Black Trap Codex
Dionaea muscipula 'Ruggine'
Venusfliegenfalle
Kurzprofil
Kultur auf einen Blick
- Schwierigkeit
- 2 / 5 · leicht1 = sehr leicht, 5 = Spezialkultur.
- Licht
- 5 / 5 · volle Sonne1 = schattig, 5 = volle Sonne.
- Wasser
- AnstauBeschreibt die Feuchtefuehrung im Topf, nicht die Luftfeuchte.
- Ruhephase
- optionalOb die Art eine saisonale Ruhephase braucht.
- Fehlertoleranz
- hochWie stark Kulturfehler verziehen werden.
Black-Trap-Systemprofil
Substrat- und Strukturbedarf
- BT-Air
- mittelLuftfuehrung und Offenheit im Wurzelraum.
- BT-Water
- hochWie stark das Substrat Wasser halten soll.
- BT-Flow
- mittelWie schnell Wasser durch die Struktur bewegt wird.
- pH
- 3.9 - 4.5Zielbereich fuer die Substratreaktion.
- BT-Density
- niedrigVerdichtung, Gewicht und Strukturstabilitaet.
- Kapillaritaet
- hochWie gut Wasser im Substrat nach oben gezogen wird.
- Strukturstabilitaet
- mittelWie stabil das Substrat seine Struktur unter Kulturbedingungen behaelt.
Kulturgruppe
Dionaea – temperierte Standardkultur
Kulturgruppe für Dionaea muscipula und ihre Kultivare in saisonaler Außen- oder Gewächshauskultur. Benannte Auslesen teilen die grundlegenden Organe der Art, unterscheiden sich aber in Wuchs, Pigmentierung und Fallenform. Abweichende Kulturbeobachtungen werden klonbezogen dokumentiert.
Habitat-Logik
Offene, sonnige, saure und extrem nährstoffarme Feuchtstandorte der Küstenebene North und South Carolinas.
Kultur-Logik
Sehr hell bis vollsonnig kultivieren und nach dunkler Haltung schrittweise an direkte Sonne gewöhnen. Den Wurzelraum mit mineralarmem Wasser gleichmäßig feucht halten. In saisonaler Außenkultur kühle Überwinterung mit Schutz vor Austrocknung und starkem Durchfrieren des Topfes; bei ganzjähriger Innenkultur ausreichend Licht und Beuteversorgung sicherstellen.
Substrat-Logik
Sauer, nährstoffarm, mineralarm bewässert, feucht und zugleich strukturstabil und luftführend.
Risiken der Kulturgruppe
Gattungsprofil
Dionaea
Monotypische Gattung der Sonnentaugewächse (Droseraceae), endemisch in der Küstenebene von North und South Carolina, USA. Die einzige anerkannte Art ist Dionaea muscipula; die zahlreichen benannten Kultivare sind Selektionen dieser Art, keine eigenen Arten. Typische Standorte sind offene, saisonal feuchte, saure und extrem nährstoffarme Lebensräume mit hoher Lichtverfügbarkeit.
Habitat-Logik
Offene, sonnige, saure und nährstoffarme Feuchtstandorte in der Küstenebene North und South Carolinas. Saisonale Feuchte und natürliche Störungen erhalten offene Vegetation; dauerhafte Beschattung ist atypisch.
Kultur-Logik
Sehr hell bis vollsonnig kultivieren und nach dunkler Haltung schrittweise an direkte Sonne gewöhnen. Den Wurzelraum mit mineralarmem Wasser gleichmäßig feucht halten. In saisonaler Außenkultur kühle Überwinterung mit Schutz vor Austrocknung und starkem Durchfrieren des Topfes; bei ganzjähriger Innenkultur ausreichend Licht und Beuteversorgung sicherstellen.
Substrat-Logik
Sauer, mineralarm und nährstoffarm, feucht und zugleich locker genug für Sauerstoff im Wurzelraum. Keine gedüngte Blumenerde und keine kalkhaltigen Zusätze.
