Black Trap Codex

Dionaea muscipula 'Biohazard'

Venusfliegenfalle

Aktiv
Familie
Droseraceae
Gattung
Dionaea
Herkunft
Auslese von C. Klein, S. Glied, C. Paul und M. Stöckl; Ursprung Deutschland 2008. Kultivarregistrierung 2013. Kein Wildfundort.
Autor
J.Ellis

Kurzprofil

Kultur auf einen Blick

Schwierigkeit
2 / 5 · leicht1 = sehr leicht, 5 = Spezialkultur.
Licht
5 / 5 · volle Sonne1 = schattig, 5 = volle Sonne.
Wasser
AnstauBeschreibt die Feuchtefuehrung im Topf, nicht die Luftfeuchte.
Ruhephase
optionalOb die Art eine saisonale Ruhephase braucht.
Fehlertoleranz
hochWie stark Kulturfehler verziehen werden.

Black-Trap-Systemprofil

Substrat- und Strukturbedarf

BT-Air
mittelLuftfuehrung und Offenheit im Wurzelraum.
BT-Water
hochWie stark das Substrat Wasser halten soll.
BT-Flow
mittelWie schnell Wasser durch die Struktur bewegt wird.
pH
3.9 - 4.5Zielbereich fuer die Substratreaktion.
BT-Density
niedrigVerdichtung, Gewicht und Strukturstabilitaet.
Kapillaritaet
hochWie gut Wasser im Substrat nach oben gezogen wird.
Strukturstabilitaet
mittelWie stabil das Substrat seine Struktur unter Kulturbedingungen behaelt.

Kulturgruppe

Dionaea – temperierte Standardkultur

Kulturgruppe für Dionaea muscipula und ihre Kultivare in saisonaler Außen- oder Gewächshauskultur. Benannte Auslesen teilen die grundlegenden Organe der Art, unterscheiden sich aber in Wuchs, Pigmentierung und Fallenform. Abweichende Kulturbeobachtungen werden klonbezogen dokumentiert.

Habitat-Logik

Offene, sonnige, saure und extrem nährstoffarme Feuchtstandorte der Küstenebene North und South Carolinas.

Kultur-Logik

Sehr hell bis vollsonnig kultivieren und nach dunkler Haltung schrittweise an direkte Sonne gewöhnen. Den Wurzelraum mit mineralarmem Wasser gleichmäßig feucht halten. In saisonaler Außenkultur kühle Überwinterung mit Schutz vor Austrocknung und starkem Durchfrieren des Topfes; bei ganzjähriger Innenkultur ausreichend Licht und Beuteversorgung sicherstellen.

Substrat-Logik

Sauer, nährstoffarm, mineralarm bewässert, feucht und zugleich strukturstabil und luftführend.

Risiken

Empfindlich gegen hartes Wasser
Empfindlich gegen zu hohe Nährstoffbelastung
Empfindlich gegen Austrocknung
Empfindlich gegen zu wenig Licht
Empfindlich gegen Substratverdichtung

Gattungsprofil

Dionaea

Monotypische Gattung der Sonnentaugewächse (Droseraceae), endemisch in der Küstenebene von North und South Carolina, USA. Die einzige anerkannte Art ist Dionaea muscipula; die zahlreichen benannten Kultivare sind Selektionen dieser Art, keine eigenen Arten. Typische Standorte sind offene, saisonal feuchte, saure und extrem nährstoffarme Lebensräume mit hoher Lichtverfügbarkeit.

Habitat-Logik

Offene, sonnige, saure und nährstoffarme Feuchtstandorte in der Küstenebene North und South Carolinas. Saisonale Feuchte und natürliche Störungen erhalten offene Vegetation; dauerhafte Beschattung ist atypisch.

Kultur-Logik

Sehr hell bis vollsonnig kultivieren und nach dunkler Haltung schrittweise an direkte Sonne gewöhnen. Den Wurzelraum mit mineralarmem Wasser gleichmäßig feucht halten. In saisonaler Außenkultur kühle Überwinterung mit Schutz vor Austrocknung und starkem Durchfrieren des Topfes; bei ganzjähriger Innenkultur ausreichend Licht und Beuteversorgung sicherstellen.

