
© Rosťa Kracík · CC BY 3.0 CZ · Quelle
Black Trap Codex
Drosera hamiltonii
Kurzprofil
Kultur auf einen Blick
- Schwierigkeit
- 3 / 5 · mittel1 = sehr leicht, 5 = Spezialkultur.
- Licht
- 4 / 5 · sehr hell1 = schattig, 5 = volle Sonne.
- Wasser
- feuchtBeschreibt die Feuchtefuehrung im Topf, nicht die Luftfeuchte.
- Ruhephase
- neinOb die Art eine saisonale Ruhephase braucht.
- Fehlertoleranz
- mittelWie stark Kulturfehler verziehen werden.
Kulturgruppe
Drosera hamiltonii – südwest-australische Moorart
Artbezogene Gruppe für die ausdauernde Rosette aus feuchten Küsten- und Moorlandschaften. Die gleichmäßige Blattfolge und der nasse, luftige Wurzelraum sind maßgeblich; eine Knollenruhe darf nicht unterstellt werden.
Habitat-Logik
Nasse bis saisonal vernässte Küstenmoore und Sickerstellen im südwestlichen Western Australia.
Kultur-Logik
Während des Wachstums beständig feucht bis nass und sauerstoffreich führen. Bei langsamerem Wachstum Zustand der Rosette prüfen und nicht trockenlegen, solange lebende Blätter und Wurzeln vorhanden sind. Sichtkontrolle alle 7 Tage im Wachstum, alle 14 Tage bei Ruhe oder Verlangsamung und alle 5 Tage bei Sämlingen; Kontrolltermine sind keine Gießtermine.
Substrat-Logik
Nährstoffarmes, luftiges, organisches Medium mit mineralischem Strukturanteil; gleichmäßig feucht halten, ohne unbelegte Substrat-pH-Werte anzusetzen.
Gattungsprofil
Drosera
Artenreiche Sonnentau-Gattung mit tropischen, temperierten und stark saisonalen Kulturtypen.
Habitat-Logik
Von tropischen Feuchtflächen und Regenwäldern über boreale Moore bis zu mediterranen Winterregen- und australischen Sandstandorten.
Kultur-Logik
Temperatur, Wasserführung und Ruhephase müssen konsequent an die jeweilige Kulturgruppe angepasst werden.
Substrat-Logik
Von dauerhaft nassen Torf- und Sphagnumsystemen bis zu sandreichen, stark durchströmten und saisonal trockeneren Medien.
Typische Fehler
Alle Drosera gleich kultivieren, Ruhephasen ignorieren, falsche Wasserführung und zu wenig Licht.
reference
Botanische Beschreibung
Drosera hamiltonii wächst als niedrige, ausdauernde Rosette in nassen Lebensräumen des südwestlichen Western Australia. Die Blätter entspringen dicht am kurzen Zentrum und kombinieren einen schmalen Blattstiel mit einer gerundeten bis breit elliptischen, klebrigen Fangfläche. Ihre Gesamtgestalt wirkt gedrungen und deutlich flächiger als die langen, schmalen Blätter vieler australischer Arten. Die Fangtentakel tragen glänzende Schleimtropfen, mit denen kleine Beutetiere festgehalten werden. Aus der Rosettenmitte erscheinen die vergleichsweise hohen Blütenstände; die rosafarbenen bis lilafarbenen Blüten sind im Verhältnis zur Pflanze auffällig groß.
Das wichtigste Besonderheitsmerkmal liegt im Blütenbau: Die Griffel sind miteinander verwachsen und bilden eine für diese Art kennzeichnende zentrale Struktur. Das unterscheidet sie von den üblichen Drosera-Blüten mit frei stehenden, voneinander getrennten Griffeln. Der auffällige Blütenstand und die kompakte Rosette dürfen jedoch nicht isoliert als Bestimmung dienen; Jungpflanzen und nicht blühende Pflanzen sind am sichersten anhand ihrer Blattgestalt, Herkunft und vegetativen Entwicklung zuzuordnen. Anders als knollenbildende Arten zieht sich D. hamiltonii nicht jährlich in eine unterirdische Knolle zurück. Ein gesunder Bestand kann daher außerhalb der Blüte weiterblättrig bleiben.
taxonomy
Taxonomie
Der akzeptierte Name ist Drosera hamiltonii C.R.P.Andrews. Die Art ist innerhalb der Gattung taxonomisch ungewöhnlich und wird aufgrund der verwachsenen Griffel traditionell einer eigenen, monotypischen Untergattung Stelogyne zugeordnet. Klassifikationen auf Untergattungs- und Sektionsebene haben sich in der Vergangenheit verändert; die konkrete Rangstufe ist somit weniger stabil als die Anerkennung der Art selbst. Für den Codex bleibt der gebräuchliche akzeptierte Binomenname mit dem Autorzitat C.R.P.Andrews maßgeblich.