Typische Fehler
Zu wenig Licht, besonders am warmen Winterstandort
Abrupte Umstellung aus dunkler Haltung in volle Sonne
Mineralreiches Gießwasser
Düngung des Wurzelmediums
Austrocknender Wurzelballen
Verdichtetes, sauerstoffarmes Medium
Wiederholtes Auslösen der Fallen ohne Beute
Gattungsrisiken
Risiken
Worauf diese Art empfindlich reagiert
Verknuepfungen
Empfohlene Systemprofile
Standard-Mix
Die Basislinie für Dionaea, Drosera und Sarracenia. Torfbasierte Mischung aus Weißtorf, Perlite und Quarzsand – entwickelt für konstante Feuchte ohne Staunässe.
- BT-Air
- 8,6
- BT-Water
- 7,6
- BT-Flow
- 9,3
- BT-Structure
- 9,4
- BT-Capillary
- 2,5
- BT-Density
- 5,1
- BT-Compaction
- 3,0
reference
Botanische Beschreibung
Dionaea muscipula ‘Ruggine’ ist ein gärtnerischer Kultivar der Venusfliegenfalle, also eine benannte Auslese innerhalb derselben Art. Die Pflanze bildet wie andere Dionaea eine bodennahe Rosette aus Laubblättern, deren Spreite aus Blattstiel und endständiger Fanglamina besteht. Jede Fanglamina ist längs in zwei bewegliche Lappen geteilt. An deren Rändern stehen die beweglichen Zilien; auf der Innenseite sitzen die Sinneshaare und Drüsen. Diese gemeinsame Artgestalt bleibt bei ‘Ruggine’ erhalten. Der Name bezeichnet weder eine eigene Art noch eine abweichende Gattung und sagt für sich genommen nichts über eine besondere Fangreaktion aus.
Der Kultivar fällt durch ein rot gezeichnetes Muster unterschiedlicher Intensität auf, das die Fallen rostfarben erscheinen lässt. Die Randzähne ähneln grundsätzlich denen des Ausgangsmaterials, fallen aber etwas länger aus; gegenüber der ähnlichen ‘Scarlatine’ wird eine abweichende Zeichnung hervorgehoben. Diese qualitativen Merkmale sind die derzeit konkretesten Unterschiede. Es liegen keine standardisierten Fallenmaße, Bildreihen über mehrere Jahreszeiten oder Versuche zur Farbentwicklung vor. Die Rotzeichnung ist daher ein sichtbares Kultivarcharakteristikum, nicht ein Beleg für besondere Ernährung, einen eigenständigen Fangmechanismus oder eine botanisch getrennte Form.
taxonomy
Taxonomie
Der akzeptierte wissenschaftliche Name der Art lautet Dionaea muscipula J.Ellis. Sie gehört zu den Droseraceae innerhalb der Ordnung Caryophyllales; die Gattung Dionaea umfasst nur diese eine anerkannte Art. ‘Ruggine’ steht als Kultivarepitheton hinter dem Artnamen und bildet keinen zusätzlichen botanischen Rang. Die Aufnahme in eine veröffentlichte Kultivarbeschreibung ordnet den Namen einem gärtnerisch ausgewählten Pflanzenklon zu. Die Autorenangabe J.Ellis gehört ausschließlich zum wissenschaftlichen Artnamen; sie bezeichnet weder die Auslese noch die Person, die den Kultivar beschrieben hat.
