Black Trap Codex
Utricularia roraimensis
Kurzprofil
Kultur auf einen Blick
- Schwierigkeit
- 3 / 5 · mittel1 = sehr leicht, 5 = Spezialkultur.
- Licht
- 3 / 5 · hell1 = schattig, 5 = volle Sonne.
- Wasser
- nassBeschreibt die Feuchtefuehrung im Topf, nicht die Luftfeuchte.
- Fehlertoleranz
- unknownWie stark Kulturfehler verziehen werden.
Kulturgruppe
Utricularia – terrestrisch
Breite Obergruppe bodengebundener Arten aus nassen bis saisonal überfluteten Habitaten. Die Arten dieses Blocks stammen aus mehreren Kontinenten; ihre Jahresgänge und Mikrosubstrate bleiben im individuellen Profil getrennt.
Habitat-Logik
Nasse Böden, saisonale Nassstellen, sandige Senken, Sickerflächen und Uferbereiche; keine einheitliche Hydroperiode.
Kultur-Logik
Nur bodengebundene Wuchsform gemeinsam; Klima, Wasserstand, Substrat und Samenzyklus nach Art und Herkunft steuern.
Substrat-Logik
Nährstoffarme, luftführende Feinauflage; mineralische oder organische Bestandteile nur nach belegtem Mikrohabitat.
Risiken der Kulturgruppe
Gattungsprofil
Utricularia
Sehr artenreiche Wasserschlauch-Gattung mit terrestrischen, epiphytischen, aquatischen und rheophytischen Lebensformen.
Habitat-Logik
Die Gattung besiedelt nasse Böden, Moore, Sphagnumpolster, Felswände, Epiphytenstandorte, stehende Gewässer und strömungsreiche aquatische Habitate.
Kultur-Logik
Die jeweilige Lebensform bestimmt die Kultur wesentlich; terrestrische, epiphytische und aquatische Utricularia dürfen nicht nach einem gemeinsamen Schema kultiviert werden.
Substrat-Logik
Terrestrische Arten benötigen sehr feuchte Substrate, epiphytische Arten extrem lockere Medien; aquatische und rheophytische Arten besitzen keinen klassischen terrestrischen Substratbedarf.
Typische Fehler
Alle Utricularia gleich kultivieren, epiphytische Arten vernässen, aquatische Arten in Topfsubstrat setzen und empfindliche Arten austrocknen lassen.
Risiken
Worauf diese Art empfindlich reagiert
reference
Botanische Beschreibung
Utricularia roraimensis N.E.Br. ist eine kleine, mehrjährige terrestrische Art der Tepui-Hochlagen des Guayana-Schildes. Die Revision von Baleeiro und Kollegen aus dem Jahr 2022 beschreibt wenige Stolonen und spatelförmige bis runde Blätter an einer verschmälerten Basis. Die Blätter sind ungefähr vier bis fünfzehn Millimeter lang; Fallen werden mit etwa einem Millimeter angegeben. Ein einfacher, lockerer Blütenstand ist vier bis acht Zentimeter lang. Die Krone bleibt klein, bis etwa acht Millimeter. Kennzeichnend ist ein stark reduzierter, häufig abgeflachter und nach oben gebogener Sporn. Die Oberlippe und der Sporn tragen Drüsenhaare; Blütenstandsachse und Kelchblätter sind weinrot gefärbt. Dieses Merkmalsbündel trennt die Art von der variablen U. amethystina im engeren Sinn.
Die neue Revision beschreibt außerdem die isolierte Hochlagenverbreitung als taxonomisch relevant. Die Art ist nicht lediglich eine kleinwüchsige Form von U. amethystina; morphologische Merkmale und geografische Isolation sprechen für eine eigenständige Linie. Die kleinen Blätter, reduzierten Fallen und die ungewöhnliche Spornform sollten zusammen betrachtet werden. Der weinrote Blütenstand ist ein sichtbares Feldmerkmal, doch die Drüsenhaare an Oberlippe und Sporn benötigen eine Nahaufnahme. Eine Kombination aus Seiten- und Frontalansicht der Blüte, Blattbasis und Herkunft vom Tepui ist deshalb für die Bestimmung nötig.
taxonomy
Taxonomie
Der akzeptierte Name lautet Utricularia roraimensis N.E.Br. Nicholas Edward Brown veröffentlichte das Taxon 1901 in den Transactions of the Linnean Society of London, Series 2, Botany, Band 6, Seite 54, mit Tafelfiguren. Das Typusmaterial stammt vom Mount Roraima; die Revision von 2022 nennt McConnell und Quelch 685 als Holotypus in Kew. POWO führt den Namen aktuell als akzeptiert und nennt U. tepuiana Steyerm. als Synonym. Die Revision stellt außerdem Calpidisca roraimensis als Kombination und U. tepuiana in die synonymische Behandlung.