Das namensgebende Blütenmerkmal ist bei blühenden Pflanzen besonders aussagekräftig. Eine sichere Abgrenzung sollte trotzdem die kompakte Rosette, die Form der Fangblätter und den Blütenbau gemeinsam berücksichtigen. Der Name ist nicht mit einer knollentragenden, saisonal erscheinenden australischen Art gleichzusetzen: D. hamiltonii ist eine ausdauernde, nicht tuberöse Pflanze. In Kultur angebotene Samen oder Pflanzen ohne nachvollziehbare Herkunft sollten nicht allein wegen ähnlicher runder Blätter dieser Art zugeordnet werden, da mehrere Rosettendrosera juvenile Blätter mit ähnlichen Proportionen ausbilden können.
ecology
Standort und Verbreitung
Drosera hamiltonii ist im Südwesten Western Australias heimisch. Verbreitungsangaben konzentrieren sich auf die südwestliche Küstenregion; Fundorte liegen in feuchten Mooren, Torfsümpfen und dauerhaft oder lange wassergesättigten Sickerbereichen. Sekundäre Kultur- und Feldberichte nennen die Art gemeinsam mit anderen Moorpflanzen, darunter Cephalotus follicularis. Daraus folgt keine Identität der Mikrohabitate: Wasserstand, Beschattung und saisonale Durchströmung sind lokal verschieden, und die Begleitart ist kein notwendiges Erkennungsmerkmal.
Der Pflanzenstandort ist durch einen sehr feuchten Wurzelraum und ein mildes, maritim beeinflusstes Klima geprägt. Angaben zu einer einzelnen Fundstelle dürfen nicht ohne Primärbeleg in allgemeine Temperaturgrenzen oder eine genaue Höhenverteilung übersetzt werden. Auch „Moor“ beschreibt weder zwangsläufig tiefes stehendes Wasser noch einen einheitlichen Torfaufbau. Für Kulturmaterial ist die präziseste verfügbare Herkunft zu dokumentieren. Eine helle, feuchte und belüftete Aufstellung lässt sich als vorsichtige ökologische Annäherung ableiten, während eine harte Trockenphase oder eine kühle Knollenruhe durch die bekannte Lebensform nicht gestützt wird.
ecology
Ökologische Anpassungen
Die klebrigen Tentakelblätter ergänzen den nährstoffarmen Wurzelstandort um zusätzliche Nährstoffe aus gefangenen Kleintieren. Die rundliche Fangfläche bietet eine andere Blattarchitektur als die faden- oder spatelförmigen Fallen vieler anderer Drosera und kann kleine Beute über einen großen Teil der Rosette erreichen. Die dichte Rosettenform hält die Fangorgane nahe am feuchten Untergrund, ohne dass die gesamte Pflanze als schwimmend oder untergetaucht beschrieben werden sollte.
Das ausdauernde Wachstum ist ökologisch von den jährlichen Knollenzirkeln südwest-australischer Sonnentaue zu trennen. Die Pflanze besitzt keine bekannte saisonale Knolle als Überdauerungsorgan und benötigt deshalb eine Kultur, die lebende Wurzeln und Rosetten auch bei vorübergehend langsamerem Wachstum nicht vollständig austrocknen lässt. Der nasse Herkunftsraum legt eine stetige Feuchtepufferung nahe; er belegt jedoch weder eine bestimmte Wassertiefe noch ununterbrochenen Anstau. In Kultur sind Luftbewegung und ein nicht überhitzter Wurzelbereich ebenso mitzudenken wie ausreichendes Wasser.
reference
Wuchsform und Morphologie
Die Rosette setzt sich aus zahlreichen Blättern mit relativ schmalen Stielen und breiteren, rundlichen bis elliptischen Fangflächen zusammen. Auf deren Oberseite stehen die gestielten Drüsen, die den klebrigen Fangschleim absondern. Größe, Färbung und Blattwinkel können sich unter verschiedenen Licht- und Kulturbedingungen verändern; sie sollten nicht als alleinige Artmerkmale verwendet werden. Für einen sinnvollen Vergleich müssen ausgewachsene Blätter und die gesamte Rosettenform dokumentiert werden, statt nur ein einzelnes junges Blatt zu fotografieren.