‘Ruggine’ ist eine gärtnerische Auslese aus einer Mutation der Art. ‘Scarlatine’ ist ein eigenständiger, ähnlich gezähnter Kultivar, aber weder Elternteil noch Synonym von ‘Ruggine’. Die beiden Namen bezeichnen getrennte Klone mit jeweils eigener Merkmalskombination. Kultivar- und Artzugehörigkeit sind verschiedene Ebenen: Die rote Zeichnung verändert weder Gattungs- noch Artzugehörigkeit. Eine Kultivarbenennung erhält die Identität nur bei nachvollziehbarer vegetativer Weitergabe. Sämlinge aus Bestäubung sind keine gesicherten Kopien von ‘Ruggine’, auch wenn sie ähnliche Farben oder Zähne zeigen. Deshalb müssen Teilpflanzen und Nachkommen getrennt etikettiert werden.
ecology
Standort und Verbreitung
Die Wildart Dionaea muscipula ist auf ein kleines Gebiet der Atlantikküstenebene im Südosten der Vereinigten Staaten begrenzt. Natürliche Populationen liegen in North Carolina und im angrenzenden South Carolina. Typische Standorte sind offene, saisonal feuchte und saure Lebensräume mit sehr geringer Nährstoffverfügbarkeit, darunter feuchte Sandflächen, Savannen und lichte Moorbereiche. Der Wasserstand kann sich über das Jahr und selbst innerhalb eines Standorts deutlich verändern. Feuer und andere natürliche Störungen tragen in geeigneten Lebensräumen dazu bei, die offene Vegetation zu erhalten. Die Wildverbreitung beschreibt die Art und darf nicht als Herkunftsort eines kultivierten Klons gelesen werden.
‘Ruggine’ ist eine gärtnerische Auslese; ein natürlicher Fundort, eine Wildpopulation oder ein geografischer Selektionsort dieses Kultivars ist nicht dokumentiert. Die Auslese wird auf eine Mutation innerhalb der Art zurückgeführt, doch eine vollständige und unabhängig nachvollziehbare Abstammungslinie liegt nicht vor. Eine konkrete Elternzuordnung ist daher nicht als gesicherter Stammbaum eingetragen. Für die Standortkunde bleibt ausschließlich das natürliche Areal der Wildart relevant; der Ort der gärtnerischen Auswahl ist kein Naturstandort und begründet keine abweichenden Kulturansprüche.
ecology
Ökologische Anpassungen
Die ökologische Strategie der Venusfliegenfalle verbindet Photosynthese mit dem zusätzlichen Erwerb mineralischer Nährstoffe durch Beutefang. Ihre grünen Blattbereiche bilden energiereiche Verbindungen, während die Drüsen der Fallen nach erfolgreichem Fang unter anderem Stickstoff und Phosphor aus tierischem Material verfügbar machen. Das unterstützt die Pflanze auf sauren, ausgesprochen nährstoffarmen Böden. Hohes Lichtangebot, anhaltende Bodenfeuchte und geringe Konkurrenz durch höhere Vegetation prägen viele natürliche Lebensräume. Wiederkehrende natürliche Störungen können Gehölzaufwuchs begrenzen. Diese Anpassungen gehören zur Wildart und erklären, warum gewöhnliche, gedüngte Gartenerde und schattige Standorte ungeeignet sind.
Für ‘Ruggine’ sind keine ökologischen Versuche bekannt, die eine andere Toleranz gegenüber Licht, Trockenheit, Nährstoffangebot oder Wasserstand zeigen. Die rote Fallenzeichnung ist eine Pigment- und Musterbeschreibung; sie belegt weder eine höhere Anlockung noch eine effizientere Verdauung oder einen veränderten Beutebedarf. Der Begriff ‘Variegation’ in der Kultivarbeschreibung meint hier die sichtbare rote Zeichnung und reicht nicht aus, um chlorophyllfreie Gewebesektoren oder eine genetisch instabile Blattpanaschierung zu behaupten. Auch ein stärker gefärbtes Exemplar ist deshalb nicht automatisch gesünder oder authentischer. Die gärtnerische Pflege orientiert sich an den Ansprüchen der Art; Sonderdüngung oder gezielte Mangelsituationen würden die beschriebenen Eigenschaften nicht sachgerecht fördern.
reference
Wuchsform und Morphologie
Die Pflanze wächst als mehrjährige Rosette aus einem kurzen unterirdischen Rhizom. Die Fangblätter tragen am Ende je eine zweilappige Falle mit Randzilien und inneren Sinneshaaren. Bei ‘Ruggine’ sind vor allem die rot gefärbten, in ihrer Intensität variierenden Bereiche der Fallen und die etwas längeren sägezahnartigen Randfortsätze charakteristisch. Gegenüber ‘Scarlatine’ werden eine abweichende Rotzeichnung und größere Randzähne genannt. Ein teilweise aufrechter Wuchs wird ebenfalls berichtet, ist aber nicht als obligatorischer Kloncharakter abgesichert. Die Rosettenform und das Schnappfallenprinzip entsprechen weiterhin der Art.