Substrat-Logik

Sauer, mineralarm und nährstoffarm, feucht und zugleich locker genug für Sauerstoff im Wurzelraum. Keine gedüngte Blumenerde und keine kalkhaltigen Zusätze.

Typische Fehler

Zu wenig Licht, besonders am warmen Winterstandort
Abrupte Umstellung aus dunkler Haltung in volle Sonne
Mineralreiches Gießwasser
Düngung des Wurzelmediums
Austrocknender Wurzelballen
Verdichtetes, sauerstoffarmes Medium
Wiederholtes Auslösen der Fallen ohne Beute

Risiken

Worauf diese Art empfindlich reagiert

  • Empfindlich gegen Austrocknung
  • Empfindlich gegen hohen Salzgehalt
  • Empfindlich gegen hohe Nährstoffbelastung
  • Empfindlich gegen zu wenig Licht
  • Probleme durch fehlende jahreszeitliche Reize
  • Empfindlich gegen Substratabbau

Verknuepfungen

Empfohlene Systemprofile

Core-Referenzprofil

Standard-Mix

Die Basislinie für Dionaea, Drosera und Sarracenia. Torfbasierte Mischung aus Weißtorf, Perlite und Quarzsand – entwickelt für konstante Feuchte ohne Staunässe.

BT-Air
8,6
BT-Water
7,6
BT-Flow
9,3
BT-Structure
9,4
BT-Capillary
2,5
BT-Density
5,1
BT-Compaction
3,0
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reference

Botanische Beschreibung

‘Biohazard’ ist eine gärtnerische Auslese der Venusfliegenfalle Dionaea muscipula. Ihr wichtigstes Kennzeichen ist keine andere Fangtechnik, sondern die unregelmäßige Entwicklung der Fanglappen. Viele Fallen sind stark verformt; ihre Ränder verlaufen gebogen oder wellig, und die Randcilien können unterschiedliche Längen besitzen oder teilweise zusammengewachsen wirken. Auf den Fallen sitzen zahlreiche Reizhaare. Trotz dieser auffälligen Ausstattung schließen sie sich nach der überlieferten Kultivarbeschreibung häufig nicht richtig. Das unterscheidet den Klon funktionell von der typischen Venusfliegenfalle, deren zusammenpassende Lappen eine Beute umschließen können.

Die Pflanze bleibt eine ausdauernde, bodennahe Rosette mit kurzem Rhizom, Blattstielen und endständigen Klappfallen. Für einzelne Blätter werden Längen bis ungefähr acht Zentimeter angegeben; dies ist ein dokumentierter Höchstwert und keine garantierte Größe jedes Exemplars. Sommerblätter stehen meist aufrecht, während Blätter aus Frühjahr und Herbst eher flach bis niederliegend wachsen. Bei direkter Sonne kann die Falleninnenseite unterschiedlich stark rot werden. Die Randzone bleibt häufig grün, die Randcilien wirken oft weißlich. Diese Merkmalskombination ist nicht an jedem Blatt gleich: Neben stark verformten Fallen können gelegentlich typische, kaum veränderte Fallen auftreten. Ein einzelnes Blattbild bildet daher weder die ganze Pflanze noch ihre wechselnde Ausprägung ab.

taxonomy

Taxonomie

Der akzeptierte botanische Name der Art lautet Dionaea muscipula J.Ellis. ‘Biohazard’ ist ein Kultivarname innerhalb dieser Art, weder eine eigene Art noch eine Unterart oder botanische Varietät. Die Auslese wurde 2008 in Deutschland gefunden und 2013 unter Beteiligung von C. Klein, S. Glied, C. Paul und M. Stöckl registriert. J.Ellis ist der Autor des Artnamens; die vier genannten Personen gehören zur Entstehungs- und Registrierungsgeschichte des Kultivars. Der Name bezieht sich auf die auffällige, beinahe verstörende Erscheinung der deformierten Fallen.