Die Blüten erscheinen an längeren, aufrechten Schäften und tragen auffällig gefärbte Kronblätter. Die zentrale Besonderheit ist das verwachsene Griffelsystem, das in Nahaufnahmen einer geöffneten Blüte erkennbar wird. Es ist ein diagnostisch relevanter Unterschied zu gewöhnlichen Drosera-Blüten mit getrennten Griffeln. Bestimmungsmaterial sollte deshalb Blattunterseite, Blattstiel, Rosettenzentrum, Blütenstand und geöffnete Blüte umfassen. Eine reine Blütenfarbangabe ist unzureichend, weil Rosa- und Lilatöne durch Beleuchtung und Entwicklungsstadium unterschiedlich wirken.
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Fangstrategie
Die Fangblätter von D. hamiltonii nutzen klebrige Drüsententakel, um kleine Insekten und andere geeignete Gliederfüßer an der Oberfläche festzuhalten. Der Schleim bindet die Beute; Verdauungssekrete ermöglichen anschließend die Aufnahme gelöster Nährstoffe. Die Blätter sind aktive Fangorgane, aber keine schnell zuschnappenden Fallen. Eine deutliche Blattbewegung muss daher nicht nach jedem Fang sichtbar sein, und ausbleibendes Einrollen ist kein Beleg für eine geschädigte Pflanze.
Die Rosettenblätter stellen die Fangfläche dicht über einem feuchten Bodenmilieu bereit. Natürliche Beutefänge sind eine Ergänzung und kein Anlass, die Kulturpflanze regelmäßig mit großen oder ungeeigneten Futtertieren zu belasten. Anhaftende Insektenreste auf älteren Blättern können den Eindruck von Fangaktivität zeigen, während intakte neue Blätter für die Beurteilung des Zustands aussagekräftiger sind. Die Fallenfunktion ist artspezifisch klebrig und langsam; sie darf nicht mit der katapultierenden Fangmechanik von D. glanduligera verwechselt werden.
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Reproduktion und Lebenszyklus
Die Blüten stehen an langen Schäften deutlich über der Rosette. Die auffällige Griffelverwachsung macht die Blüte für Bestimmungszwecke wichtig und ist zugleich der zentrale Grund für die besondere systematische Stellung der Art. Blütezeitangaben beziehen sich auf südwest-australische Jahreszeiten und sollten für Kulturbestände nicht als starres Kalenderdatum behandelt werden. Nach erfolgreicher Bestäubung entstehen Samen; für eine sichere Identifikation von Sämlingen bleibt die Herkunft aus einer dokumentierten Mutterpflanze relevant.
Die Art kann als ausdauernde Rosette weiterwachsen und ist nicht auf die jährliche Erneuerung aus einer Knolle angewiesen. Angaben zu vegetativer Vermehrung dürfen ohne belastbare artspezifische Versuche nicht als verlässliche Standardmethode dargestellt werden. Für Saatgut sind Reife und getrennte Aufbewahrung zu kontrollieren, damit beim Aussäen keine Arten oder Herkünfte vermischt werden. Ein ausbleibender Blütenstand in Kultur beweist weder eine falsche Bestimmung noch eine fehlende Blühfähigkeit; Alter, Licht, Ernährungszustand und Entwicklungsrhythmus können eine Rolle spielen.
culture
Kulturrelevante Schlussfolgerungen
Die Kultur sollte den feuchten, nährstoffarmen Wurzelraum der südwest-australischen Moore nachbilden, ohne daraus ein dauerhaft tiefes Wasserbad abzuleiten. Ein luftiges, nährstoffarmes Substrat, sauberes mineralarmes Wasser und eine helle Aufstellung sind vorsichtige Ausgangspunkte. Da die Art nicht knollenbildend ist, ist eine vollständige sommerliche Austrocknung kein passendes Standardprogramm. Während langsamer Phasen muss die Rosette weiter beobachtet und der Wurzelbereich vor vollständigem Austrocknen bewahrt werden.
