Ein ausreichend tiefer, stabiler Topf puffert Feuchte und Temperatur. Zersetztes oder versalzenes Medium kann den Wurzeln schaden und die ohnehin als schwierig beschriebene Erhaltung großer Pflanzen erschweren. Mehr Dünger oder ein stärkerer Anstau gleicht die fehlenden Triggerhaare nicht aus und verbessert keine belegte Kultivareigenschaft.

practice

Praxisnotizen und Kontrollrhythmus

Eine etablierte Pflanze wird während des aktiven Wachstums ungefähr alle vierzehn Tage kontrolliert. Dabei sind Wasserstand, Substratoberfläche, Neuaustrieb, Zustand der Blattbasen, Blattläuse, Spinnmilben und mögliche Rhizomfäule zu beachten. Während kühler Winterruhe genügt meist ein Abstand von etwa dreißig Tagen; Sämlinge und frisch bewurzelte Teilstücke werden wöchentlich angesehen. Diese Angaben sind Kontrollrhythmen, keine starren Gießtermine. Die tatsächliche Wasserzufuhr richtet sich nach Wetter, Topf, Standort und Verdunstung. Bei diesem Klon sind offene Fallen ohne Triggerhaare erwartbar; ein vermeintlicher Wachstumsfehler sollte daher nicht allein aus fehlender Fallenbewegung abgeleitet werden.

Für die Sortenprüfung fotografiert man mehrere neu gebildete Fallen aus gleicher Perspektive mit Maßstab, Datum und gut lesbarem Etikett. Festgehalten werden Stellung und Länge der Blätter, Form und Ausrichtung der Randfortsätze, das Vorhandensein innerer Triggerhaare, Fallenbewegung, Farbe sowie Zeitpunkt des Wachstums. Auch gewöhnliche und gemischte Blätter gehören in die Dokumentation, weil Sammlerberichte von abweichenden Erscheinungsbildern handeln und die Ursache offenlassen. Sämlinge, ‘PFT Carcharoth’ und der separat geführte Eintrag ‘AR Werewolf’ dürfen nicht unter dem Namen der registrierten Mutterpflanze zusammengezogen werden. Das eingebundene Foto ist unter CC BY-SA 4.0 freigegeben und zeigt eine als ‘Werewolf’ bezeichnete Kulturpflanze; es ist kein Beleg für jede Ausprägung des Kultivars.

sources

Quellenangaben

Kultivarstandard und Namensabgrenzung

  • International Carnivorous Plant Society, Carnivorous Plant Names Resource: Dionaea cultivars; Datensatz ‘Werewolf’ G.Hoogenstrijd. Quelle
    Primärnachweis für Herkunft, Selektion 2011, Registrierung 2013, Morphologie, fehlende Triggerhaare, offene Fallen und vegetative Vermehrung; Standard nach Bailey & McPherson (2013), Dionaea:330.
  • International Carnivorous Plant Society, Cultivars registered in 2013, Carnivorous Plant Newsletter 43(1):31–32. Quelle
    Zeitgenössischer Registrierungsnachweis; ergänzend zum ausführlicheren aktuellen Online-Register.
  • Kulig, T. et al. (2022), ‘Werewolf nicht stabil!?’, Gesellschaft für Fleischfressende Pflanzen e.V. Quelle
    Sammlerdiskussion mit gegensätzlichen Beobachtungen zu typischen, normalen und gemischten Fallen, auch in als vegetativ vermehrt beschriebenen Beständen; Ursache bleibt offen.
  • Howlett, M. (2022), Dionaea ‘PFT Carcharoth’, Carnivorous Plant Newsletter 51(3):154–161. Quelle
    Primärbeschreibung einer separaten F1-Selbstaussaat aus ‘Werewolf’; grenzt Wuchs und Richtung der Randfortsätze gegenüber dem Elternkultivar ab.
  • Sarracenia House, Dionaea muscipula ‘Werewolf’. Quelle
    Sekundäre Kultur- und Handelsbeschreibung; Herkunft und Merkmale werden nur als ergänzender Abgleich, nicht als Registerstandard genutzt.
  • Manuel Velandia, Dionaea muscipula ´Werewolf´.jpg, Wikimedia Commons. Quelle
    Eigene Aufnahme des Urhebers vom 13.06.2023; als Werk aus seiner Sammlung beschrieben und unter Creative Commons Namensnennung–Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) freigegeben. Die sichtbare Fallenform ist auf diesem Sammlungsfoto nicht hinreichend diagnostisch; es wird deshalb nur als gekennzeichnete Kulturaufnahme und nicht als morphologischer Standard verwendet.
  • Wikimedia Commons, Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International. Quelle
    Lizenzbedingungen des verwendeten Fotos: Urheber nennen, Lizenz verlinken und Änderungen kennzeichnen; Weitergabe bearbeiteter Fassungen unter kompatibler Lizenz.
  • Gesellschaft für Fleischfressende Pflanzen e.V., Sammlerbeiträge zu Dionaea-Klonnamen und vegetativer Vermehrung. Quelle
    Ergänzender Sammlerkontext zur Trennung benannter vegetativer Klone von sämlingsbasierten Nachkommen; nicht als direkter Werewolf-Standard verwendet.

