Black Trap Codex
Dionaea muscipula 'Kinchyaku'
Venusfliegenfalle
Kurzprofil
Kultur auf einen Blick
- Schwierigkeit
- 2 / 5 · leicht1 = sehr leicht, 5 = Spezialkultur.
- Licht
- 5 / 5 · volle Sonne1 = schattig, 5 = volle Sonne.
- Wasser
- AnstauBeschreibt die Feuchtefuehrung im Topf, nicht die Luftfeuchte.
- Ruhephase
- optionalOb die Art eine saisonale Ruhephase braucht.
- Fehlertoleranz
- hochWie stark Kulturfehler verziehen werden.
Black-Trap-Systemprofil
Substrat- und Strukturbedarf
- BT-Air
- mittelLuftfuehrung und Offenheit im Wurzelraum.
- BT-Water
- hochWie stark das Substrat Wasser halten soll.
- BT-Flow
- mittelWie schnell Wasser durch die Struktur bewegt wird.
- pH
- 3.9 - 4.5Zielbereich fuer die Substratreaktion.
- BT-Density
- niedrigVerdichtung, Gewicht und Strukturstabilitaet.
- Kapillaritaet
- hochWie gut Wasser im Substrat nach oben gezogen wird.
- Strukturstabilitaet
- mittelWie stabil das Substrat seine Struktur unter Kulturbedingungen behaelt.
Kulturgruppe
Dionaea – temperierte Standardkultur
Kulturgruppe für Dionaea muscipula und ihre Kultivare in saisonaler Außen- oder Gewächshauskultur. Benannte Auslesen teilen die grundlegenden Organe der Art, unterscheiden sich aber in Wuchs, Pigmentierung und Fallenform. Abweichende Kulturbeobachtungen werden klonbezogen dokumentiert.
Habitat-Logik
Offene, sonnige, saure und extrem nährstoffarme Feuchtstandorte der Küstenebene North und South Carolinas.
Kultur-Logik
Sehr hell bis vollsonnig kultivieren und nach dunkler Haltung schrittweise an direkte Sonne gewöhnen. Den Wurzelraum mit mineralarmem Wasser gleichmäßig feucht halten. In saisonaler Außenkultur kühle Überwinterung mit Schutz vor Austrocknung und starkem Durchfrieren des Topfes; bei ganzjähriger Innenkultur ausreichend Licht und Beuteversorgung sicherstellen.
Substrat-Logik
Sauer, nährstoffarm, mineralarm bewässert, feucht und zugleich strukturstabil und luftführend.
Risiken
Empfindlich gegen hartes Wasser
Empfindlich gegen zu hohe Nährstoffbelastung
Empfindlich gegen Austrocknung
Empfindlich gegen zu wenig Licht
Empfindlich gegen Substratverdichtung
Gattungsprofil
Dionaea
Monotypische Gattung der Sonnentaugewächse (Droseraceae), endemisch in der Küstenebene von North und South Carolina, USA. Die einzige anerkannte Art ist Dionaea muscipula; die zahlreichen benannten Kultivare sind Selektionen dieser Art, keine eigenen Arten. Typische Standorte sind offene, saisonal feuchte, saure und extrem nährstoffarme Lebensräume mit hoher Lichtverfügbarkeit.
Habitat-Logik
Offene, sonnige, saure und nährstoffarme Feuchtstandorte in der Küstenebene North und South Carolinas. Saisonale Feuchte und natürliche Störungen erhalten offene Vegetation; dauerhafte Beschattung ist atypisch.
Kultur-Logik
Sehr hell bis vollsonnig kultivieren und nach dunkler Haltung schrittweise an direkte Sonne gewöhnen. Den Wurzelraum mit mineralarmem Wasser gleichmäßig feucht halten. In saisonaler Außenkultur kühle Überwinterung mit Schutz vor Austrocknung und starkem Durchfrieren des Topfes; bei ganzjähriger Innenkultur ausreichend Licht und Beuteversorgung sicherstellen.
Substrat-Logik
Sauer, mineralarm und nährstoffarm, feucht und zugleich locker genug für Sauerstoff im Wurzelraum. Keine gedüngte Blumenerde und keine kalkhaltigen Zusätze.