Die verfügbare Literatur liefert keine belastbaren universellen Sollwerte für Temperatur, pH, Leitfähigkeit oder Anstauhöhe. Entsprechend sollten keine präzisen Grenzwerte behauptet werden. Entscheidend sind der Zustand der jungen Blätter, die Wurzelgesundheit und die Vermeidung von Überhitzung in dauerhaft nassem Substrat. Eine Kulturführung wird anhand der beobachteten Pflanze angepasst, nicht durch kalendergesteuertes Gießen ersetzt. Erfahrungswerte einzelner Sammler können nützlich sein, sind jedoch nur zusammen mit deren Klima, Gefäß und Wasserführung übertragbar.
substrate
Substrat-Ökologie
Die Naturstandorte sind feucht bis nass und häufig torfig oder organisch geprägt. Ein entsprechendes Kultursubstrat soll Wasser halten und zugleich genügend Poren für den Gasaustausch besitzen. Reiner, dichter Torf kann in dauerhaft feuchter Haltung strukturell problematisch werden; eine mineralische, strukturstabile Komponente kann die Durchlüftung verbessern. Die genaue Zusammensetzung ist aus der Habitatangabe allein nicht ableitbar und sollte nicht als natürliches Rezept ausgegeben werden.
Ein niedriger Nährstoffgehalt ist für die Wurzelzone wesentlich, doch pH- und EC-Zahlen sind nur mit Messmethode, Wasser und Extraktionsverhältnis interpretierbar. Für diese Art liegen hier keine verifizierten artspezifischen Zielwerte vor. Daher sollten Düngegaben im Wurzelraum nicht ohne Versuchsdaten empfohlen werden. Sphagnum oder andere Begleitpflanzen können im Naturhabitat vorkommen, sind aber kein zwingender Bestandteil jeder Kultur. Substratwechsel sollten behutsam erfolgen, weil eine etablierte ausdauernde Rosette auf Störung und veränderte Wasserführung reagieren kann.
practice
Praxisnotizen
Als Sichtkontrolle ist ein Intervall von etwa sieben Tagen während aktiven Wachstums ein vorsichtiger Arbeitswert; bei Hitze, rasch sinkendem Wasserstand oder erkennbarer Welke muss früher kontrolliert werden. Während langsamer Phasen bleibt die Prüfung mindestens zweiwöchentlich sinnvoll, weil die Art keine bekannte Knolle besitzt, die eine vollständige Vernachlässigung des lebenden Wurzelraums erlauben würde. Sämlinge sollten in kurzen Abständen, etwa alle fünf Tage, auf Feuchte, Algen und Konkurrenzbewuchs geprüft werden. Diese Intervalle sind Beobachtungsrhythmen, keine automatischen Gießtermine.
Zu dokumentieren sind neue Blattbildung, Fangschleim, Verfärbung oder Fäulnis am Rosettenzentrum sowie der tatsächliche Wasserstand im Gefäß. Ein trockener Randbereich, der die lebenden Wurzeln nicht erreicht, ist anders zu beurteilen als ein vollständig ausgetrockneter Wurzelballen. Bei blühenden Pflanzen sollten mehrere Blüten geöffnet fotografiert werden, insbesondere die zusammengewachsenen Griffel. Pflanzenschilder mit Artname, Herkunft und Aussaatdatum helfen, diese eigenständige, nicht tuberöse Art von ähnlich rundblättrigen Drosera und von saisonalen Knollenarten getrennt zu halten.
sources
Quellenangaben
- Royal Botanic Gardens, Kew (2026): Plants of the World Online, Drosera hamiltonii C.R.P.Andrews. Akzeptierter Name, Autor, Verbreitung und Lebensform; Abruf 05.10.2026.
- Conran, J.G. & Marchant, N.G. (2011): Droseraceae. Flora of South Australia, 5th edition. Australischer Familienkontext; nicht als Quelle für artspezifische Messwerte verwendet.
- Schlauer, J. (1996): A Dichotomous Key to the Genus Drosera L. (Droseraceae). Carnivorous Plant Newsletter 25:67–88. Historische systematische Einordnung der Griffelstruktur.
- Carlton Carnivores (o.J.): Drosera hamiltonii. Ergänzende Kulturbeobachtungen zu dauerhaft nassen Moorstandorten und Blütenmorphologie; nicht als taxonomische Primärquelle verwendet; Abruf 05.10.2026.
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Zitierlink und Stand
Empfohlene Zitierweise: Black Trap Codex, Drosera hamiltonii, Stand 05.10.2026, https://blacktrap.de/codex-v2/drosera-hamiltonii/