Im Handel taucht zusätzlich die Bezeichnung „Biohazard 1“ auf. Die registrierte Kultivarform lautet jedoch schlicht ‘Biohazard’; eine Ziffer ist kein Bestandteil der dokumentierten Namensform. ‘Biohazard 2’ wird separat geführt und darf nicht als bloße Schreibvariante dieses Eintrags behandelt werden. Für diese spätere Auslese werden eine grünere Erscheinung und eine stabilere Fallenform beschrieben, während ‘Biohazard’ variable Rotfärbung, häufig nicht richtig schließende Fallen und gelegentlich typische Blätter zeigt. Sammlungslisten führen ‘Biohazard 2’ teilweise als selbstbestäubte Nachkommenschaft. Diese Abstammungsangabe steht in Spannung zur Beschreibung des ursprünglichen Kultivars, nach der Sämlinge die deformierte Fallenstruktur nicht zuverlässig übernehmen. Ohne nachvollziehbaren Vermehrungsbeleg bleibt die konkrete Klonbeziehung offen.

ecology

Standort und Verbreitung

‘Biohazard’ besitzt keinen natürlichen Fundort und keine eigene Wildpopulation. Die gärtnerische Entstehung wird für 2008 nach Deutschland datiert; dies bezeichnet den Ort der Auslese, nicht das natürliche Areal einer Pflanze. Auch ein Gewächshaus, eine Gärtnerei oder der Wohnort eines Sammlers ist kein Wildstandort. Es gibt keinen Beleg dafür, dass ‘Biohazard’ in der Natur vorkommt oder dort eine eigene ökologische Population bildet. Die dokumentierte Verwendung des Kultivarnamens gehört zur Gartenbaugeschichte der Venusfliegenfalle.

Die natürliche Verbreitung der Elternart Dionaea muscipula liegt in einem begrenzten Gebiet an der Atlantikküste von North Carolina und South Carolina im Südosten der Vereinigten Staaten. Typische Standorte umfassen offene, saure und nährstoffarme Feuchtflächen der Küstenebene sowie örtliche Sandhills und Kiefernlandschaften. Diese Verbreitung darf nicht als Herkunft des deutschen Kultivars in dessen Pflanzenpass übernommen werden. Für eine Sammlung sind daher drei Angaben getrennt zu führen: das natürliche Areal der Art, die gärtnerische Entstehung der Auslese und die belegbare Weitergabe des einzelnen Rhizoms. Verkaufsland oder Importweg ersetzen weder einen Herkunftsnachweis noch einen Wildfundbeleg. Bei ‘Biohazard’ ist die bekannte Auslese in Deutschland die Kulturgeschichte; ein darüber hinausgehender klonbezogener Fundort ist nicht dokumentiert.

ecology

Ökologische Anpassungen

Die auffälligen Fallen von ‘Biohazard’ sind eine gärtnerische Mutation und keine belegte Anpassung an einen besonderen Naturstandort. Die Venusfliegenfalle besiedelt offene, lichtreiche und nährstoffarme Böden, auf denen die Aufnahme tierischer Beute die knappe Mineralstoffversorgung ergänzt. Bei ‘Biohazard’ können die verformten Fallenlappen und welligen Ränder das vollständige Schließen jedoch erschweren. Mehr Reizhaare bedeuten daher nicht automatisch mehr gefangene Beute; eine höhere Fangrate oder bessere Überlebensfähigkeit ist für diesen Klon nicht nachgewiesen.

Auch die wechselnde Rotfärbung ist keine besondere ökologische Strategie des Kultivars. Sie tritt unter direkter Sonne unterschiedlich stark auf, während grüne Ränder und helle Randcilien häufig beschrieben werden. Pigmentierung zeigt zunächst die Entwicklung des Blatts und die Lichtbedingungen an; sie belegt weder eine besondere Hitzetoleranz noch eine Anpassung an trockenere Standorte. Die Pflanze bleibt physiologisch an den Lebenszyklus der Art gebunden: Sie bildet chlorophyllhaltige Blattstiele, aktive Fangspreiten, Blüten und Samenanlagen nach dem saisonalen Muster von Dionaea muscipula. Die kultivierte Verformung darf nicht als Ursache eines veränderten Naturverhaltens ausgegeben werden. Auch eine zeitweise normal geformte Falle stellt keine Rückkehr zu einer Wildform dar, sondern gehört zur dokumentierten Schwankung der Klonmerkmale.