Die taxonomische Geschichte ist für diese Art besonders wichtig. Peter Taylors Monographie von 1989 führte sie noch unter U. amethystina, während die 2022er morphologische, morphometrische und molekulare Revision den Artenkomplex aufteilt und U. roraimensis wieder eigenständig behandelt. POWO/WCVP folgt dieser jüngeren Veröffentlichung im Namensstatus, nennt in seiner knappen aktuellen Verbreitungsangabe aber nur Südvenezuela. Das Profil verwendet die Revision für Morphologie und Areal, während die schmalere Kew-Angabe transparent erwähnt wird. So wird ein älteres Synonymkonzept nicht mit der aktuell akzeptierten Artumgrenzung verwechselt.
ecology
Standort und Verbreitung
U. roraimensis ist von Tepui-Gipfeln des Guayana-Schildes bekannt. Die Revision von 2022 nennt Fundregionen in Venezuela, Guyana und Brasilien und beschreibt die Art als auf hohe Tafelbergstandorte beschränkt. Der Typus stammt vom Mount Roraima in Venezuela; weitere Belege aus dem Bolivar-Gebiet und der brasilianisch-guyanischen Roraima-Region stützen die breitere Hochlagenverbreitung. POWO führt in seiner aktuellen Kurzangabe ausschließlich Südvenezuela. Diese abweichenden Reichweiten werden nicht verborgen: Die Revision nennt zusätzliche Länder aufgrund einer erneuten taxonomischen Sichtung und Belegauswertung. Fundetiketten sollten den konkreten Gipfel nennen.
Die Lebensräume sind terrestrische Hochlagen auf isolierten Tepui-Gipfeln. Die Revision beschreibt den Blütenstand als einfach und locker; sie berichtet eine scheinbar ganzjährige Blüte, ohne daraus eine Kulturphänologie für alle Populationen zu machen. Die Tepui-„Inseln“ stehen biogeografisch getrennt über dem umliegenden Wald. Herkunft von einem bestimmten Gipfel ist daher wichtig, weil räumlich isolierte Populationen nicht ohne weiteres gleichgesetzt werden können. Die Quellen begründen eine Hochlagen- und Plateaubindung, aber keine einheitliche Bodenchemie, Niederschlagsmenge oder Temperaturvorgabe.
ecology
Ökologische Anpassungen
Die Tepui-Gipfel sind hoch gelegene, isolierte Tafelberge mit feuchten, nährstoffarmen Mikrostandorten. Die Revision ordnet die Art als terrestrisch ein und hebt ihre Beschränkung auf die Gipfel dieser Berge hervor. Der isolierte Lebensraum liefert einen plausiblen Kontext für die taxonomische Eigenständigkeit gegenüber dem weit gefassten U. amethystina-Komplex, ersetzt aber keine Merkmalsdiagnose. Ein kurzer, abgeflachter und aufwärts gerichteter Sporn, Drüsenhaare auf Oberlippe und Sporn sowie weinrote Achsen bilden die bessere Bestimmungskombination. Die Quellen geben keine konkreten Kulturwerte für relative Luftfeuchte oder Temperatur an.
Eine Flora des Pantepui darf nicht unbesehen auf eine beliebige tropische Tieflandkultur übertragen werden. Der Tepui ist nicht nur eine Höhenangabe, sondern ein abgegrenzter Lebensraumkomplex; Gipfel, Felsflächen, kleine Feuchtmulden und lokale Vegetationsdecken können unterschiedliche Wasserverfügbarkeit aufweisen. Die Revision meldet die Art als mehrjährig und offenbar ganzjährig blühend. Das bedeutet nicht, dass ein Kulturindividuum ununterbrochen Blüten trägt. Ruhephasen oder Trockenruhe sind nicht belegt. Der Pflanzenkörper bleibt in der Kultur auch nach der Blüte weiter zu beobachten.
reference
Wuchsform und Morphologie
Die Blätter sind spatelförmig bis rund und verengen sich zur Basis; sie sind vier bis fünfzehn Millimeter lang. Es gibt wenige Stolonen, die Fallen sind klein und werden ungefähr mit einem Millimeter Länge angegeben. Die Infloreszenz ist einfach, locker und vierzig bis achtzig Millimeter lang. Die Krone ist bis etwa acht Millimeter groß. Der Sporn ist reduziert, meist flach und nach oben gebogen. Drüsenhaare sitzen an der Oberlippe und am Sporn; der Schaft und die Kelchblätter sind weinrot. Diese Details sind nicht bloß Größenvarianten von U. amethystina, sondern gehören zur revidierten Artabgrenzung.
