Black Trap Codex
Drosera kaieteurensis
Kurzprofil
Kultur auf einen Blick
- Schwierigkeit
- 5 / 5 · spezialisiert1 = sehr leicht, 5 = Spezialkultur.
- Licht
- 4 / 5 · sehr hell1 = schattig, 5 = volle Sonne.
- Wasser
- feuchtBeschreibt die Feuchtefuehrung im Topf, nicht die Luftfeuchte.
- Ruhephase
- neinOb die Art eine saisonale Ruhephase braucht.
- Fehlertoleranz
- mittelWie stark Kulturfehler verziehen werden.
Kulturgruppe
Drosera kaieteurensis – feuchte Guayana-Hochlandrosette
Gruppe für die winzige, ausdauernde Rosettenart des Guayana-Hochlands. Die Höhenbreite vom Kaieteur-Gebiet bis zu hohen Tepuis macht Luftbewegung, Feuchte und kühle Wurzeln wichtiger als starre Tieflandwärme.
Habitat-Logik
Nährstoffarme, feuchte Fels- und Sandstandorte in Guyana, südlichem Venezuela und Roraima in Brasilien, von mittleren Höhen bis zu Tepui-Hochlagen.
Kultur-Logik
Wurzelraum gleichmäßig feucht halten und belüften. Eine längere Trockenruhe ist nicht belegt; dauerhafte Überhitzung oder Staunässe vermeiden. Sichtkontrolle alle 7 Tage im Wachstum, alle 14 Tage bei Ruhe oder Verlangsamung und alle 4 Tage bei Sämlingen; Kontrolltermine sind keine Gießtermine.
Substrat-Logik
Kleine, mineralisch strukturierte und luftige Kulturfläche mit verlässlicher Feuchte und gutem Wasserabzug.
Gattungsprofil
Drosera
Artenreiche Sonnentau-Gattung mit tropischen, temperierten und stark saisonalen Kulturtypen.
Habitat-Logik
Von tropischen Feuchtflächen und Regenwäldern über boreale Moore bis zu mediterranen Winterregen- und australischen Sandstandorten.
Kultur-Logik
Temperatur, Wasserführung und Ruhephase müssen konsequent an die jeweilige Kulturgruppe angepasst werden.
Substrat-Logik
Von dauerhaft nassen Torf- und Sphagnumsystemen bis zu sandreichen, stark durchströmten und saisonal trockeneren Medien.
Typische Fehler
Alle Drosera gleich kultivieren, Ruhephasen ignorieren, falsche Wasserführung und zu wenig Licht.
reference
Botanische Beschreibung
Drosera kaieteurensis Brumm.-Ding. ist eine kleine, ausdauernde, rosettenbildende Sonnentau-Art des nördlichen Südamerika. Die bodennahen Blattrosetten sind weinrot gefärbt und sitzen an einem kurzen Stämmchen. Die Blattspreiten sind rundlich bis verkehrt-eiförmig und nur wenige Millimeter groß; die Fangtentakel überziehen ihre Oberseite. Anders als bei langstieligen, grasartig wirkenden Arten entsteht keine hoch aufragende Blattkrone. Die Pflanze bleibt im sichtbaren vegetativen Zustand niedrig und kann in geeigneten Mikrostandorten kleine Gruppen bilden.
Ein bis drei weinrote Blütenstände tragen mehrere Blüten. Stiele und Kelchblätter weisen auffällige fadenartige Haare auf; die Kronblätter können weiß oder rosa sein. Die Art wurde aus Guyana beschrieben und später im Vergleichsmaterial aus dem Guayana-Hochland wiedererkannt. Die Kombination aus sehr kleiner anliegender Rosette, kurzen Blättern, behaarten Stielen und weinroter Färbung ist aussagekräftiger als ein einzelnes Merkmal. Die verfügbaren floristischen Beschreibungen belegen keine durchgängig einheitliche Blütenfarbe oder einen einzigen jahreszeitlichen Blühtermin für alle Höhenlagen.
taxonomy
Taxonomie
Der akzeptierte Name lautet Drosera kaieteurensis Brumm.-Ding.; die Erstbeschreibung erschien 1955 in Acta Botanica Neerlandica. Die Autorenabkürzung bezieht sich auf C.H. Brummer-Dinger. Das Kew-Backbone akzeptiert die Art und nennt als heutige natürliche Verbreitung südliches Venezuela bis Guyana sowie Roraima im nördlichen Brasilien. Die Art wird in der Monographie von Correa und Silva behandelt, auf deren Beschreibung sich spätere floristische Datenbanken stützen.