Typische Fehler
Zu wenig Licht, besonders am warmen Winterstandort
Abrupte Umstellung aus dunkler Haltung in volle Sonne
Mineralreiches Gießwasser
Düngung des Wurzelmediums
Austrocknender Wurzelballen
Verdichtetes, sauerstoffarmes Medium
Wiederholtes Auslösen der Fallen ohne Beute
Risiken
Worauf diese Art empfindlich reagiert
- Empfindlich gegen Austrocknung
- Empfindlich gegen hohen Salzgehalt
- Empfindlich gegen hohe Nährstoffbelastung
- Empfindlich gegen zu wenig Licht
- Probleme durch fehlende jahreszeitliche Reize
- Empfindlich gegen Substratabbau
Verknuepfungen
Empfohlene Systemprofile
Standard-Mix
Die Basislinie für Dionaea, Drosera und Sarracenia. Torfbasierte Mischung aus Weißtorf, Perlite und Quarzsand – entwickelt für konstante Feuchte ohne Staunässe.
- BT-Air
- 8,6
- BT-Water
- 7,6
- BT-Flow
- 9,3
- BT-Structure
- 9,4
- BT-Capillary
- 2,5
- BT-Density
- 5,1
- BT-Compaction
- 3,0
reference
Botanische Beschreibung
Dionaea muscipula ‘Kinchyaku’ ist eine benannte Gartenform der Venusfliegenfalle. Die Pflanze bildet wie die Art eine bodennahe Rosette aus einzelnen Laubblättern, deren Blattspreite in zwei bewegliche Fallenlappen übergeht. Der Name Kinchyaku bedeutet sinngemäß „Beutel“; in der knappen Beschreibung von 2002 wird die Form der Falle als Namensgrund genannt. Bild- und Sammlerberichte zeigen eine beutel- oder becherartig wirkende Falle, deren Lappen ungewöhnlich stark nach innen beziehungsweise zueinander geformt erscheinen. Eine vermessene Diagnose zu Blattstiel, Rosettenbreite, Fallenlänge oder Zilien liegt jedoch nicht vor.
Das wichtigste überlieferte Merkmal ist nicht eine besondere Farbe oder Größe, sondern der unvollständige Fallenverschluss. Die historische Beschreibung vergleicht die Bewegung knapp mit einer Sonnentau-Falle; das ist als Beobachtung der Bewegungsform zu lesen, nicht als Nachweis von Klebeschleim, tentakelartigem Fang oder gleicher Physiologie. Die verfügbare Dokumentation reicht nicht aus, jede aktuell unter dem Namen angebotene Pflanze sicher mit dem 1999 von Katsuhiko Kondo beschriebenen Material gleichzusetzen. Deshalb bezeichnet der Eintrag ‘Kinchyaku’ als überlieferten Kultivarnamen mit unsicherer heutiger Klonidentität und trennt gesicherte Artmerkmale von den wenigen kultivarspezifischen Angaben.
taxonomy
Taxonomie und Namensstatus
Der akzeptierte botanische Artname lautet Dionaea muscipula J.Ellis. Die Art gehört zu den Droseraceae innerhalb der Caryophyllales und ist die einzige anerkannte Art der Gattung Dionaea. ‘Kinchyaku’ ist ein Kultivarname im gärtnerischen Sinn, kein eigener Artname, keine Unterart und keine natürliche Varietät. Der überlieferte Namensvorschlag wird Katsuhiko Kondo aus Hiroshima zugeschrieben; als Entstehungsjahr wird 1999 genannt. Die knappe Erstbeschreibung erschien 2002 im Umfeld der vierten Internationalen Karnivorenpflanzen-Konferenz in Tokio. Der Name bedeutet sinngemäß „Beutel“ und nimmt auf die Fallenform Bezug.
Die International Carnivorous Plant Society führt den Namen in ihrem Register nicht als registrierten Dionaea-Kultivar. Das ist von der dokumentierten Veröffentlichung und der fortdauernden Verwendung des Namens im Handel zu unterscheiden: Eine Pflanzenbezeichnung kann verbreitet sein, ohne eine registrierte, durch einen hinterlegten Standard eindeutig abgesicherte Klonidentität zu besitzen. Die alte englische Formulierung nennt „gene engineering in vitro“, beschreibt aber kein Verfahren. Daraus lässt sich weder eine gentechnische Veränderung noch ein bestimmter molekularer Eingriff ableiten; sicher belegt ist nur die Zuschreibung einer In-vitro-Entstehung. Eine moderne genetische Prüfung oder lückenlose vegetative Herkunftskette ist nicht veröffentlicht.
habitat
Standort und Verbreitung
Die Wildart Dionaea muscipula stammt aus der atlantischen Küstenebene von North Carolina und South Carolina im Südosten der Vereinigten Staaten. Sie wächst in offenen, sauren und nährstoffarmen Feuchtlebensräumen, etwa in feuchten Kiefern-Savannen, sandigen Nasswiesen und offenen Rändern von Carolina Bays. Der Wasserstand schwankt jahreszeitlich, die Wurzeln müssen aber ausreichend feucht bleiben. Regelmäßige Störungen, vor allem natürliche oder fachgerecht gesteuerte Brände, begrenzen konkurrierende Gehölze und erhalten die sonnigen, niedrig bewachsenen Flächen. Diese Landschaftsökologie beschreibt die Art und erklärt nicht automatisch die Herkunft eines einzelnen Gartenklons.