Für die relative Länge der Randzähne sind keine Messwerte und keine festgelegte Vergleichsmethode veröffentlicht. Auch die rote Zeichnung wird nicht als gleichförmige Fläche beschrieben, sondern kann eine unterschiedliche Intensität zeigen. Das spricht gegen eine starre Farbvorgabe für jede Falle. Blattalter, Entwicklungsphase, Saison und Kulturbedingungen können die Erscheinung einer Venusfliegenfalle beeinflussen; für ‘Ruggine’ selbst ist jedoch keine kontrollierte Studie zu diesen Einflüssen bekannt. Eine belastbare Sammlungskontrolle sollte mehrere vollständig entwickelte Fallen nebeneinander dokumentieren und einen Maßstab einschließen. Bis solche Vergleichsdaten vorliegen, sind die rote Zeichnung und die etwas längeren Zähne ein nachvollziehbar publizierter Klonhinweis, aber keine Grundlage für ungenannte Mindestgrößen oder Rekordmaße.
reference
Kultivar im Vergleich zur Art
Der Name ‘Ruggine’ bedeutet auf Italienisch Rost und bezieht sich auf die variable rote Zeichnung der Fangfallen. Die veröffentlichte Kultivarbeschreibung nennt unterschiedlich intensive rote Bereiche, die der Falle ihre besondere rostrote Wirkung geben. Gegenüber ‘Scarlatine’ werden eine abweichende Zeichnung und größere beziehungsweise etwas längere Randzähne hervorgehoben. ‘Scarlatine’ ist selbst ein klar unterscheidbarer registrierter Kultivar mit kurzen, unregelmäßigen Zähnen und roten Sprenkeln auf gelbgrünem Grund; die Namen dürfen daher nicht gleichgesetzt werden. Die Beschreibung von ‘Ruggine’ betont außerdem, dass die Zähne weiterhin dem Ausgangsmaterial ähneln, obwohl sie etwas länger ausfallen.
‘Ruggine’ wird auf eine Mutation innerhalb der Art zurückgeführt, doch ein vollständiger Stammbaum ist nicht belegt. Die konkrete Elternzuordnung ist nicht durch eine lückenlose Herkunftskette abgesichert. Es liegen keine standardisierten Abbildungen mit Messskala, keine festen Fallenmaße und kein Nachweis vor, dass sich die Rotanteile an jeder Teilpflanze unter allen Kulturbedingungen gleich ausprägen. Die rote Musterung und die relativ längeren Zähne sind daher die konkretesten beschriebenen Merkmale. Genaue Größe, Farbverteilung und aufrechter Wuchs werden nicht als universelle Konstanten festgeschrieben.
reference
Fangstrategie
‘Ruggine’ nutzt die gleiche aktive Klappfallenstrategie wie andere Pflanzen von Dionaea muscipula. Ein Fangblatt besteht aus zwei Lappen, die entlang ihrer Mittelrippe beweglich verbunden sind. Berührt ein geeignetes Tier die inneren Sinneshaare wiederholt innerhalb kurzer Zeit, entstehen elektrische Signale und die Falle klappt zu. Weitere Bewegung im geschlossenen Fangraum begünstigt das feste Anliegen der Lappen und aktiviert Drüsen, die Verdauungssekrete abgeben. Gelöste Nährstoffe werden anschließend über die Fallenoberfläche aufgenommen. Die Falle öffnet sich nach der Verdauung wieder, solange sie funktionsfähig ist. Gleichzeitig bleibt sie ein grünes, photosynthetisch aktives Blatt; tierische Nahrung ergänzt die Ernährung, ersetzt aber weder Licht noch eine passende Kultur.