Art, Lebensraum und Kultur

  • Royal Botanic Gardens, Kew, Plants of the World Online: Dionaea muscipula J.Ellis. Quelle
    Akzeptierter botanischer Name, Autorschaft, Familienzuordnung und natürliches Areal.
  • International Plant Names Index: Dionaea muscipula. Quelle
    Bibliografischer Nachweis für wissenschaftlichen Namen und botanische Autorschaft.
  • Flora of North America Editorial Committee, Flora of North America North of Mexico, Vol. 6: Dionaea muscipula. Quelle
    Floristische Referenz zu Taxonomie, Verbreitung, Morphologie und Lebensraum der Elternart.
  • U.S. Fish and Wildlife Service (2023), Species Status Assessment for Venus Flytrap, Version 1.1. Quelle
    Behördliche Synthese zu Areal, Habitat, Hydrologie, Feuerökologie und Bestandsgefährdung.
  • Roberts, P. R. & Oosting, H. J. (1958), Responses of Venus Fly Trap to Factors Involved in Its Endemism, Ecological Monographs 28(2):193–218. Quelle
    Klassische Felduntersuchung zu Standortbedingungen und ökologischen Grenzen der natürlichen Populationen.
  • North Carolina State University Extension, Dionaea muscipula Plant Toolbox. Quelle
    Botanische Übersicht zu Artmerkmalen, Verbreitung, Wasser- und Lichtbedarf; allgemeine Artinformation.
  • International Carnivorous Plant Society, Growing Dionaea muscipula. Quelle
    Fachhinweise zu Licht, Wasserqualität, Substrat, saisonaler Außenkultur und möglicher ganzjähriger Innenkultur unter starker Beleuchtung.
  • Brittnacher, J., International Carnivorous Plant Society, Dionaea Leaf Pullings Step-by-Step. Quelle
    Praxisanleitung zu Rhizomteilung, Blattstecklingen, Etikettierung und vegetativer Klonerhaltung.
  • United States Botanic Garden, Cultivating Carnivorous Plants. Quelle
    Institutionelle Übersicht zu Licht, Wasserqualität, nährstoffarmem Medium und saisonaler Ruhe bei Karnivoren.
  • North Carolina Cooperative Extension, Venus Flytrap Dormancy (2026). Quelle
    Regionale Einordnung der temperierten Jahresrhythmik und der Ausnahmen bei ausreichender Innenbeleuchtung.

Fallenfunktion und physiologische Studien

  • Forterre, Y., Skotheim, J. M., Dumais, J. & Mahadevan, L. (2005), How the Venus flytrap snaps, Nature 433:421–425. Quelle
    Primärstudie zu Mechanik und schneller Bewegung normaler Schnappfallen.
  • Volkov, A. G. et al. (2008), Active movements in plants: Mechanism of trap closure by Dionaea muscipula. Quelle
    Untersuchung elektrischer Vorgänge und des normalen Verschlussmechanismus.
  • Böhm, J. et al. (2016), The Venus Flytrap Dionaea muscipula Counts Prey-Induced Action Potentials to Induce Sodium Uptake, Current Biology 26(3):286–295. Quelle
    Primärstudie zu Reizsignalen, Aktionspotentialen, Verdauungsreaktion und Nährstoffaufnahme.
  • Suda, H. et al. (2020), Calcium dynamics during trap closure visualized in transgenic Venus flytrap, Nature Plants 6:1219–1224. Quelle
    Bildgebender Nachweis von Calcium-Signalen während des normalen Fallenverschlusses.
  • Kreuzwieser, J. et al. (2014), The Venus flytrap attracts insects by the release of volatile organic compounds, Journal of Experimental Botany 65(2):755–766. Quelle
    Primärarbeit zu Duftstoffen und Insektenanlockung bei normal funktionierender Dionaea.
  • Schulze, W. X. et al. (2012), The Protein Composition of the Digestive Fluid from the Venus Flytrap, Molecular & Cellular Proteomics 11(11):1306–1319. Quelle
    Primäranalyse der Verdauungsflüssigkeit; liefert keinen Nachweis einer entsprechenden Funktion bei ‘Werewolf’.
  • Gao, P. et al. (2015), Integration of trap- and root-derived nitrogen nutrition of carnivorous Dionaea muscipula, New Phytologist 205(3):1320–1329. Quelle
    Primärstudie zur Verteilung von Stickstoff aus Fallen- und Wurzelaufnahme.
  • Youngsteadt, E. et al. (2018), Venus Flytrap Rarely Traps Its Pollinators, The American Naturalist 191(4):539–546. Quelle
    Feldstudie zu Bestäubern und Beute; Aussagen beziehen sich auf die Art, nicht auf den Kultivar.

Quellenbewertung und Bildrechte

Die registrierte Diagnose des ICPS-Namensregisters ist maßgeblich für Identität und Kultivarmerkmale. Ergänzende Händlerangaben werden nachrangig gewichtet. Abweichende Sammlerbeobachtungen werden als ungeklärte Unsicherheit kenntlich gemacht. Das verwendete Foto ist die eigene, als ‘Werewolf’ beschriftete Kulturaufnahme von Manuel Velandia auf Wikimedia Commons. Urheber und CC BY-SA 4.0 sind im Bildnachweis angegeben; das Foto wird weder als Registerstandard noch als Beleg für sämtliche Akzessionen ausgegeben.

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Aktueller Stand02.10.2026

Empfohlene Zitierweise: Black Trap Codex, Dionaea muscipula 'Werewolf', Stand 02.10.2026, https://blacktrap.de/codex-v2/dionaea-muscipula-werewolf/