Für ‘Kinchyaku’ ist kein natürlicher Fundort und keine Wildpopulation bekannt. Die historische Überlieferung verortet die Entstehung bei Katsuhiko Kondo in Hiroshima und nennt In-vitro-Kultur im Jahr 1999; sie behauptet keine Selektion an einem japanischen Naturstandort. Die Wildverbreitung in den Carolinas darf daher nicht als Fundort dieses Kultivars ausgegeben werden. Auch der japanische Name ist kein Hinweis auf die natürliche Herkunft der Art. Für die Kultur ist entscheidend, dass ‘Kinchyaku’ weiterhin eine temperierte Venusfliegenfalle ist. Eine becherförmige Falle hebt die Bindung an den saisonalen Jahreslauf und die lichtreichen, feuchten Bedingungen der Art nicht auf.
ecology
Ökologische Einordnung
Die ökologische Grundausstattung von ‘Kinchyaku’ entspricht der Venusfliegenfalle. Die Falle ist eine umgebildete Blattspreite mit zwei gelenkig verbundenen Lappen. Auf der Innenfläche sitzen sensorische Reizhaare; bei ausreichend eng aufeinanderfolgenden Berührungen entstehen elektrische Signale, die den schnellen Lappenschluss auslösen. Drüsen können anschließend Verdauungsflüssigkeit abgeben. Die Beute ergänzt vor allem die Mineralstoffversorgung, während die Pflanze den überwiegenden Teil ihres Kohlenstoffs durch Photosynthese gewinnt. Diese Kombination ist an sehr nährstoffarme Böden angepasst. Für ‘Kinchyaku’ ist keine abweichende Nährstoffaufnahme, andere Reizschwelle oder besondere ökologische Beziehung nachgewiesen.
Die ungewöhnliche Fallenform und der berichtete unvollständige Verschluss sind gärtnerische Merkmale, keine belegte Anpassung an einen anderen Lebensraum. Ein unvollständig schließendes Organ könnte Beute weniger sicher einschließen; für ‘Kinchyaku’ liegen aber keine Fangquoten oder Vergleichsversuche vor. Es wäre deshalb falsch, eine verminderte Ernährung oder eine funktionierende Sonnentau-Fangweise als Tatsache hinzustellen. Die knappe historische Ähnlichkeitsangabe bezieht sich auf die Bewegung, nicht auf klebrige Fangdrüsen. Wiederholtes manuelles Auslösen liefert keine zuverlässige Diagnose und belastet die Falle. Für die Haltung gelten Licht, mineralarmes Wasser, ein nährstoffarmer Wurzelraum und die Winterruhe der Art; eine Sonderökologie ist nicht belegt.
morphology
Wuchsform und Morphologie
Wie andere Venusfliegenfallen wächst ‘Kinchyaku’ aus einem kurzen Rhizom und bildet eine Rosette aus Laubblättern. Jedes Blatt trägt eine zweilappige Fangspreite mit Randzilien und inneren Reizhaaren. An ‘Kinchyaku’ fällt die sack- oder becherartige Wirkung der Falle auf. Die Lappen erscheinen in den dokumentierten Bildern stärker gekrümmt und räumlich geschlossen als bei einer gewöhnlichen flach geöffneten Falle. Das erklärt den Namen, liefert aber noch keine vollständige botanische Diagnose. Für Blattbasen, Blattstiele, Rosettendurchmesser, Fallenlänge, Zilienzahl oder Farbverteilung wurden keine standardisierten Grenzwerte veröffentlicht.