In der älteren Literatur wurden andere Namen und Belege aus Guyana diskutiert. Brummer-Dinger untersuchte insbesondere historische Bestimmungen, die auf D. cayennensis oder D. sanariapoana lauteten, und wertete Material als D. kaieteurensis beziehungsweise die beiden letztgenannten Namen als synonym. Eine historisch genannte Trinidad-Probe führt nicht automatisch zu einem gesicherten natürlichen Areal auf Trinidad und Tobago; die aktuelle Kew-Angabe nennt Venezuela, Guyana und Brasilien. Ältere Inselmeldungen sollten daher als Beleggeschichte, nicht als gleich sicher etablierte Verbreitung erscheinen.
ecology
Standort und Verbreitung
Die Verbreitung ist an das Guayana-Hochland und angrenzende nördliche Gebiete Südamerikas gebunden. Kew führt Venezuela, Guyana und den brasilianischen Bundesstaat Roraima. Die Monographie verzeichnet Höhenlagen ungefähr zwischen 460 und 2400 Metern, womit die Art sowohl tiefer gelegene feuchte Savannenbereiche als auch hochgelegene Tepui-Umfelder umfasst. Historische Sammlungsdaten aus Guyana und Venezuela tragen das bekannte Areal; die aktuelle Einstufung für Brasilien Roraima ist in der globalen taxonomischen Zusammenfassung ebenfalls enthalten.
Die Höhenstreuung bedeutet, dass Temperatur, Nebel, Sonneneinstrahlung und Dauer der Wassersättigung lokal stark variieren können. Die verfügbare Beschreibung nennt feuchte, sandige Substrate und moosbedeckte Felsen als Standorte, doch sie begründet keine pauschale Behauptung, jede Population wachse dauerhaft überflutet oder ausschließlich auf einem bestimmten Tepui. Auch eine einzelne monatelange Blühzeit lässt sich aus den verstreuten Sammlungsdaten nicht ableiten. Trinidad-Aufzeichnungen aus älteren Herbariumzusammenhängen sind taxonomisch und biogeographisch gesondert zu behandeln, statt sie unkommentiert als aktuelles natürliches Vorkommen hinzuzufügen.
ecology
Ökologische Anpassungen
Die kleinen, bodennahen Blätter tragen Fangtentakel, während Haare auf Blattunterseiten, Blattstielen, Blütenstielen und Kelchen die Pflanzenteile zusätzlich kennzeichnen. Die kurze Rosette bleibt nahe an der feuchten Boden- oder Felsoberfläche, wo Niederschlag, Sprühnebel und lokale Wasserrinnen zusammenwirken. Die Art wurde sowohl aus Hochlandbereichen als auch tieferen Höhenstufen bekannt; folglich ist „kühl und dauerhaft nass“ kein einziger, standortunabhängiger Ökotyp. Die tatsächlichen Bedingungen werden durch Höhenlage, Licht und Mikrorelief mitbestimmt.
Die aktenkundigen Daten weisen die Pflanze als ausdauernd aus, geben aber keine gesicherte mehrmonatige Ruhe oder einen einheitlichen saisonalen Blattwechsel an. Für Kultur ist daher zunächst ein luftfeuchtes, feuchtes Hochlandmilieu mit guter Luftbewegung plausibler als eine trockene Knollenruhe. Das bleibt eine vorsichtige ökologische Ableitung, keine experimentell geprüfte Kulturvorschrift. Abrupte Übertragung von Bedingungen einer einzelnen tieferen Population auf Pflanzen aus Hochlagen kann scheitern. Keine Facharbeit belegt artspezifische Temperaturen, eine verpflichtende Nachtabsenkung oder eine genaue Wasserstandstoleranz.
reference
Wuchsform und Morphologie
Die Pflanze wird etwa 1,3 bis 6 Zentimeter hoch und besitzt ein kurzes Stämmchen. Die Blätter stehen in einer bodennahen Rosette; die weinroten, verkehrt-eiförmig bis fast kreisrunden Spreiten messen ungefähr 2 bis 3 Millimeter in der Länge und 2 bis 2,5 Millimeter in der Breite. Fadenförmige Haare sitzen auf der Blattunterseite vor allem nahe dem Rand, während der mittlere Bereich dort weitgehend kahl ist. Blattstiele und Oberflächen sind ebenfalls mit fadenförmigen Haaren beschrieben. Membranartige, rechteckige Nebenblätter mit zerschlitzten Rändern umgeben die Rosettenbasis.