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Wuchsform und Morphologie

Für ‘Biohazard’ wird eine Blattlänge bis ungefähr acht Zentimeter angegeben. Die Stellung verändert sich mit der Jahreszeit: Der sommerliche Austrieb ist überwiegend aufrecht, Blätter aus Frühjahr und Herbst liegen eher flach. Die charakteristischen Fallen besitzen stark verformte Lappen. Ihre Umrisse können geknickt, gebogen oder wellig sein; die Randcilien variieren in Länge und können stellenweise teilweise miteinander verbunden sein. Auf den Lappen sitzen auffällig viele Reizhaare. Bei direkter Sonne färbt sich die Innenfläche unterschiedlich stark rot, während der Lappenrand meist grün bleibt und die Randcilien oft weißlich erscheinen.

Die Merkmale sind nicht vollständig stabil. Aus derselben Pflanze können neben stark deformierten Fallen vereinzelt fast typische Fallen hervorgehen; weder deren Auftreten noch das Ausbleiben der Mutation an einem einzelnen Blatt entscheidet allein über die Identität. Die Kultivarbeschreibung nennt außerdem eine häufig eingeschränkte Schließfähigkeit. Sie beschreibt verformte Lappen einer zweiklappigen Falle, nicht sicher eine zusätzliche Falle pro Blatt oder einen bestimmten dreizähligen Wuchstyp. Solche weitergehenden Behauptungen finden sich vereinzelt in Verkaufskatalogen, sind aber kein Ersatz für die registrierte Diagnose. Zur Beurteilung gehören mehrere reife Fallen, saisonale Blattstellung, wiederkehrende Randverformungen und die dokumentierte vegetative Herkunft. Farbe, Blattgröße und ein einzelnes ungewöhnlich geformtes Blatt sind für sich genommen keine belastbare Bestimmung.

reference

Carnivore Strategie

‘Biohazard’ behält den grundsätzlichen Klappfallenbau von Dionaea muscipula: zwei Lappen mit sensorischen Haaren auf der Innenfläche, bewegliche Randcilien und Verdauungsdrüsen. Bei der Art führt eine passende Folge mechanischer Reize zu elektrischen Signalen und zum schnellen Fallenverschluss. Wiederholte Beutereize lösen nach dem Schließen weitere Reaktionen aus, durch die sich die Falle abdichtet und Verdauungsprozesse beginnen. Die genaue Form der Fallenbewegung wird durch aktuelle Untersuchungen an der Art weiter erklärt; sie ist keine speziell für ‘Biohazard’ belegte Neuerung.

Für diesen Kultivar ist die entscheidende Abweichung funktionell: Die Lappen sind häufig stark deformiert und schließen laut Beschreibung meist nicht richtig. Die vielen Reizhaare dürfen deshalb nicht als Nachweis einer besonders effizienten Falle interpretiert werden. Eine kontrollierte Messreihe zu Fangrate, Schließgeschwindigkeit oder Nährstoffaufnahme von ‘Biohazard’ liegt nicht vor. Ob eine einzelne Falle Beute hält, kann zwischen Blatt und Entwicklungsstadium variieren; Pflanzenpflege sollte sich daher am Zustand des Rhizoms und der neu gebildeten Blätter orientieren, nicht an erzwungenen Schließversuchen. Wiederholtes Auslösen ohne Beute verbraucht Ressourcen, beschädigt Gewebe und liefert keine verlässliche Diagnose. Fallen nicht aufbiegen, zusammendrücken oder durch größere Beute zum Schließen zwingen. Die Art bleibt carnivor, auch wenn einzelne Klappen ihre Funktion nur eingeschränkt erfüllen.

reference

Reproduktion und Lebenszyklus

Die Auslese ‘Biohazard’ wird vegetativ erhalten, damit die ungewöhnliche Fallenform mit der dokumentierten Klonlinie verbunden bleibt. Für die Vermehrung sind Teilung des Rhizoms und Blattstecklinge überliefert. Tochterrosetten können abgetrennt werden, wenn sie eigene Wurzeln oder einen ausreichend entwickelten Rhizomabschnitt besitzen. Bei jedem Schritt sollten Mutterpflanze, Datum und Weitergabe notiert werden, weil die Mutation innerhalb des Klons ohnehin schwankt und eine gelegentlich typische Falle die Herkunft nicht widerlegt.