Der historische Kern der Beschreibung ist ein nicht vollständig gelingender Verschluss. Ein späterer Fachforumbeitrag eines ‘Cupped Trap’-Selektors hebt genau diesen Unterschied hervor: ‘Kinchyaku’ solle unvollständig schließen, während die Vergleichsform gewöhnlich schließen könne. Andere Beobachtungen schreiben der Form zu, dass Randzilien sich erst nach dem Öffnen entfalten oder danach nicht mehr zuverlässig schließen; diese Details sind nicht durch kontrollierte Versuche abgesichert. Sie werden daher als Beobachtungsberichte und nicht als zwingende Diagnose behandelt. Fallenform und Bewegungsablauf sind an mehreren ausgewachsenen Blättern zu dokumentieren. Farbe, Jahreszeit, Beleuchtung und Pflanzenalter können das Aussehen verändern und dürfen nicht mit einer festen Klondiagnose verwechselt werden.
reference
Kultivar im Vergleich zur Art
Im Vergleich zur typischen Dionaea ist ‘Kinchyaku’ durch eine beutelartig geformte, ungewöhnlich gekrümmte Falle und den überlieferten unvollständigen Verschluss charakterisiert. Die historische Beschreibung nennt zusätzlich eine Bewegung, die an Sonnentau erinnert. Sie enthält aber keine Messwerte und sagt nicht, dass die Fallen mit Klebstoff fangen oder die gesamte Fangphysiologie von Drosera übernehmen. Neuere Fachliteratur zu einem anderen Kultivar, ‘EGAC Smurf’, stellt dessen becherförmige Fallen neben die ähnliche Fallenform von ‘Cupped Trap’ und ‘Kinchyaku’. Das stützt die Einordnung als formähnliche Dionaea, ersetzt jedoch keine vollständige Beschreibung des alten Klons.
‘Kinchyaku’ ist nicht einfach ein Synonym für ‘Cupped Trap’. Der ‘Cupped Trap’-Selektor Steven Stewart erklärte, dass die Klone unabhängig entstanden seien und ‘Kinchyaku’ laut seiner Erstbeschreibung auf 1999 zurückgehe; er hielt die veröffentlichte Diagnose zugleich für unvollständig. Die sichtbare Ähnlichkeit begründet daher weder Identität noch eine sichere Abgrenzung im heutigen Handel. Es gibt keine belastbaren Vergleichsdaten zu Wuchsleistung, Rosettengröße, Farbe oder Fallenmaßen. Zur Bestimmung zählen eine nachvollziehbare Herkunft und wiederholt beobachtete Fallenbewegungen stärker als ein Etikett oder ein einzelnes Produktfoto. Wo die vegetative Linie nicht belegt ist, muss die Identität als unsicher gekennzeichnet bleiben.
ecology
Fangstrategie und Fallenfunktion
Bei der normalen Venusfliegenfalle registrieren innere Reizhaare mechanische Kontakte. Mehrere zeitlich passende Reize führen zur schnellen Bewegung der beiden Fallenlappen; weitere Bewegung eines eingeschlossenen Tieres kann den dichten Verschluss und die Verdauungsreaktion fördern. Die Randzilien bilden dabei einen Käfig, während die Reizhaare im Inneren den Auslösemechanismus übernehmen. Zu kleine Tiere können zwischen den Zilien entkommen. Eine Falle bleibt nicht dauerhaft geschlossen: Nach Verdauung und Öffnung altert das Blatt und wird schließlich durch neue Blätter ersetzt. Das sind allgemeine Artmerkmale und keine speziell an ‘Kinchyaku’ gemessenen Fangwerte.
Für ‘Kinchyaku’ ist gerade die Zuverlässigkeit dieses Verschlusses fraglich. Die Erstbeschreibung nennt einen unvollkommenen Abschluss und eine bewegungsähnliche Reaktion wie bei Drosera. Daraus folgt weder, dass jede Falle funktionslos ist, noch dass der Klon gewöhnliche Beute genauso sicher fängt wie eine typische Venusfliegenfalle. Es fehlen kontrollierte Beobachtungen zu Auslöseschwelle, Schließgeschwindigkeit, Abdichtung und Beuteverdauung. Eine Falle durch Antippen oder wiederholtes Füttern zu testen, wäre deshalb kein guter Bestimmungsschritt. Sinnvoller sind ungestörte Fotos vor und nach natürlichen Ereignissen sowie die getrennte Erfassung, ob Lappen und Zilien sich vollständig schließen. Aus dem ungewöhnlichen Fangorgan darf kein erhöhter Fütterungsbedarf abgeleitet werden.
reproduction
Fortpflanzung und Erhaltung des Kultivars
Die Art kann einen aufrechten Blütenstand mit mehreren kleinen, meist weißen Blüten bilden. Die Blüten stehen weit genug über der Rosette, dass Bestäubung und Beutefang teilweise unterschiedliche Insektengruppen betreffen. Für ‘Kinchyaku’ sind keine besondere Blütenform, abweichende Bestäubung oder sichere Sterilität dokumentiert. Nach einer Bestäubung entstehende Sämlinge sind genetisch neu kombiniert. Sie können eine ungewöhnliche Fallenform oder den unvollständigen Verschluss verlieren und sind nicht automatisch ‘Kinchyaku’. Samen sollten deshalb als Sämlinge der Kreuzung oder Mutterpflanze etikettiert werden, nicht als sortenechte Kopien des benannten Kultivars.