Für eine Bestimmung muss der Sporn von der Seite fotografiert werden, weil seine Reduktion und Aufwärtskrümmung in Frontalansicht kaum sichtbar sind. Die Drüsenhaare an Oberlippe und Sporn erfordern Vergrößerung. Blätter sollten nicht nach ihrer Farbe allein bewertet werden; runde und spatelförmige Formen liegen innerhalb der beschriebenen Spannweite. Auch die weinrote Färbung kann im getrockneten Material verblassen. Eine vollständige Dokumentation verbindet lebende Blütenansicht, Blattbasis und Fundort. Die kurzen Achsen und kleinen Blüten helfen, die Art im Feld zu erkennen, sind jedoch für sich genommen nicht einzigartig.
reference
Fangstrategie
Die Revision nennt Fallen von ungefähr einem Millimeter, liefert aber keine spezifischen Ernährungs- oder Fangraten. Wie andere Arten der Gattung besitzt U. roraimensis Saugblasenfallen an den vegetativen Organen. Die Fallen sind klein und der Pflanzenkörper terrestrisch, sodass die Blasen in einer dünnen, feuchten Auflage liegen können. Die vorhandene Literatur belegt keine bevorzugte Beutegruppe und keine besondere Fütterungsabhängigkeit. Fallen werden deshalb als morphologisches Merkmal und nicht als Indikator für eine bestimmte Kulturzufuhr behandelt. Fallen bleiben dabei intakt.
In Kultur sollten die Blasen in der feuchten Auflage verbleiben. Eine vorsichtige Seitenansicht eines Randtriebs ist zur Kontrolle ausreichend; Stolonen oder Wurzeln werden nicht vollständig aus dem Substrat gehoben. Trübe Blasen oder organische Partikel werden ohne Mikroskopie nicht als spezifische Beute bezeichnet. Die Tepui-Herkunft und der kleine terrestrische Wuchs geben keinen Anlass zu künstlicher Fütterung. Wenn Fangökologie untersucht wird, müssen Belegort, Entwicklungsstadium und Falleninhalt getrennt dokumentiert werden. Derzeit bleibt diese Frage im Artprofil offen.
reference
Reproduktion und Lebenszyklus
Die Revision von 2022 berichtet, dass die Art offenbar ganzjährig blüht. Die einzelnen Blüten sind klein und sitzen auf einem lockeren, einfachen Blütenstand. Mit der kleinen Krone, dem reduzierten aufwärts gebogenen Sporn und den Drüsenhaaren lässt sich die Art auch dann bestimmen, wenn die Blütenfarbe nicht sicher dokumentiert ist. Die Originaldiagnose aus 1901 und die moderne Revision bilden zusammen eine historische und aktuelle Referenz. Die Quellen enthalten keine gesicherten Angaben zum Samenmaß oder einer speziellen Saatruhe. Mehrere Einzelblüten werden einzeln protokolliert.
Als mehrjährige Pflanze kann U. roraimensis nach einer Blüte vegetativ fortbestehen. Eine saisonale Blütezeit sollte nicht mit obligater Ruhe oder Saatreife verwechselt werden. Kulturmaterial wird auf Kapselansatz, reife Frucht und Fortbestand nach der Blüte beobachtet. Die Revision gibt keine Keimungsbehandlung an; deshalb wird keine Stratifikation oder trockene Lagerdauer behauptet. Eine Sammlung aus einem Tepui-Gipfel sollte mit genauer Herkunft versehen werden, damit ein möglicher Zyklus verschiedener Gipfelpopulationen nicht unzulässig zusammengefasst wird.
culture
Kulturrelevante Schlussfolgerungen
Eine terrestrische, feuchte, gut belüftete Auflage ist ein vorsichtiger Kulturstart, der der Hochland- und Tepui-Herkunft näherkommt als dauerhaftes Tiefwasser. Der genaue Aufbau muss zur dokumentierten Herkunft passen: flache Feuchtstellen, Moos oder mineralische Auflage sind möglich, aber keine dieser Varianten ist durch die Revision als einheitliche Kulturmischung vorgeschrieben. Der kurze Wuchs und die kleinen Blüten verlangen ein Gefäß, in dem neue Blätter, Stolonen und Blütenstände sichtbar bleiben. Eine hohe Luftfeuchte wird nicht mit künstlicher Vernässung des Substrats gleichgesetzt.