Samen aus einer ‘Biohazard’-Pflanze sind keine vegetativ identischen Kopien. Die Beschreibung der registrierten Auslese hält fest, dass Sämlinge die deformierte Fallenstruktur nicht zuverlässig übernehmen; eine Aussaat erhält den Kultivar daher nicht. Sämlinge sind als neue Individuen zu etikettieren und dürfen nicht allein wegen eines auffälligen Blatts ‘Biohazard’ genannt werden. Die Etiketten sollten sie ausdrücklich von vegetativen Teilstücken unterscheiden. Die Pflanze bleibt eine mehrjährige Venusfliegenfalle mit saisonalem Jahresgang und kann wie die Art blühen und Kapselfrüchte bilden. Vor einer Blüte werden häufig Kraft und gespeicherte Ressourcen in den Blütenstand gelenkt; die Entscheidung zum Entfernen des Stängels richtet sich nach Vitalität und Kulturziel. Für die Erhaltung der benannten Form sind gesunde vegetative Nachkommen mit nachvollziehbarer Abstammung die zuverlässigere Grundlage.

culture

Kulturrelevante Schlussfolgerungen

Die Kultur von ‘Biohazard’ orientiert sich an der temperierten Venusfliegenfalle: sehr viel Licht, mineralarmes Wasser, ein feuchter und nährstoffarmer Wurzelraum sowie ein passender Jahresrhythmus. Die ungewöhnlichen Lappenränder begründen keinen anderen Temperatur-, Luftfeuchte- oder Düngerbedarf. Pflanzen, die zuvor unter schwachem Licht standen, werden schrittweise an direkte Sonne gewöhnt. Bei saisonaler Freiland- oder ungeheizter Gewächshauskultur gehört eine kühle Winterphase zum normalen Rhythmus; die genaue Führung richtet sich nach Standort, Gefäß und Pflanzenzustand. Die Falle kann trotz gesunder Pflanze unvollständig schließen, weshalb die Blattfunktion nicht als einziger Vitalitätsmaßstab dient.

Für die Zustandskontrolle gilt das verknüpfte Dionaea-Profil: alle 14 Tage während aktiven Wachstums, alle 30 Tage in der Winterruhe und alle 7 Tage bei Sämlingen. Diese Abstände sind Beobachtungsintervalle, keine festen Gießtermine. Geprüft werden Wasserstand, Substratfeuchte, Neuaustrieb, Rhizomfestigkeit und Schädlingsbefall. Neue Blätter sollten unter stabilen Bedingungen reifen, bevor ihre Fallenform beurteilt wird. Eine verformte Falle nicht mechanisch korrigieren und eine nur zeitweise normal geformte Falle nicht durch zusätzliche Fütterung oder Experimente kompensieren. Die Selektionsmerkmale verändern nicht die Wurzeln; sie verlangen daher keine Sondermischung und keine zusätzliche Nährstoffversorgung. Überwinterung und Licht werden wie bei der Art an die jeweilige Kulturform angepasst.

substrate

Substrat-Ökologie

Die Fallenmutation verändert den Wurzelraum nicht. ‘Biohazard’ benötigt wie andere Venusfliegenfallen ein saures, nährstoffarmes Medium, das mineralarm bewässert und während der Wachstumszeit gleichmäßig feucht gehalten wird. Das Substrat soll Wasser speichern, zugleich aber eine lockere Struktur behalten, damit Rhizom und Wurzeln nicht dauerhaft in verdichtetem, sauerstoffarmem Material liegen. Ungedüngter Weißtorf mit strukturgebenden Anteilen oder langfaseriges Sphagnum sind gebräuchliche Ausgangsstoffe; eine spezielle Rezeptur für ‘Biohazard’ ist nicht belegt.