Um die beobachteten Merkmale zu erhalten, ist vegetative Vermehrung die geeignete Grundlage. Die historische Beschreibung führt eine In-vitro-Vermehrung an; sie nennt keine ausreichend ausführliche, heute nachvollziehbare Laboranleitung. Teilbare Tochterrosetten und Blattstecklinge sind etablierte vegetative Wege bei Dionaea, doch ihr Erfolg und die Merkmalsstabilität wurden für den ursprünglichen ‘Kinchyaku’-Klon nicht in einer modernen Vergleichsserie veröffentlicht. Jeder Ableger sollte die genaue Schreibweise, das Datum und die Herkunft des Mutterstocks mitführen. Bei im Handel erworbenen Pflanzen bleibt eine Lücke zwischen Namensetikett und belegter Klonlinie möglich. Der Erhalt des Namens hängt deshalb ebenso von sauberer Dokumentation wie von der Vermehrungsmethode ab.
culture
Kulturfazit
‘Kinchyaku’ benötigt nach der verfügbaren Dokumentation keine abweichende Sonderkultur. Als Dionaea muscipula wächst der Klon während der hellen Jahreszeit an einem sehr hellen bis sonnigen Standort. Pflanzen aus dunklerer Verkaufs- oder Innenraumkultur werden schrittweise an direkte Sonne gewöhnt. Regenwasser, Osmosewasser oder destilliertes Wasser begrenzen die Ansammlung gelöster Mineralien. Ein gleichmäßig feuchter Wurzelraum ist wichtig; während des aktiven Wachstums kann ein Untersetzer mit Wasser die Versorgung erleichtern. Wie tief und wie lange ein Topf im Wasser steht, hängt von Topfgröße, Substrat, Luftbewegung und Wetter ab und ist keine kultivarspezifische feste Vorgabe.
In saisonaler Freiland- und ungeheizter Gewächshauskultur gehört eine kühle Ruhephase zum Jahreslauf der Art; das Wachstum lässt nach, ältere Blätter können absterben, und die Pflanze treibt später wieder aus. Das Substrat darf dabei nicht austrocknen, die geringere Verdunstung verlangt aber weniger Wasser. Eine intensive ganzjährige Innenkultur ohne ausgeprägte Ruhe ist ebenfalls dokumentiert, setzt jedoch starke Zusatzbeleuchtung und regelmäßige Beuteversorgung voraus. Sie ist eine andere Kulturführung und kein Beleg dafür, dass ein warmer, lichtarmer Winterstandort geeignet wäre. Gedüngte Blumenerde und mineralreiches Wasser bleiben ungeeignet. Für ‘Kinchyaku’ selbst gibt es keine Vergleichsstudie zu Ruhebedarf oder abweichendem Temperaturbereich.
substrate
Substrat und Wurzelraum
In der Natur wächst die Venusfliegenfalle in sauren, dauerhaft oder saisonal feuchten, nährstoffarmen Böden. Die Lebensräume umfassen sandige Feuchtwiesen und offene Kiefern-Savannen; Wasserstand und organische Auflage können kleinräumig variieren. Die Art übersteht keine dauerhaft starke Konkurrenz durch hohe Gehölze, wenn Feuer und andere Störungen ausbleiben. Im Topf wird ein nährstoffarmes, strukturstabiles Medium verwendet, häufig ungedüngter Torf oder langfaseriges Sphagnum mit mineralarmen Lockerungsstoffen wie Quarzsand oder Perlite. Kalk, Kompost, Dünger und gewöhnliche Blumenerde können den Wurzelraum chemisch oder physikalisch ungeeignet machen.