Ein bis drei Blütenstände können 1,3 bis 6 Zentimeter erreichen und je zwei bis neun Blüten tragen. Der Blütenstiel ist weinrot und mit langen Haaren bedeckt; auch die Außenseite der Kelchblätter ist wollig behaart. Die Kronblätter sind weiß oder rosa. Auffällig ist das gynözeische Merkmal von sechs keulenförmigen Narben, das zur Abgrenzung gehört und in einer normalen Übersichtsaufnahme meist nicht zu sehen ist. Wegen der geringen Größe sind Makroaufnahmen von Spreiten, Kelchbehaarung und Blütendetails für die Artbestimmung deutlich hilfreicher als ein Foto, das nur die Farbe der Rosette zeigt.
reference
Fangstrategie
Die Fangfunktion beruht auf klebrigen Drüsententakeln auf der Blattoberseite. Die rundlichen Blätter bilden eine kleine, bodennahe Fangfläche für winzige Gliederfüßer. Die rötliche Farbe und der Glanz des Schleims können das Erscheinungsbild prägen, doch daraus lässt sich kein spezifisches Beutespektrum ableiten. Für D. kaieteurensis sind in den geprüften taxonomischen Facharbeiten keine kontrollierten Daten über bevorzugte Beute, Fanggeschwindigkeit oder artspezifische Verdauungsraten dokumentiert.
Die Blätter sind sehr klein und empfindlich; in Kultur sollte der Tentakelbesatz nicht durch grobe Sprühstrahlen, Staub oder ständiges Berühren beschädigt werden. Das Fehlen sichtbarer Beute bedeutet nicht automatisch Nährstoffmangel, da natürliche Fanggelegenheiten und Blattalter stark variieren. Eine hohe, geschlossene Moosschicht könnte die niedrige Rosette verdecken, während dauerhaft trockene Oberflächen die Kontaktbedingungen für klebrige Fangblätter verschlechtern können. Das sind praktische Schlussfolgerungen aus Habitus und Standort, keine spezifisch experimentell geprüften Schwellenwerte. Manuelles Füttern ist nicht als notwendige Routine belegt.
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Reproduktion und Lebenszyklus
Der Blütenstand trägt wenige bis mehrere Einzelblüten; die Kronblätter werden in den floristischen Beschreibungen weiß oder rosa angegeben. Der Fruchtknoten entwickelt eine Kapsel, deren reife Samen der Vermehrung dienen. Die Taxonomie beschreibt Blütenteile und Narben, doch die in den geprüften Facharbeiten verfügbaren Artangaben enthalten keine kontrollierte Studie zu Bestäubern, Selbstbestäubung oder Keimung. Es ist deshalb nicht sachgerecht, eine feste Blühzeit für sämtliche Fundorte oder eine garantierte Selbstfertilität zu behaupten.
Die Pflanze ist ausdauernd und kann unter günstigen Bedingungen wiederholt wachsen, aber es liegen hier keine gesicherten Angaben über vegetative Ausläufer oder eine Knollenbildung vor. Die Vermehrung sollte daher nicht aus den Strategien australischer Knollendroseren abgeleitet werden. Bei Kulturpflanzen sind Rosettenalter, Blütenstiel, Fruchtbildung und tatsächlicher Sämlingsaufgang getrennt zu protokollieren. Eine Kapsel bedeutet noch keine sichere Keimfähigkeit. Da das bekannte Areal aus feuchten Hochlandstandorten stammt, sollte Saatgut nicht während Austrocknung gelagert oder ausgesät werden, ohne die lokalen Wachstumsbedingungen zu berücksichtigen; genaue Lagerungs- und Keimversuche sind nicht publiziert.
culture
Kulturrelevante Schlussfolgerungen
Für die Kultur sollte man D. kaieteurensis als kleine, ausdauernde Hochlandrosette betrachten, deren Standorte feucht, aber höhen- und mikroklimatisch vielfältig sind. Ein luftiges, dauerhaft verfügbares Feuchtemilieu und reichlich Licht bei Schutz vor extremer Überhitzung sind eine vorsichtige Ableitung. Die Art ist nicht als tropische Tieflandpflanze mit starrer Warmhaltung oder als saisonal ruhende Knolle einzustufen. Genaue Temperatur- und Feuchtegrenzen wurden in den zugänglichen Fachquellen nicht experimentell für diese Art festgelegt.