Ein flacher Anstau während des Wachstums kann die Feuchte gleichmäßiger halten. Wasserhöhe und Nachfüllung richten sich nach Gefäßgröße, Temperatur und Verdunstung, nicht nach der Form der Fallen. Regenwasser oder geeignetes Umkehrosmosewasser reduzieren die Mineralbelastung. Gedüngte Blumenerde, kalkhaltige Zusätze und mineralreiches Leitungswasser passen nicht zum nährstoffarmen Wurzelhabitat der Art. Die empfindliche Rosettenbasis sollte bei Umtopfen nicht tief verschüttet werden; abgestorbene Blätter werden entfernt, ohne das Rhizom zu verletzen. Die Rhizomkrone bleibt dabei oberflächennah und frei von einer dichten, erstickenden Abdeckung. In der kühlen Ruhephase wird die Wassermenge an den geringeren Verbrauch angepasst, der Ballen aber nicht trocken gelagert. Die verformten Fanglappen sind kein Hinweis darauf, dass zusätzliche Mineralstoffe oder ein feuchteres Luftmilieu die Mutation stabilisieren könnten.

practice

Praxisnotizen

Für eine belastbare Dokumentation werden mehrere reife Fallen derselben Pflanze aufgenommen: Ansicht von oben, Seitenansicht der Lappenränder und ein Gesamtbild der Rosette. Maßstab, Datum, Jahreszeit und Lichtbedingungen gehören zur Aufnahme. Notiert werden die Stellung der Blätter, Welligkeit oder Knicke der Lappen, Länge und mögliche Teilfusion der Randcilien, Zahl der sichtbaren Reizhaare sowie die Verteilung von Rot, Grün und Weiß. Zusätzlich wird an mehreren Fallen festgehalten, ob sie sich schließen und ob die Lappen anschließend zusammenpassen. Die Schließfähigkeit nicht durch wiederholtes Reizen testen, wenn es für die Pflege nicht erforderlich ist.

Da die Mutation schwankt, werden auch fast typische Blätter protokolliert. Eine einzelne Abweichung beweist weder eine falsche Zuordnung noch einen Klonverlust. Umgekehrt reicht ein besonders stark deformiertes Blatt ohne nachvollziehbare Herkunft nicht zur Benennung. Zur Abgrenzung von ‘Biohazard 2’ sind die überwiegend grünere und als stabiler beschriebene Auslese sowie die unterschiedlichen Namen zu beachten; die überlieferte Selbstungsbeziehung ist wegen des Widerspruchs zur registrierten Vererbungsbeschreibung nicht als geklärt einzutragen. Für die laufende Kulturkontrolle gelten 14 Tage bei aktivem Wachstum, 30 Tage in Winterruhe und 7 Tage bei Sämlingen. Bei rasch sinkendem Wasserstand, Schädlingen oder einem weichen Rhizom wird unabhängig davon früher kontrolliert.

sources

Quellenangaben

Kultivarbeschreibung und Registrierung

  • Bailey, P. & McPherson, S. (2013): Dionaea: The Venus’s Flytrap, S. 182–183, Abb. 144–146. Ausführliche Beschreibung und Abbildungen des registrierten Kultivars ‘Biohazard’.
  • International Carnivorous Plant Society (2014): Cultivar names registered in 2013, Carnivorous Plant Newsletter 43(1), S. 31–32. Registrierungsliste (PDF). Führt ‘Biohazard’ C. Klein mit Verweis auf Bailey & McPherson, S. 182.
  • International Carnivorous Plant Names Database: Dionaea ‘Biohazard’. Kultivardatenbank. Registranten, Herkunft 2008 in Deutschland, Nominanten, Publikationsverweis und Standardabbildungen.
  • Società di Ortoflorofrutticoltura Italiana: Collezione Dionaea muscipula, Akzession D88. Sammlungsdatensatz. Führt ‘Biohazard 2’ als selbstbestäubte Nachkommenschaft; diese Angabe steht in Spannung zur Vererbungsbeschreibung von ‘Biohazard’.
  • Carnivors and More (2024): Verkaufsliste, Einträge DIO_31 und DIO_32. Katalog (PDF). Handelsbegriffe „Biohazard 1/2“ und sekundäre Angaben zu Stabilität und Fallenform; kein formaler Kultivarstandard.
  • CARNÍVORASLAND (2008/2013): Dionaea muscipula “Biohazard”, Flickr-Fotografie. Bildnachweis; Lizenz CC BY-ND 2.0. Exakter Klonbezug, aber nicht eingebunden, da die Codex-Heroansicht das Bild zuschneidet und die Lizenz keine Bearbeitungen erlaubt.