Für ‘Kinchyaku’ ist weder ein besonderer pH-Bereich noch eine spezielle Mischung oder ein abweichender Mineralstoffbedarf belegt. Auch eine ungewöhnliche Fallenform verändert nicht die Wurzeln und macht die Pflanze nicht zu einem anderen ökologischen Typ. Wasserstand und Feuchte sollen zum Topf und zum Jahreslauf passen: im Wachstum verlässlich feucht, im Winter weiterhin leicht feucht, aber ohne unnötig hohe Dauerüberstauung. Wasser mit geringer Mineralfracht beugt Salzansammlungen vor. Verdichtetes oder stark zersetztes Substrat wird erneuert, statt durch Dünger „aufgebessert“. Die Fallenform kann optisch ungewöhnlich sein; sie ist kein Indikator für Nährstoffmangel und kein Anlass, den Wurzelraum anders zu düngen als bei der Art.
practice
Praxisnotizen und Kontrollrhythmus
Bei ‘Kinchyaku’ sollte die Beobachtung die wenigen belegten Merkmale von Spekulation trennen. Notiere, aus welcher Sammlung oder Vermehrung die Pflanze stammt, ob die Falle beutelartig gekrümmt wirkt und ob sie sich nach natürlichen Reizen vollständig schließt. Fotografiere mehrere ausgereifte Fallen in vergleichbarer Perspektive und notiere Blattalter, Jahreszeit, Licht und Kulturbedingungen. Eine einzelne deformierte oder beschädigte Falle genügt nicht für eine Diagnose. Vergleiche nicht nur die Silhouette mit ‘Cupped Trap’: die beiden Namen bezeichnen nach der überlieferten Geschichte eigenständig entstandene Linien, deren genaue Abgrenzung heute trotzdem schwierig sein kann. Fehlt eine verlässliche vegetative Herkunft, gehört diese Einschränkung sichtbar in den Eintrag.
Der Kontrollrhythmus beträgt 14 Tage im aktiven Wachstum, 30 Tage während der Winterruhe und 7 Tage bei Sämlingen. Das sind Sichtkontrollen, keine Aufforderung, Fallen auszulösen, täglich zu gießen oder zusätzlich zu füttern. Prüfe dabei Substratfeuchte, Wasserqualität, Licht, Temperatur, neue Blätter und Schädlinge; halte die Jahreszeit und den Zustand alter Fallen fest. Bei Sämlingen werden die ersten Fallenformen beobachtet, aber nicht als sichere Klonidentität ausgegeben. Blüten, Teilungen und Ableger sollten mit Datum und Mutterpflanze dokumentiert werden. Wenn der Verschluss wiederholt unvollständig bleibt, ist das mit Fotos als Beobachtung festzuhalten; es ersetzt weder die Herkunftskette noch eine standardisierte Diagnose des ursprünglichen Kondo-Klons.
sources
Quellenangaben
Kultivarname, Erstbeschreibung und Abgrenzung
- Kondo, K. (2002): Dionaea ‘Kinchyaku’, im Umfeld der Proceedings der 4th International Carnivorous Plant Conference, Tokyo. Quelle
Die im ICPS-Kultivardatensatz zitierte frühe Beschreibung: Entstehung in Hiroshima 1999, In-vitro-Bedingungen, unvollständiger Fallenverschluss, bewegungsbezogener Vergleich mit Drosera und Namensbezug zur Beutelform. Die Formulierung zu ‘gene engineering’ beschreibt kein Verfahren und ist kein Nachweis gentechnischer Veränderung. - International Carnivorous Plant Society, Carnivorous Plant Names Resource: Registered Dionaea Cultivars. Quelle
Offizielles Register der ICPS als International Cultivar Registration Authority; ‘Kinchyaku’ ist dort nicht als registrierter Kultivar geführt. Das Verzeichnis grenzt registrierte Namen von publizierten, aber nicht registrierten Bezeichnungen ab. - ICPS Cultivar Database, Eintrag ‘Kinchyaku’, samt Folgebeitrag von S. Stewart im Carnivorous Plants UK Forum (2009). Quelle