Es gibt keine Messung, die für ‘Ruggine’ eine andere Reizschwelle, schnellere Schließung, veränderte Verdauung oder abweichende Beuteauswahl belegt. Die rote Musterung und längeren Randzähne rechtfertigen keine Annahme, dass die Fallen mehr Nahrung benötigen oder größere Beute bewältigen. Wiederholtes Auslösen leerer Fallen verbraucht Ressourcen und ist kein sinnvoller Funktionstest. In normaler Kultur muss der Kultivar nicht routinemäßig von Hand gefüttert werden, wenn er hell steht und gelegentlich geeignete kleine Beute erreicht. Fleisch, Dünger oder nährstoffreiche Flüssigkeiten sind kein Ersatz für den Fangprozess und können die Falle oder das Substrat schädigen. Für die Funktion zählt ein gesunder, artgerecht kultivierter Neuaustrieb, nicht die Intensität seiner Rotzeichnung.
reference
Reproduktion und Lebenszyklus
Zur sortenechten Erhaltung von ‘Ruggine’ ist ausschließlich Teilung angegeben. Damit soll die ausgewählte Kombination aus roter Fallenzeichnung und längeren Randzähnen als derselbe Klon erhalten bleiben. Eine Teilung sollte aus einer sicher etikettierten Mutterpflanze erfolgen; Kennung, Herkunft und Datum gehören auf das Etikett und in die Bestandsaufzeichnung. Blattstecklinge, Aussaat und In-vitro-Vermehrung werden für diesen Kultivar nicht als alternative Erhaltungsmethoden geführt. Eine ähnlich gefärbte Pflanze unbekannter Abstammung lässt sich nicht allein anhand eines einzelnen Blattes als ‘Ruggine’ bestätigen.
Die Art kann blühen und Samen bilden, doch sexuelle Nachkommen sind genetisch neu kombinierte Individuen und keine verlässlichen Kopien des Kultivars. Selbstbestäubung garantiert nicht, dass eine charakteristische Fallenzeichnung erhalten bleibt. Bei einer gezielten Bestäubung können außerdem Bestäuber und Beutetiere verschiedene Rollen im Fortpflanzungserfolg übernehmen; dieser allgemeine Befund liefert aber keine Methode, ‘Ruggine’ sortenecht aus Samen zu vermehren. Samenpflanzen müssen als Nachkommen mit dokumentierter Elternschaft geführt werden und dürfen nicht mit dem Namen des vegetativ erhaltenen Klons etikettiert werden. Für diesen Kultivar ist die Teilung daher die einzige im Codex geführte Erhaltungsmethode; unsichere oder vermischte Ausgangsbestände lassen sich dadurch nicht nachträglich authentifizieren.
culture
Kulturrelevante Schlussfolgerungen
Für ‘Ruggine’ sind keine besonderen Kulturversuche oder abweichenden Temperatur- und Feuchteansprüche veröffentlicht. Maßgeblich ist deshalb das verknüpfte Standardprofil für Dionaea muscipula: sehr viel Licht, mineralarmes Wasser und ein gleichmäßig feuchter, nährstoffarmer Wurzelraum. Eine Pflanze aus dunkler Haltung sollte schrittweise an direktes Sonnenlicht gewöhnt werden. In saisonaler Außenkultur ist der natürliche Jahresgang mit einer kühlen Winterphase zu berücksichtigen; bei sorgfältig beleuchteter Innenkultur gelten die im Standardprofil dokumentierten Alternativen. Die Rotzeichnung ist ein Kultivarcharakteristikum, aber kein Grund, Dünger zuzuführen, die Pflanze trockener zu halten oder sie einer unüblichen Temperaturbehandlung auszusetzen.