Artbiologie und Kultur

  • Royal Botanic Gardens, Kew: Plants of the World Online: Dionaea muscipula J.Ellis. Taxonprofil. Akzeptierter Artname, Autor und natürliches Areal.
  • North Carolina State Extension: Dionaea muscipula – Plant Toolbox. Artbeschreibung und Kultur. Morphologie, Lebensraum, Jahresgang und Kultur der Elternart.
  • International Carnivorous Plant Society: Growing Dionaea muscipula. Kulturleitfaden. Licht, Wasser, Substrat und saisonale Kultur.
  • Böhm, J. et al. (2016): The Venus Flytrap Dionaea muscipula Counts Prey-Induced Action Potentials to Induce Sodium Uptake, Current Biology. Fachartikel. Reizverarbeitung und Nährstoffaufnahme der Art; keine Untersuchung von ‘Biohazard’.
  • Ryu, Y. et al. (2026): Fast cell wall softening causes Venus flytrap closure, Science. Fachartikel. Mechanismus des Fallenverschlusses der Art; keine kultivarspezifische Messung.

Bildprüfung

Kein eigenes Bild mit Biohazard-Titel in der WordPress-Mediathek. Die passende Flickr-Aufnahme von CARNÍVORASLAND ist CC BY-ND 2.0; die Codex-Heroansicht schneidet Bilder zu, daher wurde sie nicht eingebunden. Weitere Suchtreffer waren nicht als passende kommerziell nutzbare Abbildungen verifiziert. Es wurde kein Bild kopiert; externe Bildfelder bleiben leer.

reference

Kultivar im Vergleich zur Art

Im Vergleich zur Grundform besitzt ‘Biohazard’ häufig stark verformte Fanglappen. Die Lappenränder sind unterschiedlich gebogen oder wellig; Randcilien variieren in Länge und können stellenweise teilweise zusammengewachsen erscheinen. Auf den Lappen sitzen viele Reizhaare, dennoch schließen die Fallen laut Kultivarbeschreibung meist nicht richtig. Im direkten Sonnenlicht kann die Innenfläche unterschiedlich rot werden, während die Ränder überwiegend grün und die Cilien oft weißlich bleiben. Die Blattstellung ist saisonal ausgeprägt: Sommerblätter wachsen eher aufrecht, Frühjahrs- und Herbstblätter eher flach. Einzelne Blätter können fast typische Fallen tragen, denn die Mutation ist nicht völlig stabil.

Das unterscheidet ‘Biohazard’ von ‘Biohazard 2’, das im Handel mit grüneren Fallen und höherer Stabilität beschrieben wird; diese Merkmale sind keine Garantie und die genaue Abstammung ist widersprüchlich überliefert. ‘Cupped Trap’ zeigt dagegen vor allem eine am distalen Ende verbundene Lappenspitze mit becherartiger Kontur. Diese gezielte Endverbindung ist nicht dasselbe wie die unregelmäßigen welligen Ränder von ‘Biohazard’. Auch die Bezeichnung „Biohazard 1“ aus Verkaufskatalogen ist keine Erweiterung des registrierten Namens. Zur Klonzuordnung zählen wiederkehrende Merkmale über mehrere Blätter und eine nachvollziehbare vegetative Herkunft. Eine feste Rotgrenze, Blattgröße oder Fangquote ist nicht festgelegt; ein einzelnes Foto oder die Namensähnlichkeit zu einer anderen Auslese beweist keine Identität.

Zitieren

Zitierlink und Stand

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Aktueller Stand30.09.2026

Empfohlene Zitierweise: Black Trap Codex, Dionaea muscipula 'Biohazard', Stand 30.09.2026, https://blacktrap.de/codex-v2/dionaea-muscipula-biohazard/