Der Forumsbeitrag gibt den historischen ICPS-Datenbankeintrag einschließlich Namensvorschlag, Jahr, Herkunftsangabe und Beschreibung wieder. Der ‘Cupped Trap’-Selektor S. Stewart nennt die Klone unabhängig entstanden und die ‘Kinchyaku’-Beschreibung unvollständig; beides ist als Sekundärüberlieferung, nicht als kontrollierte Vergleichsstudie zu lesen. - Caldas Enriquez, A. R. (2022): New cultivars. Carnivorous Plant Newsletter 51(3): 154–161. Quelle
Fachbeitrag zu ‘EGAC Smurf’; die veröffentlichte Diagnose vergleicht die becherartige Fallenform dieses anderen Kultivars mit ‘Cupped Trap’ und ‘Kinchyaku’. Belegt Formähnlichkeit, aber keine vollständige Diagnose des alten Klons. - Rosello, J.-Ph. (um 2010): Dionaea ‘Kinchyaku’, Pflanzenliste und Beobachtungsnotizen der Sammlung Carnibase. Quelle
Sammlerbeobachtungen vergleichen die Fallenform mit ‘Cupped Trap’ und nennen Berichte zu unvollständigem Schließen. Der Autor kennzeichnet selbst mehrere Details als unsicher; daher nur ergänzender, nicht normgebender Nachweis. - Giardino Carnivoro: Dionaea muscipula ‘Kinchyaku’. Quelle
Aktuelle beziehungsweise archivierte Angebotsseite beschreibt die Pflanze als ähnlich zu ‘Cupped Trap’ und zeigt Händlerfotos. Verkaufsbeschreibung und Fotos sind urheberrechtlich geschützt und wurden nicht übernommen. - Green Jaws: Dionaea muscipula – Kinchyaku. Quelle
Aktuelles Handelsangebot bestätigt die fortdauernde Verwendung des Namens; die knappen Kulturangaben liefern keine unabhängige Kultivardiagnose. - Omnisterra, Dionaea cultivar index: ‘Kinchyaku’. Quelle
Sekundäre Zusammenstellung zitiert den ICPS-Eintrag, das Konferenzheft 2002 und die Nichtregistrierung; hilfreich zur bibliografischen Rückverfolgung, nicht als eigenständige Primärquelle.
Taxonomie, Wildareal und Schutz der Art
- Royal Botanic Gardens, Kew, Plants of the World Online: Dionaea muscipula. Quelle
Taxonomische Behandlung, akzeptierter Name und natürliches Verbreitungsgebiet. - International Plant Names Index: Dionaea muscipula J.Ellis. Quelle
Botanische Autorschaft und nomenklatorische Publikationsdaten des Artamens. - U.S. Fish and Wildlife Service (2023): Species Status Assessment for the Venus Flytrap, Version 1.1. Quelle
Behördliche Synthese zu natürlichem Areal, Lebensraum, Populationsentwicklung, Feuerregime und Schutzbedrohungen. - North Carolina Natural Heritage Program: Vascular Plants of North Carolina, Dionaea muscipula. Quelle
Amtlicher regionaler Floreneintrag zu Verbreitung, Vorkommen und Habitat in North Carolina. - North Carolina Natural Heritage Program: Habitat 701.0, wet sandy fire-maintained herblands. Quelle
Regionale Habitatbeschreibung der feuchten, sandigen und durch Feuer offengehaltenen Lebensräume. - Weakley, A. S. et al. (2014): Flora of Shaken Creek Preserve and vicinity, North Carolina. Phytotaxa 178(1): 1–43. Quelle
Floristische Primärquelle aus Küstenebenen-Habitaten North Carolinas. - Roberts, P. R. & Oosting, H. J. (1958): Responses of Venus Fly Trap to Factors Involved in Its Endemism. Ecological Monographs 28(2): 193–218. Quelle
Klassische Felduntersuchung zu Standortbedingungen, Feuchtigkeit und dem engen natürlichen Verbreitungsgebiet. - Luken, J. O. et al. (2005): Dionaea muscipula establishment and response in mowed Carolina Bay rims. Restoration Ecology 13(4): 670–675. Quelle
Primärstudie zu offenen Lebensräumen und Pflegemaßnahmen, wenn kontrolliertes Feuer nicht eingesetzt wird. - North Carolina Department of Natural and Cultural Resources (2019): Biodiversity Day – Venus Flytrap Preservation. Quelle
Regionale Naturschutzinformation zu Lebensraumverlust, Feuerunterdrückung und illegaler Entnahme.