Die Quellen enthalten keine belastbaren artspezifischen Sollwerte für Temperatur, pH, Leitfähigkeit oder Luftbewegung. Aus der Höhe des Tepui werden keine Kühlgrenzen errechnet. Herkunft, Feuchte, Licht und Pflanzenreaktion werden protokolliert und vorsichtig angepasst. Eine flache, nährstoffarme Kulturauflage mit Drainage verhindert, dass kleine Blätter verschüttet werden. Die Art ist mehrjährig; nach einer Blüte wird daher nicht automatisch trocken gehalten. Erfolg zeigt sich in wiederholtem Austrieb und einer Blüte mit reduzierter, aufwärts gebogener Spornstruktur, nicht in einem einzigen kurzlebigen Schaft.
substrate
Substratökologie
Die Revision beschreibt U. roraimensis als terrestrisch auf Tepui-Gipfeln, nennt aber kein einheitliches Substratrezept. Eine flache, luftige Auflage kann die kleinen Stolonen und spatelförmigen Blätter halten, während Feuchtigkeit in unmittelbarer Wurzelnähe erhalten bleibt. Dauerhaft tiefe Überstauung wäre nicht durch den terrestrischen Habit gestützt. Ob das Material an Moos, Sandstein oder einer anderen oligotrophen Gipfelauflage wächst, muss nach Herkunft bestimmt werden. Eine konkrete Körnung oder organische Beimischung wird nicht erfunden. Der kleine Blütenstand braucht Platz über der Oberfläche.
Es fehlen verlässliche Angaben zu pH, Leitfähigkeit und Nährstoffgehalt des Substrats. Die allgemeine Charakterisierung der Tepui-Gipfel als nährstoffarm darf nicht zu einer unbelegten chemischen Sollzahl werden. Ein flacher, gut drainierter Aufbau kann zunächst mit zurückhaltender Wasserhaltung getestet werden. Feuchte und Ablauf werden getrennt dokumentiert. Wenn Moos oder eine mineralische Auflage eingesetzt wird, bleibt sie dünn genug, damit Blätter und Fallen sichtbar und zugänglich sind. Änderungen erfolgen einzeln, damit die Reaktion der jeweiligen isolierten Herkunft interpretierbar ist. Ein Substratwechsel nach jeder Blüte würde den mehrjährigen Verlauf unnötig stören.
practice
Praxisnotizen
Während des aktiven Wachstums wird alle vier Tage geprüft, ob die terrestrische Auflage gleichmäßig feucht ist, neue spatelförmige oder runde Blätter erscheinen und die kleinen Fallen intakt sind. Bei langsamer, aber lebender Pflanze wird alle zehn Tage kontrolliert; Sämlinge erhalten alle drei Tage eine Sichtprüfung. Diese Intervalle sind Kontrollrhythmen und keine Bewässerungsanweisung. Zur Blüte werden Weinrotfärbung, Oberlippe und Sporn in Nahansicht dokumentiert. Die Herkunft des jeweiligen Tepui-Materials wird bei jeder Kulturaufzeichnung beibehalten. Die Herkunft bleibt im Protokoll eindeutig.
Auch wenn die Revision eine scheinbar ganzjährige Blüte nennt, endet die Kontrolle nicht mit dem ersten Blütenstand. Kapselreife, Neuaustrieb und Zustand der Stolonen werden getrennt erfasst. Bei Rückgang wird zunächst der mehrjährige Pflanzenkörper geprüft, bevor die Kultur eingestellt oder eine Trockenbehandlung vorgenommen wird. Die Abweichung zwischen POWOs engerer Südvenezuela-Angabe und dem breiteren Areal der Revision wird im Datensatz vermerkt. Wiederholte Kulturbeobachtungen sollten deshalb ihren Gipfelursprung aufführen, damit regionale Unterschiede nicht verloren gehen. Kontrolle alle 4 Tage im aktiven Wachstum, alle 10 Tage bei verlangsamtem, noch lebendem Tepui-Bestand und alle 3 Tage bei Sämlingen. Das sind Beobachtungsabstände, keine Gieß- oder Wechselintervalle.
sources
Quellenangaben
- Baleeiro, Gonella, Sano & Jobson (2022), taxonomic revision of U. sect. Foliosa, Phytotaxa 576(1):29–54
- Plants of the World Online: accepted name, Kew distribution and taxonomic notes
- Brown (1901), original description and type citation as indexed by IPNI
- World Flora Online: taxon record and linked revision bibliography
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Empfohlene Zitierweise: Black Trap Codex, Utricularia roraimensis, Stand 09.10.2026, https://blacktrap.de/codex-v2/utricularia-roraimensis/