Im Alltag sind kräftiger Neuaustrieb, feste Blattstiele, funktionsfähige Fallen und ein feuchtes, nicht versalzenes Medium aussagekräftiger als die Farbe einer einzelnen Falle. Ältere Blätter können im normalen Zyklus absterben; anhaltend kleine oder geschwächte neue Blätter können dagegen auf Lichtmangel, mineralreiches Wasser, Austrocknung, Hitze im Wurzelraum oder verdichtetes Substrat hindeuten. Der Klonname liefert keine Hinweise auf eine besondere Robustheit oder Frosttoleranz. Für eine belastbare Beobachtung sollte die Entwicklung über mehrere Wachstumsphasen dokumentiert und mit dem Standardprofil verglichen werden. So bleibt eine Abweichung des konkreten Bestands sichtbar, ohne eine nicht geprüfte Sonderpflege als Eigenschaft des Kultivars auszugeben.
substrate
Substrat-Ökologie
Die Wurzeln von Dionaea muscipula wachsen in natürlichen Lebensräumen in sauren, nährstoffarmen und dauerhaft ausreichend feuchten Böden. Je nach Standort kommen sandige Mineralanteile und organische Auflagen zusammen; entscheidend ist nicht ein einziges Material, sondern die geringe Nährstoffverfügbarkeit bei verlässlicher Wasserversorgung. Für die Topfkultur soll das Medium deshalb ungedüngt bleiben, Feuchtigkeit speichern und zugleich eine stabile, luftführende Struktur behalten. Mineralarmes Gießwasser begrenzt die Anreicherung gelöster Salze. Gleichmäßige Feuchte bildet die ökologischen Bedingungen verlässlicher nach als ein Wechsel zwischen vollständigem Austrocknen und starken Schwankungen des Wasserstands.
Für ‘Ruggine’ ist weder eine besondere pH-Toleranz noch ein eigenes Mischungsverhältnis oder abweichender Wasserbedarf nachgewiesen. Die roten Fallen und längeren Randzähne sind sichtbare Klonmerkmale, keine Hinweise auf veränderte Wurzeln oder einen höheren Nährstoffbedarf. Das verknüpfte Dionaea-Profil ist daher die passende Grundlage: ein saures, nährstoffarmes, nicht gedüngtes Substrat und sauberes mineralarmes Wasser. Beim Umtopfen sollte das Rhizom wenig gestört und das Medium nicht stark verdichtet werden. Lebendes Sphagnum kann ebenfalls Feuchte halten, sollte die Rosette aber nicht überwachsen. Ergänzungen oder Wechsel des Mediums sind sinnvoll, wenn die Struktur zerfällt oder Salzbelastung beziehungsweise Wurzelzustand es erfordern, nicht um die Rotzeichnung künstlich zu verändern.
practice
Praxisnotizen
Beschriften Sie den Bestand mit Dionaea muscipula ‘Ruggine’ und führen Sie Teilpflanzen auf eine dokumentierte Mutterpflanze zurück. Eine Verwechslung mit ‘Scarlatine’ lässt sich am besten vermeiden, indem Sie die roten Muster und Randzähne mehrerer ausgewachsener Fallen vergleichen: ‘Ruggine’ wird mit variabel intensiven roten Bereichen und etwas längeren Zähnen beschrieben; ‘Scarlatine’ mit kurzen unregelmäßigen Zähnen und roten Sprenkeln auf gelbgrünem Grund. Fotografieren Sie Fallen aus gleicher Perspektive mit Maßstab und notieren Sie Datum, Blattalter, Licht und Kulturzustand. Bei einer geteilten Rosette sollten Teilungsdatum, Mutterpflanze und Etikett gemeinsam erfasst werden. Samen oder Pflanzen unbekannter Herkunft nicht als bestätigte ‘Ruggine’-Kopien weiterführen.