Physiologie, Fortpflanzung und Kultur der Art
- International Carnivorous Plant Society: Growing Dionaea muscipula. Quelle
Fachleitfaden zu Licht, mineralarmem Wasser, nährstoffarmem Substrat und saisonaler Kultur. - International Carnivorous Plant Society: Dionaea Leaf Pullings Step-by-Step. Quelle
Praxisleitfaden zur vegetativen Vermehrung durch Blattstecklinge. - North Carolina State University Extension: Venus Fly Trap Plant Toolbox. Quelle
Institutionelle Übersicht zu Morphologie, Verbreitung, Standort und Kultur. - North Carolina Cooperative Extension: Venus Flytrap Dormancy. Quelle
Fachinformation zum saisonalen Ruheabschnitt und zu geeigneter Kultur temperierter Pflanzen. - United States Botanic Garden: Cultivating Carnivorous Plants. Quelle
Institutionelle Kulturhinweise zu Wasserqualität, Licht, Substrat und Ruhephasen. - Brittnacher, J. (2019): Grow Venus flytraps indoors. Carnivorous Plant Newsletter 48(4): 178–182. Quelle
ICPS-Fachbeitrag beschreibt mehrjährige Innenkultur ohne ausgeprägte Winterruhe bei sehr starker Beleuchtung und regelmäßiger Fütterung; er grenzt diese Spezialführung von der saisonalen Außenkultur ab. - International Carnivorous Plant Society: Dionaea muscipula, teacher information sheet. Quelle
Unterscheidet den winterlichen Rückzug von Freilandpflanzen von ganzjähriger Innenkultur ohne ausgeprägte Ruhe und nennt dafür zusätzliche Beleuchtung und Fütterung. - Darwin, C. (1875): Insectivorous Plants, Chapter III: Dionaea muscipula. Quelle
Historische Primärbeobachtungen zu Reizhaaren, Fallenbewegung und Verdauung. - Forterre, Y. et al. (2005): How the Venus flytrap snaps. Nature 433: 421–425. Quelle
Mechanische Primärstudie zur schnellen Schließbewegung der Falle. - Volkov, A. G. et al. (2008): Active movements in plants: Mechanism of trap closure by Dionaea muscipula. Plant Signaling & Behavior 3(10): 778–783. Quelle
Primärstudie zu elektrischen Signalen und Fallenmechanik. - Böhm, J. et al. (2016): The Venus Flytrap Counts Prey-Induced Action Potentials to Induce Sodium Uptake. Current Biology 26(3): 286–295. Quelle
Primärforschung zu Reizverarbeitung, Verdauungsreaktion und Nährstoffaufnahme. - Suda, H. et al. (2020): Calcium dynamics during trap closure visualized in transgenic Venus flytrap. Nature Plants 6: 1219–1224. Quelle
Bildgebende Primärstudie zu Kalziumsignalen beim Fallenverschluss. - Kreuzwieser, J. et al. (2014): The Venus flytrap attracts insects by the release of volatile organic compounds. Journal of Experimental Botany 65(2): 755–766. Quelle
Experimentelle Primärarbeit zu Duftstoffen und möglicher Beuteanlockung. - Youngsteadt, E. et al. (2018): Venus Flytrap Rarely Traps Its Pollinators. The American Naturalist 191(4): 539–546. Quelle
Feldstudie zum Beutespektrum und zur Trennung von Fang- und Bestäubungsfunktion. - Hamon, L. E. et al. (2024): As prey and pollinators, insects increase reproduction and allow for outcrossing in Dionaea muscipula. American Journal of Botany 111(8): e16279. Quelle
Primärstudie zu Bestäubern, Pollenübertragung und Reproduktion. - Schulze, W. X. et al. (2012): The Protein Composition of the Digestive Fluid from the Venus Flytrap. Molecular & Cellular Proteomics 11(11): 1306–1319. Quelle
Primäranalyse der Verdauungsflüssigkeit und ihrer Enzyme. - Gao, P. et al. (2015): Integration of trap- and root-derived nitrogen nutrition of carnivorous Dionaea muscipula. New Phytologist 205(3): 1320–1329. Quelle
Primärstudie zur Stickstoffaufnahme über Fallen und Wurzeln.
Quellenbewertung und Bildrechte
Für die Klonmerkmale sind die kurze Konferenzbeschreibung, der überlieferte Kultivardatensatz und spätere Sammlerberichte unterschiedlich belastbar. Die Unterschiede zu ‘Cupped Trap’ werden als eigenständige Entstehung und zugleich unvollständig dokumentierte heutige Abgrenzung beschrieben. Die Artbiologie und Kultur beruhen auf taxonomischen, behördlichen und wissenschaftlichen Quellen. Die lokale Mediathek-Suche ergab kein passendes eigenes Foto; für die abgebildeten Händleraufnahmen wurde keine freie Lizenz gefunden. Es wurde kein fremdes Bild übernommen, und die vier Bildfelder bleiben leer.
Zitieren
Zitierlink und Stand
Empfohlene Zitierweise: Black Trap Codex, Dionaea muscipula 'Kinchyaku', Stand 02.10.2026, https://blacktrap.de/codex-v2/dionaea-muscipula-kinchyaku/