Bei Kultur sind Kleinklima, Luftbewegung und Substratfeuchte gemeinsam zu beobachten. Ein feuchter Wurzelraum muss nicht bedeuten, dass die Rosette unter stehendem Wasser liegt. Weil Fundorte von mittleren Höhen bis zu hohen Tepuis reichen, sollten Herkunftsdaten einer konkreten Kulturpflanze berücksichtigt werden, bevor ausbleibendes Wachstum als Fehler bewertet wird. Sichtkontrollen alle sieben Tage im aktiven Wachstum, 14 Tage bei stabilen erwachsenen Pflanzen und fünf Tage bei Sämlingen dienen ausschließlich dem Beobachten von Tau, Rosettenzentrum und Wasserstand. Sie geben keinen regelmäßigen Gießrhythmus vor.
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Substrat-Ökologie
Floristische Angaben nennen sandige Böden und moosbedeckte Felsen, während die Art im Guayana-Hochland in unterschiedlichen Höhenlagen vorkommt. Funktional sollte ein Kulturmedium daher Wasser gleichmäßig verfügbar halten und zugleich die geringe Rosette nicht im dauerhaft stagnierenden Wasser versenken. Moos oder mineralisches Material kann in geeigneten Kulturen strukturell eine Rolle spielen; eine bestimmte Mischung wurde für die Art jedoch nicht experimentell belegt. Die Standortbegriffe ersetzen keine Laborwerte zu pH, Leitfähigkeit oder Nährstoffgehalt.
Der sehr kleine Wuchs macht die Oberflächenstruktur des Substrats besonders relevant: grobe Partikel dürfen empfindliche Spreiten nicht verdecken, eine stabile, luftige Oberfläche erleichtert die Sichtkontrolle. Mineralarmes Wasser ist eine übliche Vorsichtsmaßnahme bei Karnivoren und soll Salzaufbau begrenzen, doch für D. kaieteurensis ist keine artspezifische EC-Grenze publiziert. Dauerhafte Staunässe und vollständiges Austrocknen sind gleichermaßen nicht aus der gesamten Arealspanne abzuleiten. Beobachte deshalb den Zustand der Wurzeln, Rosetten und Oberfläche statt unbelegte Zahlenwerte zu übernehmen.
practice
Praxisnotizen
Für die Bestimmung sind die Kombination aus winziger weinroter Rosette, kurzen Spreiten, fadenförmiger Behaarung auf Blattunterseiten und Blütenstielen sowie weißen bis rosa Kronblättern zu dokumentieren. Die auffälligen sechs keulenförmigen Narben erfordern eine Detailaufnahme. Eine historische Trinidad-Sammlung sollte nicht automatisch als natürliches Inselvorkommen in die Profilkarte einfließen, weil das aktuelle akzeptierte Verbreitungsgebiet auf Venezuela, Guyana und Roraima zusammengefasst wird. Eine saubere Herkunftsangabe ist besonders wichtig, wenn Kulturmaterial als Hochland- oder Tieflandform angeboten wird.
In der Pflege sind Rosettenzentrum, Klebrigkeit, Farbveränderung, Blütenstand und Substratfeuchte zu prüfen. Bei der geringen Blattgröße können Mooszuwachs und Spritzwasser die Pflanze rasch verdecken. Regelmäßige Dokumentation sollte Fotos mit Maßstab einschließen, damit normale Größenunterschiede nicht mit einer anderen Art verwechselt werden. Sichtkontrollen alle sieben Tage im Wachstum, 14 Tage bei stabilen erwachsenen Pflanzen und fünf Tage bei Sämlingen sind organisatorische Intervalle. Sie stellen keine Wasser-, Dünge- oder Umtopfempfehlung dar; bekannte saisonale Ruhezeichen sind in den Facharbeiten nicht eindeutig genug beschrieben.
sources
Quellenangaben
- Brummer-Dinger, C.H. (1955): Notes on Guiana Droseraceae. Acta Botanica Neerlandica 4(1):136–138. Erstbeschreibung und nomenklatorische Hinweise.
- Correa, M.D.A. & Silva, T.R.S. (2005): Drosera (Droseraceae). Flora Neotropica Monograph 96:1–65. Taxonomische Behandlung, Morphologie, Höhenlage und Habitatangaben; floristische Daten gespiegelt in World Flora Online.
- Royal Botanic Gardens, Kew (2026): Plants of the World Online, Drosera kaieteurensis Brumm.-Ding. Akzeptierter Name, Autor und aktuelles Verbreitungsgebiet; abgerufen 06.10.2026.
- World Flora Online (2026): Drosera kaieteurensis Brumm.-Ding.; wiedergegebene Flora-Neotropica-Beschreibung und Bibliographie; abgerufen 06.10.2026.
Zitieren
Zitierlink und Stand
Empfohlene Zitierweise: Black Trap Codex, Drosera kaieteurensis, Stand 06.10.2026, https://blacktrap.de/codex-v2/drosera-kaieteurensis/