Der hinterlegte Dionaea-Kontrollrhythmus sieht Sichtkontrollen alle 14 Tage während aktiven Wachstums, alle 30 Tage in der Ruhephase und alle 7 Tage bei Sämlingen vor. Diese Abstände gelten für Wachstum, Substratfeuchte, Etiketten, Schädlinge und abgestorbenes Material; sie sind keine Gießintervalle. Zur Erhaltung wird ausschließlich Teilung verwendet. Dabei sollten mehrere Fallen pro Teilpflanze über die Saison hinweg verglichen werden, damit sich die variable Rotzeichnung von Alterungs- oder Kulturerscheinungen unterscheiden lässt. Fotos mit gleichem Maßstab und gleicher Perspektive machen Zahnform und Muster nachvollziehbar. Die Kennung sollte mit jeder geteilten Pflanze mitwandern; Pflanzen unbekannter Herkunft erhalten keinen bestätigten Kultivarnamen.
sources
Quellenangaben
Cultivar ‘Ruggine’ und Abgrenzung
- Marcel van den Broek, Chris Rawlings, Yuri Sarzi, Rob Emberson, Flavio Boschi, Danilo Cazzaniga, Valerio Guidolin, Julian Müller, José Antonio Negrete Moreno & Alexander Fisch (2025): “New cultivars”. Carnivorous Plant Newsletter 54(4): 138–154, ‘Ruggine’ S. 149. DOI 10.55360/cpn544.cv544. Die Beschreibung ist von Valerio Guidolin gezeichnet. Quelle. Primärbeschreibung und ICPS-Kultivareintrag; Mutation, variable rote Zeichnung, längere Zähne und Teilung als einzige Erhaltungsmethode.
- International Carnivorous Plant Society (2025): Archivdatensatz zu “New cultivars”, erschienen am 14. November 2025, Carnivorous Plant Newsletter 54(4): 138–154. Quelle. Offizieller Journaldatensatz mit vollständiger Autorenliste, Erscheinungsdatum und DOI.
- Valerio Guidolin (2026): “Six Diflora Cultivars Added to the ICPS Official Register”. Diflora Journal, 27. Februar 2026. Quelle. Züchterbeitrag zur Auslese, zur spontanen Mutation und zur variablen roten Zeichnung; Anbieterangabe, keine unabhängige Prüfung.
- Diflora (ohne Datum): Dionaea muscipula ‘Ruggine’, Produktbeschreibung. Quelle. Anbieter nennt die Ausgangskreuzung ‘Coq couché’ × ‘Up Giant #5 dark spotted’, aufrechten Wuchs und sägezahnartige Randfortsätze; Abstammung nicht in der formellen Beschreibung ausgeführt.
- Lucien Blacher (2012): “Dionaea ‘Scarlatine’ (English: D. ‘Scarlet Fever’)”. Carnivorous Plant Newsletter 41(1): 27. Quelle. Registrierte Vergleichskultur mit kurzen unregelmäßigen Randzähnen und roten Sprenkeln; bestätigt die Schreibweise ‘Scarlatine’. Die 2025er Ruggine-Beschreibung druckt den Namen abweichend als ‘Scarlatin’.
Taxonomie, Wildstandort und Kultur der Art
- Royal Botanic Gardens, Kew (2026): Plants of the World Online — Dionaea muscipula J.Ellis. Quelle. Akzeptierter Artname, Autorenangabe und natürliches Verbreitungsgebiet.
- International Plant Names Index (2026): Dionaea muscipula J.Ellis. Quelle. Nomenklatorischer Datensatz für den wissenschaftlichen Artnamen.
- Flora of North America Editorial Committee (2015): Flora of North America North of Mexico, Vol. 6 — Dionaea muscipula. Quelle. Floristische Referenz zu Morphologie, Verbreitung und Lebensraum der Wildart.
- U.S. Fish and Wildlife Service (2023): Species Status Assessment for Venus Flytrap, Version 1.1. Quelle. Behördliche Bewertung von Areal, Lebensraum, Feuerökologie und Gefährdungen.
- North Carolina State University Extension (ohne Datum): Dionaea muscipula. Quelle. Botanische Merkmale, Fangmechanik und allgemeine gärtnerische Kulturhinweise.
- International Carnivorous Plant Society (ohne Datum): Dionaea muscipula — Growing Guide. Quelle. Kulturinformationen zu Licht, Wasser, Substrat, Beute, Jahresgang und Innenkultur.
- Paul R. Roberts & Henry J. Oosting (1958): “Responses of Venus Fly Trap (Dionaea muscipula) to Factors Involved in Its Endemism”. Ecological Monographs 28(2): 193–218. Quelle. Klassische ökologische Studie zu Standortfaktoren und enger Verbreitung der Art.
Fangbiologie und Reproduktion
- Jennifer Böhm, Sönke Scherzer, Elzbieta Krol, Ines Kreuzer, Katharina von Meyer, Christian Lorey, Thomas D. Mueller, Lana Shabala, Isabel Monte, Roberto Solano, Khaled A. S. Al-Rasheid, Heinz Rennenberg, Sergey Shabala, Erwin Neher & Rainer Hedrich (2016): “The Venus Flytrap Dionaea muscipula Counts Prey-Induced Action Potentials to Induce Sodium Uptake”. Current Biology 26(3): 286–295. Quelle. Primärstudie zu Reizverarbeitung, Fangverschluss und beuteabhängiger Nährstoffaufnahme der Art.
- Hiraku Suda, Hiroaki Mano, Masatsugu Toyota, Kenji Fukushima, Tetsuro Mimura, Izuo Tsutsui, Rainer Hedrich, Yosuke Tamada & Mitsuyasu Hasebe (2020): “Calcium dynamics during trap closure visualized in transgenic Venus flytrap”. Nature Plants 6: 1219–1224. Quelle. Primärstudie zur Calciumdynamik beim Fallenverschluss; nicht an ‘Ruggine’ untersucht.
- Elsa Youngsteadt, Rebecca E. Irwin, Amy Fowler, Heather Moylett & Alexander D. Hamblin (2018): “Venus Flytrap Rarely Traps Its Pollinators”. The American Naturalist 191(4): 539–546. Quelle. Feldstudie zur Trennung von Beutefang und Bestäubung bei der Wildart.
- Laura E. Hamon, Elsa Youngsteadt, Rebecca E. Irwin & Clyde E. Sorenson (2024): “As prey and pollinators, insects increase reproduction and allow for outcrossing in the carnivorous plant Dionaea muscipula”. American Journal of Botany 111(2): e16279. Quelle. Studie zu Bestäubung, Frucht- und Samenansatz; allgemeine Artbiologie, nicht klonspezifisch.
- American Journal of Botany (2026): Erratum to Hamon et al. (2024), DOI 10.1002/ajb2.70219. Quelle. Korrigiert vertauschte Beschriftungen in Abbildung 2A der Originalarbeit; die textliche Ergebnisdarstellung bleibt laut Erratum korrekt.
Quellenbewertung und Bildrechte
Die kultivarspezifischen Merkmale stammen aus der veröffentlichten Beschreibung und der Diflora-Produktangabe; die genauere Kreuzungsherkunft wird ausdrücklich als Anbieterangabe geführt. Die offizielle Beschreibung nennt keine standardisierten Maße oder kontrollierten Kulturversuche. Allgemeine Aussagen zu Taxonomie, Wildökologie, Fangmechanik und Fortpflanzung beziehen sich auf die Art. Ein eindeutiges eigenes lokales Foto wurde bei der Medienprüfung nicht gefunden. Die Abbildung in der Kultivarbeschreibung und die Händlerfotos wurden nicht übernommen, da keine freie Lizenz für eine Wiederverwendung nachgewiesen ist.
Zitieren
Zitierlink und Stand
Empfohlene Zitierweise: Black Trap Codex, Dionaea muscipula 'Ruggine', Stand 02.10.2026, https://blacktrap.de/codex-v2/dionaea-muscipula-ruggine/
